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Friedberg

26.03.2015

Negative Kräfte: Bürgermeister setzt im Schloss Feng-Shui-Beraterin ein

Wirken im Wittelsbacher Schloss in Friedberg negative Kräfte? Eine Feng-Shui-Beraterin soll das herausfinden.
Bild: Michael Hochgemuth (Archiv)

Im Wittelsbacher Schloss sind negative Kräfte am Werk. Das vermutet jedenfalls Bürgermeister Eichmann. Und deswegen beauftragt die Stadt Friedberg nun: eine Feng-Shui-Beraterin.

Ares, der Hund des Bürgermeisters, fristet sein Dasein in der Regel damit, still und unbeweglich unterm Tisch zu liegen. Nur an einem Ort werde das Tier immer unruhig, berichtete sein Herrchen Roland Eichmann kürzlich: im Wittelsbacher Schloss.

Kann es sein, dass die von Krieg und Zerstörung geprägte Geschichte für sensible Gemüter noch heute zu spüren ist? Dass sich deswegen die Friedberger über die Zukunft des Gemäuers so hingebungsvoll stritten und streiten? Um das zu klären, hat die Stadt eine Feng-Shui-Beraterin beauftragt – und schon steht deswegen der nächste Krach vor der Tür.

„Ich habe viele Baumaßnahmen über die Zeit begleitet“, berichtet Kommunalreferent Wolfgang Basch, der seit mehr als 25 Jahren bei der Stadt Friedberg tätig ist. Es habe aber wenig Projekte gegeben, die sich so gewehrt und so viele Emotionen geweckt hätten.

Negative Kräfte: Bürgermeister setzt im Schloss Feng-Shui-Beraterin ein

„Das war mein Empfinden über sechs Jahre hinweg“, sagte Basch unserer Zeitung. Tatsächlich war der Entscheidungsprozess bekanntlich bis zuletzt von heftigen politischen Diskussionen und juristischen Auseinandersetzungen begleitet. Auch bei einem Bürgerentscheid standen sich Gegner und Befürworter des Umbaus gegenüber.

Feng-Shui-Beraterin: Sie werde von den energetischen Schwingungen alter Gemäuer angezogen

Die negative Energie hat offenbar auch die Beraterin auf Anhieb gespürt. Sie hat laut Basch aus eigenen Stücken das Schloss besucht und der Stadt angeboten, sich das Gebäude näher anzuschauen. Dem Vernehmen nach für einen Betrag von 5000 Euro.

Auf ihrer Homepage wirbt die Frau aus dem Münchner Raum, die auch beim Festakt zum offiziellen Baubeginn anwesend war, für ihre Dienste. Sie werde wie selbstverständlich von den energetischen Schwingungen alter Gemäuer, Burgen und Schlösser angezogen, berichtet sie: Die Erfahrungen zahlreicher Transformationen hätten sie gelehrt, „mit ihrer medialen Berufung ganz natürlich umzugehen, um auf diese Weise zahlreichen Baudenkmälern, Altbauten und herrschaftlichen Anwesen die Energie ihrer Blütezeit zurückzubringen“.

Zum Angebot der Beraterin gehört neben Feng Shui auch Geomantie, also eine Form des Hellsehens, bei der Markierungen und Muster am Boden eine Rolle spielen. Und ebenso die Chinesische Quantum Methode, mit der – wie auch immer – Schwächen aufgedeckt und in Stärken umgewandelt werden: „Das Umwandeln von Schwächen in Stärken führt dazu, dass Ihre Probleme gelöst und Ihre gewünschten Ziele erreicht werden“, verspricht die Frau.

Selbst der Stellvertreter des Bürgermeisters war nicht in den ungewöhnlichen Auftrag eingeweiht

Über den ungewöhnlichen Auftrag erfuhren die Stadträte nur über Umwege – kein Wort fiel darüber im zuständigen Schlossausschuss. Selbst Eichmanns Stellvertreter Richard Scharold (CSU) war nicht eingeweiht. Entsprechend verärgert reagierte Claudia Eser-Schuberth (Grüne), die deswegen bei der nächsten Sitzung Aufklärung fordert.

Die Verwaltung solle darlegen, was der Grund des Auftrags war, wer ihn erteilt hat, wie der Gutachter ausgewählt wurde, welche Kosten entstehen und welchen Nutzen man sich davon erwartet. Und warum der Ausschuss nicht einbezogen oder informiert wurde. Die Stadträtin argwöhnt gar, dass es sich um einen weiteren Versuch von Bürgermeister Eichmann handeln könne, das Projekt doch noch auszuhebeln.

Einen Verdacht, den Kommunalreferent Basch zurückweist. An den Grundzügen der Planung soll nicht mehr gerüttelt werden. Er räumte ein, dass die baulichen Möglichkeiten in dem denkmalgeschützten Schloss begrenzt sind, allerdings greife Feng Shui auch bei der Innenarchitektur. Ihre Erkenntnisse soll die Beraterin noch in diesem Jahr vorstellen. „Vielleicht hilft es ja was“, sagte Basch unserer Zeitung.

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