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Friedberg

15.07.2020

Mitbegründer des Altstadtfestes mit Silberdistel ausgezeichnet

Zum Altstadtfest Friedberger Zeit gehören stilechte Gewänder. Zu dem Ereignis kommen regelmäßig mehr als 100.000 Besucher.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Gabriele und Hubert Raab wollen den Menschen Natur, Kultur und Geschichte nahebringen. Seit Jahrzehnten sind sie für die Heimat aktiv.

Heimat ist als Gegenentwurf zur globalisierten Welt in Mode gekommen. Ein Begriff, der oft vage bleibt, aber ein Kuschelgefühl erzeugt – und auch missbraucht wird. Mit so etwas haben Gabriele und Hubert Raab nicht viel am Hut. Für sie ist Heimat immer konkret. Ein Zwiebelturm in einer Kulturlandschaft aus Wiesen und Feldern. Die Verbindung von Kultur und Natur. Ihr geliebtes Friedberg, in dem die beiden, die sich seit Kindesbeinen kennen, aufgewachsen sind. Diese Liebe wollen sie auch anderen vermitteln. Für ihr Engagement erhalten sie nun die Silberdistel unserer Redaktion, eine Auszeichnung für besonderen bürgerschaftlichen Einsatz.

Gabriele und Hubert Raab haben schon vier Wanderführer verfasst

250 Wanderwege sind sie abgelaufen, manche mehrmals, um vier Wanderführer aus dem Wittelsbacher Land zu verfassen. Der letzte, in dem es um Kirchen und Kapellen ging, war binnen Wochen beim Verlag vergriffen. Wie viele Kirchenführer, Ortschroniken, Zeitungsartikel es im Lauf der Jahrzehnte waren, können sie gar nicht mehr zählen. Ihr bekanntestes „Kind“ ist allerdings das Altstadtfest Friedberger Zeit, das alle drei Jahre über 100.000 Menschen anlockt. Sie hoben es mit anderen heimatverbundenen engagierten Bürgern zum 725-jährigen Stadtjubiläum aus der Wiege. Und die beiden ehemaligen Lehrer wachen bis heute mit Argusaugen darüber, dass dort alles historiengetreu vonstattengeht. Wehe ein Wirt versucht, Nudeln mit Tomatensoße zu servieren!

Tomaten nämlich gab es im 18. Jahrhundert, als Friedberg als Uhrmacherstadt prosperierte, in unserer Region nur als Zierpflanzen. Auf den Teller seien sie erst später gewandert, erklärt Raab. „Es war in den 1980er-Jahren harte Arbeit, das alles zu recherchieren, schließlich gab es noch kein Google“, erinnert sich der promovierte Historiker und langjährige Kreisheimatpfleger. Die stilechten Gewänder des Festes wurden zum Beispiel teilweise nach dem Vorbild eines Bildes in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh entworfen.

Mit dem Stadtfest sollten die vielen Ortsteile, die während der Gebietsreform teils mit geringer Begeisterung ihrer Bewohner nach Friedberg eingemeindet worden waren, zusammengeschweißt werden. Vereine, Handwerker, Schulen: Alle sind beteiligt. „Ein solches Fest fördert das Heimatbewusstsein“, sagen die Raabs, wissen aber auch: „Nichts kommt von alleine.“ Wie aber kam es zu ihrem außergewöhnlichen Engagement?

Gabriele und Hubert Raab haben sich als Kinder kennengelernt

Irgendwie seien die Liebe zu Natur und Kultur schon immer da gewesen, verwoben mit ihrer Kindheit und Jugend in der Kleinstadt Friedberg, wo sich in der Nachkriegszeit noch alle kannten. Auch die beiden, die irgendwann als Paar zusammenfanden, heirateten, zwei Kinder bekamen (und mittlerweile mehrere Enkel haben). „Zum Glück haben wir die gleichen Interessen“, sagt das Ehepaar, sie 77, er 79 Jahre alt, rückblickend. „Denn all das kann man nur zu zweit machen, weil es so viel Arbeit ist.“ Sie müssen Monate in Archiven verbracht haben. Für ein Schüler-Musical über einen Uhrmacher aus der Partnerstadt Völs, den es nach Friedberg verschlug, recherchierten sie im Pfarrarchiv der Südtiroler Gemeinde ebenso wie im Mainfrankenmuseum. Denn prägend für sie war der Geschichtsprofessor Pankraz Fried mit seiner These: „Auch die größte Geschichte spielt sich in jeder kleinen Gemeinde ab.“ Immer geht es ihnen um die Menschen und das, was sie zu berichten haben – aber auch um Quellen, die die Oral History belegen.

Gabriele und Hubert Raab haben mit anderen heimatverbundenen Bürgern das Altstadtfest Friedberger Zeit gegründet.
Bild: Archiv Raab

Aus diesem Ansatz entstanden als eines der ersten vielen öffentlichkeitswirksamen Projekte Arbeitsblätter zu Volkskunde und Alltagsleben für das Friedberger Heimatmuseum. In den 1970er-Jahren begann Hubert Raab dann, Stadtführer auszubilden. Er wollte Friedberg, das ein wenig beachtetes Dasein im Schatten der großen Nachbarstadt Augsburg fristete, mehr in den Mittelpunkt rücken. „Selbst für die Regierung von Schwaben war damals der Lech die Grenze“, erzählt er. Mittlerweile sind Führungen zu Themen wie Bierkeller, Innenhöfen oder weisen Frauen fester Bestandteil des städtischen Tourismusprogrammes, auch aktuell im Rahmen der Bayerischen Landesausstellung „Stadt befreit. Wittelsbacher Städtegründer“.

Die Raabs haben derweil schon ihr nächstes Buchprojekt im Auge. Worum es geht, wollen sie nicht verraten. Aber offenbar hatten sie während der Corona-Phase viel Zeit, verborgene Ecken in der Kulturlandschaft des Wittelsbacher Landes zu entdecken.

Wer erhält die Silberdistel der Augsburger Allgemeinen?

  • Mit der Silberdistel ehrt unsere Redaktion seit vielen Jahren Menschen aus der Region für ihr besonderes bürgerschaftliches Engagement. Der Preis besteht aus einer Urkunde und einer kunstvoll in Silber gearbeiteten Distelblüte, die eigens in der „Alten Silberschmiede“ in Augsburg angefertigt wurde.
  • Vorschläge Jede Leserin und jeder Leser kann Vorschläge für weitere Träger unserer Auszeichnung machen. Ansprechpartner dafür finden sich in unseren Lokalredaktionen. (AZ)

Noch weitere besondere Menschen haben unsere Auszeichnung, die Silberdistel, erhalten:

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