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Fußball

14.11.2017

Nicht nur die Gondeln tragen Trauer

Italien am Boden – erstmals seit 60 Jahren geht 2018 eine Weltmeisterschaft ohne die Azzurri über die Bühne. Klar, dass auch italienische Fans aus unserem Verbreitungsgebiet sehr enttäuscht waren. 
Bild: Luca Bruno/dpa

Was italienische Fans zum historischen Scheitern der Squadra Azzurra in der WM-Qualifikation sagen.

Das Unfassbare ist am späten Montagabend im Mailänder Stadion San Siro geschehen: Italiens Fußballer, die einst so ruhmreiche Squadra Azzurra, der vierfache Weltmeister hat die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland verpasst. Das 0:0 im Qualifikationsrückspiel gegen Schweden reichte nicht, Gianluigi Buffon und Co. müssen zu Hause bleiben und können die WM nur am Fernseher verfolgen. Erstmals seit 1958 sind die Italiener damit beim größten Fußballturnier der Welt nur Zuschauer – pikanterweise fand die WM damals in Schweden statt. Wir wollten nun von italienischen Fußballfans wissen, wie sie den Schock verarbeitet haben und wie sie die Zukunft des italienischen Fußballs sehen.

Für den Friedberger Gastronom Vito Ruggeri, den Besitzer des Restaurants La Piazzetta, ist es schlichtweg eine Katastrophe. „Das ist traurig für Italien und traurig für Buffon, der seine Karriere nach 20 Jahren nun so beenden muss“, meinte der 49-Jährige. Ruggeri verfolgte das Spiel mit Freunden und war nicht angetan von dem, was die Elf in Mailand bot. „Wir hatten 75 Prozent Ballbesitz, haben aber nichts reingebracht – und die hohen Bälle brachten gegen Schweden gar nichts“, so Ruggeri. Der hat keine gute Meinung vom derzeitigen italienischen Fußball. „Die Mannschaft ist schwach und vor allem auch der Trainer – da müssen wir dringend einen neuen guten Mann finden“, meinte er. Ruggeri sieht ein großes Problem, nämlich den fehlenden Nachwuchs. „Es kommen keine guten jungen Spieler nach“, sagte er. Doch auch, wenn Italien zuschauen muss, das Public Viewing am Café Latino werde es auch im Sommer 2018 geben, versprach Ruggeri.

„Eine Weltmeisterschaft ohne Italien, das geht eigentlich nicht – ich bin einfach nur traurig“, meinte Pierluigi Volpe. Der 23-Jährige arbeitet im Eiscafé am Brunnen und ist Fußballfan. Er hätte beinahe ein paar Tränen vergossen, als das Scheitern feststand. „Wir haben in der Qualifikation auch nicht gut gespielt und auch der Trainer Gian Piero Ventura war nicht der Richtige“, so Volpe. Für den bekennenden Juve-Fan war 2017 kein gutes Jahr, was den Fußball betrifft: „Erst verliert Juve das Champions-League-Finale und nun das“, meinte er. Besonders schade sei, dass die Karriere von Torwartlegende Buffon so enden musste. Bei der WM will Pierluigi Volpe nun Deutschland die Daumen drücken.

Auch Marco Siniscalchi, seit langen Jahren Spieler beim TSV Mühlhausen, war nach dem Schlusspfiff einfach „nur traurig.“ Der 47-Jährige verfolgte das Spiel im Fernsehen und meinte, in Mailand habe Italien gar nicht so schlecht gespielt. „Es war ein Spiel auf ein Tor, aber Schweden hat clever verteidigt. Verpasst haben wir die Qualifikation aber meines Erachtens in Schweden“, so Siniscalchi. „Mit tut vor allem Gianluigi Buffon leid“, sagte er weiter. Doch Siniscalchi sieht im Scheitern aber auch eine Chance: „So traurig das jetzt ist, es ist vielleicht auch die Chance auf einen Neuanfang“, meinte er. Nun müsse der Umbruch, den man seit dem Titelgewinn 2006 verpasst habe, kommen. „Wir haben jetzt die Quittung dafür bekommen, dass wir zehn Jahre nichts verändert haben. Wir haben gute U17-, U19- und U20-Mannschaften, aber keinen Trainer, der diesen Talenten vertraut und sie einbaut“, ärgerte sich Siniscalchi. Der hofft nun auf einen Umbruch, der kommen müsse, da ein Teil der „Alten“ ja aufhören werde. Viel wird seiner Meinung nach auch von einem neuen Trainer abhängen, Gian Piero Ventura sei der „falsche Mann mit einem veralteten System“ gewesen. „Ich wünsche mir einen jungen Trainer wie Massimilano Allegri oder Antonio Conte, einen jedenfalls, der auf die jungen Spieler baut. Jedenfalls nicht Carlo Ancelotti, der eher für ein veraltetes System steht“, sagte der Mühlhauser Fußballer. Die WM wird Marco Siniscalchi in jedem Fall verfolgen und dann mit Deutschland mitfiebern. „Wir haben bei uns im Restaurant jedenfalls keine Schadenfreude gespürt, den Deutschen tut es auch leid, dass Italien nicht dabei ist“, meinte er.

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