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Mering

27.07.2010

Nach altem Brauch in den Bottich

Auch Druckereileiterin Irene Roßmanith-Kraus (im Hintergrund) hatte ihren Spaß an der feuchten Traditionspflege. Bei der traditionellen Sitte, die Lehrlinge von Sünden frei zu waschen, wurde keiner verschont. Fotos: Heike John
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Auch Druckereileiterin Irene Roßmanith-Kraus (im Hintergrund) hatte ihren Spaß an der feuchten Traditionspflege. Bei der traditionellen Sitte, die Lehrlinge von Sünden frei zu waschen, wurde keiner verschont. Fotos: Heike John

In der Ambérieu-Grundschule wurden bereits zum 13. Mal Lehrlinge der schwarzen Kunst reingewaschen. Ganz nach alter Schule.

Ein hölzerner Schweinetrog auf dem Schulhof der Ambérieuschule zeugte schon vor der großen Pause vom nassen Tauchvergnügen. Bereits zum 13. Mal wurden Mitarbeiter der historischen Druckergilde zu Kaltenberg erwartet. Die Mitarbeiter der Mediengruppe Pressedruck hatten wie jedes Jahr das Vergnügen, die Schüler des Neigungskurses "Schuldruckerei" nach alter Sitte von ihren Sünden reinzuwaschen. Bald schon saßen 14 "Kornuten" bibbernd in ihrer Badekleidung im Stuhlkreis, der die Schüler aller vier Klassen versammelt hatte.

"Ihr habt gelernt, wie man Texte setzt und Bilder gestaltet und als Ergebnis ein dickes Druckerbüchlein gestaltet", so hielt Druckereileiterin Irene Roßmanith-Kraus am Mikrofon Rückblick. Jeden Dienstagnachmittag waren die jungen Druckerlehrlinge zuverlässig zur Stelle. Auch im Gautschlied nach der Melodie von "Wer will fleißige Handwerker sehn" erfuhren die Zuschauer, wie es in einer Schuldruckerei zugeht. Rektorin Luise Kleinlein ergänzte mit Stolz, dass der gesamte Kartenbedarf für alle Anlässe vom Weihnachtsgruß bis zur Sommerfesteinladung komplett aus dem eigenen Bestand bestritten werden kann.

Kleine Sünden wegwaschen

Nach altem Brauch in den Bottich

Aber natürlich wurde auch hier und da mal geschlampt und ein Bleibuchstabe nach Gebrauch nicht sorgfältig gereinigt oder nicht in den Setzkasten zurückgestellt. Von diesen kleinen Sünden wurden die Druckerlehrlinge nach altem Brauch reingewaschen. Einer nach dem anderen musste antreten und wurde von den beiden Packmeistern Markus Hieber und José Hermosa zum Bottich geführt. Zuvor trat Schwammhalter Winfried Steidle in Aktion und sorgte mit seinem nassen Schwamm schon einmal dafür, dass der Hintern vor dem Eintauchen in den Bottich nicht trocken blieb.

Die Aufforderung dazu las Gautschmeister Robert Frank von einer historischen Papierrolle. "Packmeister, Schwammhalter und Packer, waltet nun eures schweren feuchten Amtes, denn jetzt gilt es, Jünger Gutenbergs aus diesen Gestalten zu machen". Dies ließen sie sich nicht zweimal sagen und schwupp waren die "Ausgeburten der Hölle", wie der Gautschmeister sie titulierte, im Wasser.

"Tauchen, tauchen", forderten die Mitschüler lautstark und hatten größten Spaß bei dieser Druckertradition. Auch den Mannen von der Druckergilde bereitete die Bewahrung des alten Brauches höchstes Vergnügen. Manche von ihnen kamen sogar direkt aus ihrer Nachtschicht zur Schülertaufe. Und als sie nach getaner Arbeit den Schulhof verließen, hatten sie auch wieder eine Spende des Elternbeirats für die Kartei der Not in der Tasche. Auch dies ist Tradition bei Ambérieuschülern. (jojo)

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