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Kissing

26.03.2019

Nach der Wahl in Kissing: Die SPD ist ratlos, die CSU euphorisch

Die Kissingerin Verena Adler gibt ihre Stimme für die Bürgermeisterwahl ab. Auf dem Arm hat sie ihre Tochter Katharina. Daneben Wahlhelfer Herbert Reitmeier.
Bild: Philipp Schröders

Kissing hat einen neuen Bürgermeister. Nun bewerten die Parteien den Wechsel im Rathaus. Wie sie sich die zukünftige Zusammenarbeit im Gemeinderat vorstellen.

Die Gemeinde Kissing hat seit Montag einen neuen Bürgermeister. Über 22 Jahre leitete mit Manfred Wolf ein Sozialdemokrat die Geschicke der Gemeinde. Seit dieser Woche gibt mit Reinhard Gürtner ein CSU-Politiker im Rathaus den Ton an. Nun analysieren die politischen Kräfte in der Gemeinde den Verlauf der Wahl und schauen in die Zukunft.

Petra Hofberger, die Ortsvorsitzende der Grünen, ist mit dem Ergebnis ihrer Kandidatin Katrin Müllegger-Steiger zufrieden. Die Fraktionssprecherin im Gemeinderat landete mit 21,2 Prozent auf dem dritten Platz. „Wenn wir mehr als 20 Prozent mit einem grünen Kandidaten haben, müssen wir zufrieden sein“, sagt Hofberger. Auf Landesebene habe die Partei zurzeit einen Höhenflug. „Das geht aber nicht beliebig weiter.“ In ländlich geprägten Regionen wie Kissing habe der CSU-Kandidat immer einen Vorteil. Was die Vorsitzende erschüttert ist die geringe Wahlbeteiligung von 56,6 Prozent.

Grüne in Kissing haben Gemeinderatswahl bereits im Blick

„Ich denke aber, wir haben einen guten Wahlkampf gemacht“, sagt sie. Zum Beispiel habe die Partei ein Ideencafé veranstaltet, bei dem Kissinger Bürger ihre eigenen Wünsche an den nächsten Bürgermeister einbringen konnten. Müllegger-Steiger habe klare Positionen bezogen, zum Beispiel gegen die Osttangente, und sich gut verkauft. Nun hat Hofberger bereits die Gemeinderatswahl im kommenden Jahr im Blick. „Wenn wir da 20 Prozent holen, wäre das toll.“

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19 Bilder
Die Bürgermeisterwahl in Kissing in Bildern
Bild: Philipp Schröders

Zurzeit stellen die Grünen drei Gemeinderäte genauso wie die Freien Wähler. Die SPD und die CSU haben jeweils neun Sitze. Die einzige Änderung ist, dass der ebenfalls stimmberechtigte Bürgermeister nun zur CSU gehört.

Die Kissinger SPD wirkt ratlos nach der Wahl. Fraktionssprecher Ronald Kraus landete mit 25,4 Prozent auf dem zweiten Platz. Da Gürtner mit 53,4 Prozent deutlich die absolute Mehrheit holte, wurde der CSU-Kandidat direkt gewählt. Der SPD-Ortsvorsitzende Alexander Dollinger sagt: „Wir waren sehr enttäuscht, wir hatten mit einer Stichwahl gerechnet.“ Am Wahlkampf habe es nicht gelegen, da sei er sich mit Kraus einig. „Vielleicht war unser Kandidat nicht bekannt genug“, rätselt Dollinger. Die Grünen und die CSU hatten ihre Bewerber früher nominiert – es gab jeweils nur einen. Da bei der SPD eine interne Abstimmung nötig war – auch Silvia Rinderhagen hatte sich aufstellen lassen – brauchte die Partei am längsten. „Die Kandidatenfindung hat Zeit gekostet“, sagt Dollinger. Im Wahlkampf hätten Kraus und das Team dann aber alles gegeben. „Mit einem anderen Kandidaten hätten wir kein besseres Ergebnis erzielt“, sagt der SPD-Ortsvorsitzende.

Reinhard Gürtner (CSU) hat die Bürgermeisterwahl in Kissing im ersten Wahlgang für sich entschieden. Im Video erklärt er, wieso er sich über das klare Ergebnis besonders freut.
Video: Philipp Schröders/Niklas Molter

Die Freie Wählergemeinschaft konnte die Wahl ohne eigenen Kandidaten gelassen verfolgen. Fraktionssprecher Peter Wirtz sagt: „Wir waren überrascht, dass es beim ersten Mal geklappt hat.“ Seine Fraktion begrüße aber, dass es keine Stichwahl gibt. „Klarheit ist gut.“ Der neue Bürgermeister brauche nun erst einmal ein halbes Jahr, um die Abläufe kennenzulernen. Wirtz möchte, dass im Gemeinderat weiterhin zielorientiert und konstruktiv gearbeitet wird. „Ich habe das Gefühl, dass das vielleicht noch offener wird.“ Seine Fraktion wünsche dem neuen Bürgermeister eine glückliche Hand dabei, Lösungen für die schwierigen Aufgaben zu finden, die auf Kissing zukommen. Als Beispiel nennt Wirtz die Erweiterung der Grundschule.

Womit Gürtner laut der CSU bei den Wählern punkten konnte

Franz-Xaver Sedlmeyr, der Fraktionssprecher der CSU, klingt auch zwei Tage nach der Wahl euphorisch. „Seit Jahren haben wir darauf hingearbeitet.“ Er gibt aber auch offen zu: „Wir haben uns im Wahlkampf auf eine Stichwahl eingestellt.“ Bei drei Bewerbern, die seit vielen Jahren im Gemeinderat wirken, sei die CSU davon ausgegangen. Den Erfolg Gürtners erklärt Sedlmeyr durch mehrere Punkte: Der CSU-Ortsvorsitzende leiste bereits seit vielen Jahren gute Arbeit. Zudem habe er einen fairen Wahlkampf geführt und sich persönlich bei den Wählern vorgestellt. „Er hat 80 bis 90 Prozent der Haushalte abgeklappert.“ Sedlmeyr hat folgende Beobachtung gemacht: „Der Bürger geht nicht zu den Veranstaltungen. Die Parteien müssen zu den Bürgern kommen.“ Sedlmeyr findet allerdings auch schade, dass die Wahlbeteiligung so niedrig war. Dabei könnten die Bürger bei Kommunalwahlen doch Einfluss auf ihr unmittelbares Umfeld nehmen. Im Hinblick auf die zukünftige Arbeit im Gemeinderat sagt Sedlmeyr: „Wir setzten weiterhin auf ein konstruktives Miteinander.“

Lesen Sie auch diesen Artikel: Gürtner sitzt nun auf dem Rathaus-Chefsessel: So war sein erster Tag

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