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Gesundheit im Landkreis

15.10.2017

Neues Krankenhaus – wenig Personal?

Der Innenausbau im Neubau des Aichacher Krankenhauses ist in vollem Gange. Hier ist der Eingangsbereich zu sehen. Die Diskussion geht derzeit aber vor allem um die Personalausstattung.
Bild: Erich Echter

Der Neubau in Aichach ruft bei Patienten offenbar Ängste hervor, dass sie künftig schlechter versorgt werden, weil am Personal gespart wird. Was der Geschäftsführer dazu sagt

Bleiben im Neubau des Aichacher Krankenhauses die Patienten auf der Strecke? Wenn es um ihn und die künftige medizinische Versorgung der Patienten geht, ist viel von optimierten Arbeitsabläufen die Rede: von Flexibilität, kurzen Wegen, Untersuchungsräumen und Stationen, die von wenig Personal bedient oder überwacht werden können. Im September hob Dr. Krzysztof Kazmierczak, seit zehn Jahren Klinik-Geschäftsführer, diese Vorzüge erneut hervor, als er eine Besuchergruppe durch den Neubau führte. Bei Patienten ruft das offenbar Ängste wach, dass ab der im Frühjahr geplanten Eröffnung vor allem am Personal gespart wird.

Auf der Facebook-Seite unserer Zeitung entfachte der Artikel über die Führung eine größere Diskussion: „Schon traurig – der modernste Neubau, aber für gutes Personal wollt ihr kein Geld ausgeben?“, schrieb beispielsweise Bea Schmid. Simon Forster beklagte: „Das ist ja schön, dass alles aus Glas wird, dann genügt ja bald eine Schwester pro Station. Finde ich sehr schade, dass es nur um wenig Personal geht.“ Und Emes Teewe kritisierte: „Hauptsache, wenig Personal.“ Was ist dran an solchen Befürchtungen?

Geschäftsführer verspricht: Versorgung soll nicht schlechter werden

Kazmierczak reagierte auf Nachfrage unserer Zeitung entsetzt und versuchte, die Sorgen zu entkräften: „Die Versorgung der Patienten soll nicht verschlechtert werden. Im Gegenteil: Sie soll besser werden.“ Kaputtsparen sei nicht das Ziel. Sowohl im Aichacher Krankenhaus als auch in Friedberg sei geschaut worden, wie viele Mitarbeiter es in den Abteilungen gebe und wie viele gebraucht würden. Ergebnis: „Es gibt mehrere Bereiche, wo wir sehr auskömmlich ausgestattet sind, und nur vereinzelte, wo es zu wenig ist.“ Es werde daher Verschiebungen von Personal geben. „Reduzierungen sind nicht geplant.“ Der Stellenplan werde sich nicht wesentlich ändern.

Das Ziel sei, wirtschaftlich gut dazustehen. Das biete die größte Sicherheit für die Kliniken. Kazmierczak verweist auf die politischen Debatten um das Defizit von 2,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr und die heuer erwarteten vier Millionen. Man wolle wieder eine Situation wie 2015 erreichen, als es 600000 Euro betrug. Dafür müssten aber mit der gleichen Mannschaft mehr Umsätze generiert und Ressourcen besser genutzt werden.

So wird es beispielsweise in der Notaufnahme einen Triageraum geben, in dem Patienten nach Dringlichkeit eingestuft werden. Dort haben die Mitarbeiter sie gesammelt im Blick und können im Notfall schnell reagieren. Ausziehen muss sich dort niemand, die Behandlung findet in anderen Räumen statt. Kazmierczak erklärt: „Wenn ich die Leute alle in einzelnen Boxen habe, brauche ich viel mehr Personal.“ Diese Kapazitäten würden woanders dringender benötigt. Auch eine sinnvolle Raumplanung soll die Abläufe vereinfachen. So wird etwa der Weg von der Geburtenstation zum OP deutlich kürzer sein. Die Sterilisation wird wie bisher an den OP angedockt. Würde sie in einem anderen Gebäudeteil untergebracht, wie ursprünglich geplant, müsste sich das Personal aus Hygienegründen unterwegs zwei Mal umziehen, um neue Instrumente zu holen. Kazmierczak: „Wir werden viel Zeit einsparen durch kürzere Wege.“ Das sei mit optimierten Abläufen gemeint. „Entlassen wäre das Dümmste, was man machen kann. Wir werden die Leute brauchen.“

Auch durch räumliche Schwerpunkte soll künftig vieles einfacher werden. So wird es im ersten Stock zwei Bereiche geben: einen keimfreien und einen, der nicht aseptisch sein muss. Mitarbeiter könnten so dauerhaft in einem Bereich bleiben und müssten sich nicht ständig umziehen. Bei Ideen wie diesen half Kazmierczak zufolge das Regierungspräsidium mit. Vereinfachungen – wie etwa, dass in der Notaufnahme künftig Liegen statt Krankenhausbetten verwendet werden – sollen das Pflegepersonal entlasten. Es muss nicht mehrfach am Tag dasselbe Bett desinfizieren und neu aufbereiten. Das sorge für zufriedenere Mitarbeiter, weil sie sich besser auf ihre eigentliche Arbeit, nämlich die Versorgung der Patienten, konzentrieren könnten, so Kazmierczak.

Sandra Hauptmann, Vorsitzende des Personalrats, sagt dazu: „Die Mitarbeiter freuen sich zum Teil auf die Umstrukturierungen.“ Wo Mitarbeiter sich umorientieren müssten – zum Beispiel, weil es den Endoskopie-Aufwachraum so in Zukunft nicht mehr gibt – hätten sie „sehr offen“ reagiert und teils schon Versetzungswünsche geäußert.

310 Mitarbeiter gibt es derzeit am Krankenhaus, 190 davon in Vollzeit. 90 Prozent der Stellen sind laut Kazmierczak besetzt. 90 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. Es gebe „eine große Bindung ans Haus“. Das Durchschnittsalter sei mit über 40 relativ hoch. Kazmierczak will auch die Bindung der Patienten stärken: Sie kämen zwar in die Notaufnahme, bei komplexen Eingriffen aber gingen sie woanders hin. Die Klinik brauche diese Eingriffe, um die Notaufnahme zu refinanzieren. „Ich glaube, dass wir mit dem Neubau die Patienten endgültig von uns überzeugen.“ Er werde ambulante und stationäre Versorgung „auf eine neue Stufe heben“.

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