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17.07.2010

Neuer Glanz und Garderobe für das uralte Skapulierfest

Mesner Martin Zeidler sorgt zusammen mit seinem Vorgänger Johann Koppold, Luise Singer und Marianne Fritz (von links) dafür, dass auch beim Unterkleid und den Söckchen des Jesuskindes alles richtig sitzt. Fotos: Helene Monzer
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Mesner Martin Zeidler sorgt zusammen mit seinem Vorgänger Johann Koppold, Luise Singer und Marianne Fritz (von links) dafür, dass auch beim Unterkleid und den Söckchen des Jesuskindes alles richtig sitzt. Fotos: Helene Monzer

Kühbach Wert auf ihre Garderobe legen Frauen besonders, wenn es etwas zu feiern gibt. So wie am morgigen Sonntag in Kühbach, denn dort findet das traditionelle Skapulierfest statt. Mit gepflegtem Gewand werden daran nicht nur die Gottesdienstbesucher teilnehmen, sondern auch eine besondere Frau, die im Mittelpunkt des Festes steht: die Madonna mit Jesuskind. Mit neuem Kleid, neuem Mantel und frisch frisiert, erstrahlt sie nun an ihrem angestammten Platz, dem Bruderschaftsaltar. Das war allerdings ein hartes Stück Arbeit. Viele helfende Hände waren notwendig, um die lebensgroßen Gliederpuppen neu einzukleiden. Zu ihren Füßen werden morgen wieder Mitglieder in die Bruderschaft aufgenommen, so wie in den vergangenen 333 Jahren.

Doch der Reihe nach: Was ist eigentlich ein Skapulier und warum heißt es Bruderschaft? Waren es doch früher Benediktinerinnen, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Kühbacher Kloster unterhielten. Wer genau die Kühbacher Bruderschaft 1667 ins Leben gerufen hat, kann auch Josef-Matthe Lochner von der Kühbacher Kirchenverwaltung nicht beantworten. Doch er kann erklären, was es mit dem Skapulier auf sich hat. Als Skapulier wird eigentlich ein Überwurf über dem Ordensgewand bezeichnet. Das Kühbacher Skapulier "Unserer lieben Frau vom Berge Karmel" deutet den Überwurf der Karmeliter an und ist ein verziertes Stück Wollstoff mit Tragebändern. Der Karmel-Orden flüchtete im 13. Jahrhundert aus dem heutigen Palästina vor den Sarazenen nach Europa. In England soll dem General des Ordens, Simon Stock, am 16. Juli 1251 die Jungfrau Maria erschienen sein. Nach der Überlieferung hatte sie ein Skapulier in der Hand und versprach, dass jeder, der es trägt, unter ihrem Schutz steht. Ab dem Mittelalter richteten Karmeliterorden Skapulierbruderschaften für katholische Laien ein. Diese erhofften sich davon besonderen Schutz durch die Gottesmutter.

Die "Woge der marianischen Verehrung" habe sich wohl auch in Kühbach etabliert, mutmaßt Lochner. Zu den Pflichten der bis heute bestehenden Bruderschaft gehöre unter anderem "standesgemäße Keuschheit" oder täglich den Rosenkranz zu beten. Dafür bewahre Maria vor Verdammnis und "wird uns am ersten Samstag nach dem Tod vom Fegefeuer befreien". Alljährlich werden darum auch die Namen der verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft vorgelesen. Außerdem wird für sie gebetet.

Als geweihter Priester wird morgen Kühbachs Pfarrer Paul Mahl neue Mitglieder in die Bruderschaft aufnehmen. Doch deren Zahl gehe zurück, bedauert Luise Singer. Sie hat mit vielen anderen Helfern dafür gesorgt, dass die Madonnenfigur beim morgigen Fest besonders gut aussieht. So passt die Figur perfekt in die renovierte St. Magnus-Kirche.

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Aufgrund der Arbeiten standen im Winter noch Gerüste in dem Gotteshaus. Eine gute Gelegenheit, um die Gliederpuppen von 1717 vorsichtig vom Altar zu heben, erinnern sich die früheren Mesner, Anni und Josef Koppold. Zusammen mit seinem Nachfolger, Martin Zeidler, und den Restauratoren Roland Vogel und Axel Wieland erledigten das die Männer. Zudem halfen sie den Frauen, unter ihnen auch Mesnerin Schwester Irmengild und Marianne Fritz, beim Aus- und Anziehen der Figuren. "Das funktioniert eher wie Pinocchio, da die Puppen aus Holz sind und man die Glieder bewegen kann," erläutert Singer.

Dank privater Spenden erhielt die Madonna für rund 3000 Euro Kleid und Umhang neu. Die Schneiderei der Behindertenwerkstätte Hohenwart hatte beide Kleidungsstücke genäht. Darunter trägt die Madonna Hemd, Unterkleid, Unterrock, Hals- und Ärmelspitzen sowie handgestrickte Strümpfe. All das hat Singer vorsichtig gewaschen.

Gemeinsam verbrachten die Helfer einen ganzen Vormittag, bis jedes Teil wieder richtig saß und die Figuren zurück an ihrem Platz waren. Nicht zu vergessen die Echthaarperücken, welche die Restauratoren gereinigt hatten. Den letzten Kniff verrät Singer: "Meine Tochter Christine ist Friseuse und hat die Haare des Jesuskindes toupiert, sie fand sie nach dem Waschen zu glatt." Für die perfekte Garderobe zum Fest braucht es eben seine Zeit.

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