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12.04.2016

Niemand verlässt seine Heimat einfach so

Im Rahmen des KulturCafés berichteten Yahyah Shwihne und Omar Al Masalmah von ihrer Flucht aus Syrien und ihrem Leben in Deutschland. Mit dabei Harald Schütz und Petra Hamberger als Koordinatoren im Asylhelferkreis.

Zwei Flüchtlinge aus Syrien stehen in der Kissinger Bücherei Rede und Antwort über ihr altes und neues Leben

Als Yahya Shwihne im Mai vergangenen Jahres in Kissing ankam, hatte er blutende Füße von seinem langen Fußmarsch. Drei Monate dauerte die Flucht des Radio- und Fernsehtechnikers aus Aleppo. In der Kissinger Bücherei erzählte der 28-Jährige von diesem Abenteuer und auch von seinem früheren Leben in der Heimat, in der er seine Frau und seinen Sohn zurücklassen musste. Sein Landsmann Omar Al Masalmah floh ebenfalls vor dem Krieg in seiner Heimat. Der 21-jährige Student der Elektrotechnik konnte in Kissing wieder Hoffnung auf ein Leben mit Zukunft schöpfen.

Gemeinsam saßen die zwei Syrer, beide inzwischen anerkannte Flüchtlinge, am Rednerpult in der Bücherei und sprachen in beinahe fließendem Deutsch ins Mikrofon. Der im Rahmen des wöchentlichen KulturCafés stattfindende Erzählnachmittag stieß auf großes Interesse beim Publikum. Die Idee, an drei Nachmittagen Asylbewerber aus verschiedenen Ländern zu Gast zu haben, wurde vom Asylhelferkreis an Büchereileiterin Petra Scola herangetragen. Sie zeigte sich sofort begeistert, „denn wir Büchereien bemühen uns um Integration und haben auch einen Bildungsauftrag“.

Neugierig auf das, was die beiden Syrer über ihre Heimat, ihre Flucht, ihre Ankunft in Deutschland und über ihr Leben in Kissing zu erzählen hatten, waren viele Zuhörer und so gab es rund um die Ausleihtheke keinen freien Stuhl mehr. Interessiert warfen die Besucher auch einen Blick auf die Landkarte und die begleitende Bilderschau. „Bei uns ist das Leben sehr schön“, erklärte Omar Al Masalmah und betrachtete voller Melancholie die Fotos, die ihn als Student mit seinen Kommilitonen in Damaskus zeigen.

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„Es war“, korrigierte Harald Schütz vom Asylhelferkreis und die beiden Syrer nickten. Schütz kann sich noch gut daran erinnern, wie im Mai vergangenen Jahres eine große Gruppe von Asylbewerbern in Kissing ankam. Viele Helfer kümmerten sich um die Integration der Fremden und die beiden Syrer richteten mehrmals Worte des Dankes an die ehrenamtlichen Helfer, die ihnen teilweise sogar Familienanschluss gewährten. „Wir haben sehr viel Respekt vor den Deutschen“, betonte Yahyah.

Vom Publikum ernteten sie Applaus für ihre guten Deutschkenntnisse. Tagelang habe er nur übers Internet versucht, die Sprache im fremden Land zu lernen, erzählte Yahya und auch Omar erklärte: „Ich muss noch besser Deutsch lernen, damit ich hier weiterstudieren kann.“ Die beiden jungen Flüchtlinge erhielten viel Sympathie aus dem Publikum, aber es gab auch kritische Stimmen, die beispielsweise fragten, wann sie denn in ihr Land zum Wiederaufbau zurückgehen. Omar ist inzwischen in eine WG nach Wolfratshausen umgezogen. „Hier in der Umgebung habe ich keine Wohnung gefunden.“

Auch Yahya soll seit seiner Anerkennung möglichst schnell die Gemeinschaftsunterkunft verlassen. Es gäbe zwar Angebote, „aber wenn ich anrufe und meinen Namen sage, dann legen die Leute ganz schnell auf“. Flüchtlinge seien keine begehrten Mieter bedauert er. „Ich will mit den Deutschen leben“, sagt Yahya. Früher habe man in seiner Heimat Tür an Tür mit Christen und anderen Religionen gelebt. „Keiner hat gefragt, bist du Moslem oder Christ oder etwas anderes“, erklärte Omar. Vor allem als Übersetzer für seine Landsleute ist er aktiv. „Ich möchte helfen, so wie mir geholfen wurde.“

Niemand verlässt seine Heimat einfach so, steht auf der Internetseite, die die Kissinger Asyl- und Integrationsbeauftragte Petra Hamberger stets auf dem aktuellen Stand hält. Sie nutzte die Anwesenheit des zahlreichen Publikums, ums sich beim Asylhelferkreis für sein großes Engagement in den vergangenen Monaten zu bedanken. „Dass unsere beiden Syrer mittlerweile so fließend Deutsch sprechen und sich hier so gut integriert haben, das verdanken sie den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern“.

Termine Zu Gast im nächsten KulturCafé in der Bücherei Kissing am kommenden Donnerstag, 14. April, um 16 Uhr sind zwei Asylbewerber aus Eritrea.

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