Newsticker
Corona: Zahl der insgesamt gemeldeten Infektionen in Deutschland übersteigt drei Millionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Neuer Rektor im Friedberger Pallotti-Haus: Pfarrer wollte er nie werden

Friedberg

20.09.2020

Neuer Rektor im Friedberger Pallotti-Haus: Pfarrer wollte er nie werden

Christoph Lentz ist der neue Rektor des Pallottiheims in Friedberg. In seinem Büro steht der Schreibtisch, den er als Gesellenstück selbst geschreinert hat.
Foto: Alexander Schweda

Plus Christoph Lentz hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Wie es trotz allem dazu kam, dass er Pallottinerpater wurde und heute Rektor der Gemeinschaft in Friedberg ist.

Mit einer Ideenbörse im Kopf und dem Schreinerhandwerk im Blut startet Pater Christoph Lentz als neuer Rektor im Friedberger Pallotti-Haus. Der 47-Jährige war bisher Novizenmeister und Regens des Pastoraltheologischen Instituts in Friedberg, Letzteres bleibt er auch weiterhin.

Der Weg zum Pallottiner-Pater war für Christoph Lentz ein Weg der Annäherung und des allmählichen Hineinwachsens. Vielleicht auch so, wie ein Schreiner aus einem Stück Holz allmählich sein Möbelstück feilt. Bleibt man in diesem Bild, dann lag das Holz, aus dem Christoph Lentz geschnitzt ist, schon immer in der Kirche herum.

Geprägt hat ihn der Pfarrer von St. Konrad im Augsburger Bärenkeller

Mit vier Jahren zog der in Hannover geborene Lentz 1976 mit seiner Familie in den Augsburger Bärenkeller. Dort lernte er den Pfarrer seiner Heimatgemeinde St. Konrad, Karl Mair, kennen, der den Buben mit seiner bodenständigen Art tief prägte. „Er hat immer viel Zeit und Energie für Außenstehende wie Obdachlose und Drogenabhängige verwendet“, erinnert sich Christoph Lentz. „Sein Antrieb, diesen Menschen einen Sinn im Leben zu vermitteln, hat mich fasziniert.“

Auch die Freiheit und das Vertrauen, das er seinen Ministranten entgegenbrachte, haben bei Christoph Lentz Spuren hinterlassen. Prägende Wirkung hatte auch die Pfarrhaushälterin. Wenn seine Eltern nicht da waren und die Schwestern woanders weilten, war der kleine Christoph im Pfarrhaus. „Das war mein zweites Zuhause“, erzählt er.

Vom Augsburger Gymnasium St. Stephan musste er mangels guter Noten nach der zehnten Klasse abgehen. Christoph Lentz strebte nun eine Schreinerlehre an, die er auch bekam. Die Frau des Schreiners erinnerte sich nämlich, dass der junge Mann in der Kirche immer so schön ministriert und gelesen hatte. Noch heute nehme er diese Geschichte als Beispiel, um jungen Leuten zu erklären, wie wichtig es ist, sich neben der Schule für etwas zu engagieren, sagt der 47-Jährige.

Die Kirche lässt Pater Lentz nicht los

Nach der Lehre wollte Christoph Lentz aber das Abitur nachholen. Ein ehemaliger Rektor des Spätberufenen-Seminars in Waldram (Wolfratshausen) brachte ihn in die Pfarrernachwuchsschule. „Ich habe denen aber gleich gesagt, dass ich kein Pfarrer werden will“, erinnert sich Lentz.

Das Friedberger Pallotti-Haus ist die neue Wirkungsstätte von Christoph Lentz.
Foto: Pallottiner

Trotzdem kam er von der Kirche nicht los: Seinen Zivildienst machte Lentz in seiner Heimatpfarrei als Mesner und Hausmeistergehilfe. Dann begann er 1998 Theologie in Augsburg zu studieren. Ziel: Pastoralreferent. Plötzlich war aber ein anderer Gedanke da: In seiner Heimatgemeinde hatten einige Pallottiner ihr Pastoraljahr oder ihre Kaplanszeit verbracht. Warum nicht Pallottiner werden?

Ende 2003 probierte er es aus und ging ins Noviziat. Anfang 2004 verließ er es wieder. Es passte nicht. Als Theologe übernahm er eine Stelle als Religionslehrer, ausgerechnet in der Vinzenz-Pallotti-Schule in Friedberg. „Das war eine schöne Zeit“, sagt er heute. Aber es zeigte auch: „Die Pallotti-Geschichte hat mich nicht losgelassen.“ Und so bat er den Orden um eine zweite Chance.

Ein neuer Anlauf zum Noviziat: Seit 2016 ist er Novizenmeister

2005 ging er wieder ins Noviziat, 2010 folgte die ewige Profess, in Füssen machte er sein Pastoraljahr, wurde dann Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Augsburg. Seit 2016 ist er Novizenmeister und Regens des Pastoraltheologischen Instituts, einer Ausbildungsstätte der Pallottiner für Ordensleute in Fragen der Seelsorge. Und nun wird er neben der Tätigkeit als Regens auch Rektor der örtlichen Kommunität in Friedberg sein.

Als Rektor will er „die Gemeinschaft unter den Mitbrüdern lebendig halten“ und neben dem Stadtpfarrer und dem Wallfahrtsdirektor das Gesicht der Pallottiner in der Stadt sein. Dafür habe er auch schon „eine Ideenbörse im Kopf“: Die neu gestaltete Pallotti-Kirche lade dazu ein, Veranstaltungen wie Konzerte und Lesungen zu machen, aber auch liturgisch freiere Gottesdienste oder eine Predigtreihe von und mit Frauen ins Leben zu rufen. „Mir geht es darum, Räume zu öffnen“, sagt der Architektur-Fan Lentz, „damit die Menschen – Frauen wie Männer – sich wohlfühlen und in der Kirche Heimat finden“.

Die Pallottikirche in Friedberg soll sich für kulturelle Veranstaltungen öffnen.
Foto: Andreas Schmidt

Wenn er jetzt also am Pallotti-Haus im geistlichen Sinne weiterbaut, dann hat der Pater immer noch den Schreinerlehrling mit dabei. Nicht nur sein Gesellenstück, ein Schreibtisch aus Erlenholz, steht in seinem Büro. „Die Schreinerausbildung hat mich auch geerdet“, sagt er. Die Gesellen damals hätten ihm gezeigt, wie gearbeitet wird. Jetzt könne er als Rektor auch mal den Hausmeister ersetzen. „Und mir geht immer noch das Herz auf, wenn ich frisch gehobeltes Holz rieche, vermischt mit Lackgeruch.“

Lesen Sie dazu auch

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren