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Aichach-Friedberg

05.01.2019

Notinseln: Hier sollen Kinder eine Zuflucht finden

Wie können Eltern ihre Kinder besser schützen? Vor dem Hintergrund des Falls Peggy entstand der Idee der Notinsel. Jetzt wird sie auch im Landkreis Aichach-Friedberg umgesetzt.
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Wie können Eltern ihre Kinder besser schützen? Vor dem Hintergrund des Falls Peggy entstand der Idee der Notinsel. Jetzt wird sie auch im Landkreis Aichach-Friedberg umgesetzt.
Bild: Julian Stratenschulte/dpa (Symbol)

Plus Ein Aufkleber signalisiert: Hier bis du sicher! Das Friedberger Altstadtcafé macht den Anfang als Notinsel, weitere Anlaufstationen sollen folgen.

Einen Zufluchtsort für Kinder, mitten in Friedberg, bietet das Altstadtcafé von Willi Weißgerber. Es ist die erste sogenannte Notinsel im Wittelsbacher Land, weitere sollen folgen. Der Konditormeister hatte im vergangenen Jahr eine Sendung im Fernsehen gesehen, in der die Notinseln vorgestellt wurden. Da er die Idee klasse fand, sprach er bei einem Empfang Landrat Klaus Metzger darauf an. „Wir haben uns in zehn Sekunden geeinigt“, berichtet er von der Unterhaltung. Metzger fügt hinzu: „Natürlich kannte ich die Notinseln schon, aber die Initiative musste aus der Mitte der Gesellschaft kommen.“ Gerne aber hat der Landrat die Schirmherrschaft für dieses Projekt übernommen: „Für die Kinder im Landkreis kann das in bestimmten Situationen ein absolut wertvolles Angebot sein. Das Projekt lebt davon, dass möglichst viele Geschäfte Notinseln werden“, findet Klaus Metzger.

Das Projekt soll Kindern in Not- und Gefahrensituationen Schutz bieten. Einzelhandels-, Dienstleistungs- oder Gastronomiebetriebe und öffentliche Einrichtungen sollen mit dem Notinsel-Aufkleber an ihrer Tür oder im Schaufenster Kindern signalisieren: „Wo wir sind, bist Du sicher.“ Das Projekt lebt von der Beteiligung möglichst vieler, die damit ein Zeichen für ihre soziale Verantwortung und Zivilcourage in den Städten und Gemeinden setzen. Eine Handlungsanweisung im Geschäft erläutert den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie sie im Notfall eine Hilfskette in Gang setzen, indem sie beispielsweise die Notruf-Nummer wählen oder die Eltern verständigen.

Diese Aufkleber an Geschäften zeigen Kindern an: Hier findest du, Hilfe. Das Altstadtcafé von Willi Weißgerber (links) ist das erste Geschäft im Wittelsbacher Land, das eine Notinsel bietet. Landrat Klaus Metzger ist Schirmherr. 
Bild: Christine Hornischer

Kinder in Not können die gekennzeichneten Geschäfte aufsuchen

Auf diese Weise können Kinder in Not die gekennzeichneten Geschäfte aufsuchen und sicher sein, dass sie dort kompetente Hilfe finden. Auch kleinere Wehwehchen (beispielsweise den Schlüssel verloren, Bus verpasst oder kleine Verletzung) werden bei den Notinsel-Partnern ernst genommen. „Bei uns bekommen sie eine Kugel Eis als Trost“, lacht Willi Weißgerber, der selbst Vater von vier Kindern ist und aus eigenen Erfahrungen weiß, dass es manchmal Situationen gibt, die in Kindern Angst auslösen, ohne dass es die Erwachsenen bemerken.

Weißgerber sieht in seinem Altstadtcafé eine ideale Anlaufstelle: „Unser Café ist zentral gelegen, die meisten Kinder kennen es und haben so keine Hemmschwelle.“ Außerdem seien hier Kinder sehr gern gesehen. Bereits jetzt, wo er erst seit Kurzem den Aufkleber an der Tür prangen hat, sei er schon mehrmals darauf angesprochen worden. „Mamis haben mich angeredet, die wiederum von ihren Kiddies darauf aufmerksam gemacht worden waren“, freut sich der mehrfache Vater.

Geht es nach den Initiatoren Willi Weißgerber und Landrat Klaus Metzger, soll in Friedberg, Kissing, Mering und anderen Städten und Gemeinden im Landkreis Aichach-Friedberg das bunte Logo an der Tür vieler Geschäfte prangen, Jedes Notinsel-Partnergeschäft unterschreibt eine Selbstverpflichtung und erhält dann einen Aufkleber, der gut sichtbar im Fenster oder an der Tür angebracht wird. Eine Handlungsanweisung im Laden weist die regionalen Notrufnummern aus und erleichtert den Mitarbeitern, im Notfall das Handeln. Der Hintergrund der Notinseln ist traurig: Als die neunjährige Peggy Knobloch im Jahre 2001 vermisst wurde, war die Verunsicherung der Menschen in Deutschland sehr groß.

Kindernotinsel: Privathäuser eignen sich nicht

Eltern hatten Angst, ihre Kinder alleine auf die Straße zu lassen. In dieser Zeit wurde Jerome Braun, Geschäftsführer der Stiftung Hänsel+Gretel, mehrfach als Kinderschutzexperte von Medien befragt. Die meist gestellte Frage war die nach praktischen Tipps für Eltern, wie diese ihre Kinder besser schützen können. Aufgrund dieser Interviews entstand die Idee der Notinsel. Jerome Braun riet Eltern, mit ihren Kindern den Schulweg zu planen. Das heißt, gemeinsam mit ihnen den Schulweg, die Route zum Sport oder zu Freunden abzugehen und Zufluchtsorte festzulegen. „Wo soll sich ein Kind in Not und Gefahrensituationen hinwenden?“ Die Frage, so Jerome Braun, lag auf der Hand. Genauso die Antwort: „Als Anlaufstellen für Kinder gibt es nichts Geeigneteres als Geschäfte, an denen man vorbeiläuft.“ Schnell sei klar gewesen, dass es ein Zeichen brauche, das Kindern signalisiert, „hier findest du Schutz, hier kannst du reingehen“. Klar war auch, dass es keine Privathäuser sein können, sondern öffentliche Geschäfte, Läden, Banken und Ähnliches.

Landkreis-Pressesprecher Wolfgang Müller will in einem zweiten Schritt, nachdem im ersten Schritt mehrere Anlaufstellen in Leben gerufen worden waren, Schulen und Kindergärten angehen, um das Logo mit den drei stilisierten Kindern bekanntzumachen. Deutschlandweit gibt es an 230 Standorten bereits an die 20000 Geschäfte, die das Notinsel-Symbol an der Tür angebracht haben.

Weitere Informationen unter www.notinsel.de, per E-Mail an notinsel@lra-aic-fdb.de oder direkt bei Pressesprecher Wolfgang Müller, der das Projekt betreut: 08251/92-282.

Lesen Sie dazu den Kommentar "Kindernotinseln brauchen Nachahmer in Aichach-Friedberg"

Lesen Sie auch, was den Anstoß gab Ermittler: Peggy wurde kurz nach ihrem Verschwinden ermordet

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