Newsticker

Ein Drittel der Deutschen will Maskenpflicht abschaffen oder lockern
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Nach Mordversuch in Mering: Wenn Frauen zu Täterinnen werden

Gewalttat in Mering

18.01.2019

Nach Mordversuch in Mering: Wenn Frauen zu Täterinnen werden

Ein Beziehungsstreit ist in Mering eskaliert. Die Hintergründe sind noch unklar.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Eine 61-Jährige sticht in Mering ihrem Lebensgefährten im Streit ein Messer in den Bauch. Eine Expertin erklärt die verhängnisvolle Spirale häuslicher Gewalt.

Dramatische Szenen haben sich Donnerstagnacht in Mering abgespielt. Ein Polizeihubschrauber kreiste über den Wohngebieten nahe des Schulzentrums und den Sportanlagen. Eine Frau war mit dem Messer auf ihren Lebensgefährten losgegangen und hatte diesen schwer verletzt. Auch am Tag nach der Tat war noch vieles unklar.

Gegen 19 Uhr war es bei dem Paar, das schon seit mehreren Jahren in Mering lebt, zu einem Streit gekommen. Offensichtlich eskalierte die Auseinandersetzung. Denn die 61-jährige Frau stach ihrem Lebensgefährten mehrmals mit einem Messer in den Bauch. Danach ging sie zu einer Nachbarin, der sie von dem Vorfall berichteten, dann flüchtete die Frau zu Fuß. Die Nachbarin verständigte sofort die Polizei. Diese fahndete nach der 61-Jährigen und setzte dabei auch den Polizeihubschrauber ein. Der 68-jährige Partner der Frau wurde indessen mit schweren Verletzungen ins Friedberger Krankenhaus gebracht. Sein Zustand war nach Angabe der Polizeipräsidiums Schwaben Nord nicht lebensbedrohlich, er lag jedoch auch am Freitag noch im Krankenhaus.

Gewalttat in Mering: Was war das Motiv?

Die Frau wurde am Donnerstag etwa eineinhalb Stunden nach der Tat in der Nähe ihres Zuhauses von der Polizei gefunden. Sie ließ sich widerstandslos festnehmen. Die Tatwaffe konnte im Haus aufgefunden werden. Noch am Freitag wurde die Meringerin dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Frau befindet sich in Untersuchungshaft. „Angaben zur Motivlage können zum momentanen Ermittlungsstand nicht gemacht werden“, heißt es von Seiten der Polizei.

Einsätze wegen häuslicher Gewalt sind im Arbeitsalltag der Beamten leider keine Seltenheit. Der Vorfall in Mering ist jedoch insofern ungewöhnlich, als hier die Frau die Täterin ist. Kriminalhauptkommissarin Sabine Rochel ist am Polizeipräsidium Schwaben Nord seit elf Jahren in der Opferberatung tätig. „Wenn es um häusliche Gewalt geht, sind in etwa 20 Prozent der Fälle die Geschädigten Männer, in 80 Prozent Frauen“, sagt sie. Dieser Wert habe sich über die Jahre eigentlich nicht geändert. 2017 habe die Polizei im Bereich des Präsidiums 1377 Tatverdächtige in Bezug auf häusliche Gewalt erfasst, davon 1067 Männer und 304 Frauen. Das Geschlechterverhältnis lag also bei 77,8 Prozent zu 22,2 Prozent.

Häusliche Gewalt: Es geht um Macht und Dominanz

Dass Männer in der Beziehung statistisch eher zu Tätern werden, liegt Rochels Erfahrung nach an den Ursachen für häusliche Gewalt: „Da geht es um Dominanzverhalten, Macht und Kontrolle in der Beziehung“, sagt sie. Männer seien dafür wohl eher anfällig. Benennen kann sie allerdings nur die Fälle, die tatsächlich bei der Polizei erfasst werden. Über das was, unerkannt abläuft, wagt sie keine Prognose. Denn: „Für betroffene Männer ist es sehr schwer, Hilfe zu suchen, weil sie drangsaliert oder geschlagen werden. Da ist die Scham sehr groß“, sagt die Expertin.

Doch egal, wer zum Täter wird - ob Mann oder Frau – selten eskaliere eine Beziehung auf so extreme Weise wie jetzt in Mering, ohne dass es eine Vorgeschichte gibt, sagt Rochel. Selten sei bei einer Beziehung von Anfang an Gewalt im Spiel. Doch irgendwann einmal überschreitet der Partner im Streit die Grenze. Die Hemmschwelle sinke und irgendwann reichen auch nichtige Anlässe, damit der Täter zuschlägt.

Wie es bei dem Paar in Mering soweit kommen konnte und was der Anlass für die aktuelle Eskalation war, auch darum geht es nun bei den Ermittlungen, die die Kriminalpolizeiinspektion Augsburg aufgenommen hat.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren