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Bürokratie

21.04.2015

Nicht allen schmeckt das Schulobst

Kindergärten und Schulen im Raum Friedberg loben das EU-Programm, Lieferanten bemängeln den Verwaltungsaufwand

Am Anfang der Woche ist es im Friedberger St. Anna Kindergarten Zeit für den „magischen Obstteller“. Dann bricht bei den Kleinen Begeisterung aus. Gesund ist er auch: Ein Apfel am Tag hält schließlich den Arzt fern, das besagt zumindest ein englisches Sprichwort.

Damit Kinder ein Bewusstsein für gesunde Ernährung bekommen, erhalten Grundschulen und seit letztem Herbst auch Kindergärten wöchentlich kostenlose Obst- und Gemüselieferungen. Finanziert wird das 2010 angelaufene Schulfruchtprogramm aus EU- und Landesmitteln. Vielleicht hält das Schulobst den Arzt fern, es sorgt jedoch für andere Probleme. Betroffen sind die Lieferanten, die Einrichtungen versorgen, denn ein Großteil der Verwaltungsarbeit bleibt an ihnen hängen.

„Das Projekt selbst ist sehr positiv und bisher hat immer alles super funktioniert“, sagt Stephanie Marquart vom Biohof Marquart am Bestihof in Friedberg. Als im Herbst die Kindergärten hinzukamen, gingen die Sorgen jedoch los. Anfang September wurden die bis dahin möglichen Lieferungen im Zwei-Wochen-Takt eingestellt. „Bescheid wusste ich aber erst Ende Oktober. Bis dahin haben wir weiter 14-tägig an zwei Schulen geliefert“, so Stefanie Marquart. „Erstattet bekommen haben wir nur die Hälfte des Geldes. Es hieß, im Internet hätte ich mich ja informieren können.“

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Schulen und Kindergärten haben es nicht schwer. Sie wählen einfach einen der zugelassenen Lieferanten aus. Dieser muss dann in Vorleistung gehen. Erst nach drei Monaten können die Lieferanten eine Rechnung für das Quartal bei der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) einreichen. Die anschließende Bearbeitungszeit der Anträge liegt bei sechs bis acht Wochen. Zeit, in der die Lieferanten kein Geld sehen.

Die rollende Gemüsekiste aus Affing-Gebenhofen ist ein weiterer Lieferant für den Raum Friedberg. „Wir finden, das Projekt ist eine tolle Sache“, sagt Mitarbeiterin Gertrud Winkler. „Wir wünschen uns aber, dass der Verwaltungsaufwand sinkt.“ Die Menge der Obst und Gemüseportionen berechnen die Lieferanten nach der ihnen von Kindergärten berichteten Kinderanzahl. Stimmen diese Zahlen nicht mit denen überein, die der LfL vorliegen, werde der Antrag abgelehnt oder nur ein Teil des Betrags ausgezahlt. Dann müsse Widerspruch eingelegt werden und die Zettelflut weitet sich aus. „Da kommen wir dann manchmal ins Schnaufen“, so Gertrud Winkler.

Bei den Belieferten spürt man nichts von diesen Sorgen. An der Theresia-Gerhardinger-Grundschule in Friedberg ist man voll und ganz zufrieden. Ware, Lieferung, Abwicklung, es gibt nichts zu beanstanden. Und die Kinder sind wild auf das Obst. Konrektorin Maria Pletschacher: „Gerade nach dem Sportunterricht wird alles restlos aufgeputzt.“

Auch bei den Kindergärten stößt das Projekt auf positive Resonanz. Den Kindern ein Bewusstsein für gesunde Ernährung zu vermitteln, damit könne man nie früh genug beginnen, findet Luise Tausch, eine der Leiterinen des katholischen Kindergartens St. Anna. Früher haben die Eltern im Friedberger Kindergarten das Obst mitgebracht, jetzt wird es kostenlos geliefert. „Magischer Obstteller“, so heißt es bei den Kleinen, wenn die Erzieherinnen Äpfel, Bananen und Karotten aufschneiden und mit Gäbelchen servieren. Und auch, wenn manche Eltern berichten, dass ihrem Kind nicht jedes Obst oder Gemüse schmecke, „wenn die Kinder essen, dann essen alle mit“, so Luise Tausch.

Auch in Mering müssen die Erzieherinnen nicht mehr selbst einkaufen. Die Montagslieferung wird von den Kleinen sehnlichst erwartet. „Manche Kinder bekommen eine ungesunde Brotzeit mit in den Kindergarten. Gerade für sie ist das Obst und Gemüse ein absoluter Gewinn“, sagt Eva-Maria Baum, Erzieherin und stellvertretende Leiterin des Kindergartens Kapellenberg. „Wir würden uns das Programm auch für unsere Kinder in der Krippe wünschen.“ Kinder unter drei Jahren sind vom Schulfruchtprogramm ausgeschlossen.

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