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15.10.2010

Nur drei Kräuter allein im Denkmal

Kissing Für das Geld, das die Verwirklichung der Planungsvariante B kostet, könnte man nach Meinung von Kissings Altbürgermeister Adolf Gaugg die B 2 West entlang der Bahnlinie bis zur Staatsstraße "ohne große Eingriffe in die vorhandene Struktur schaffen, und dies wahrscheinlich in einem überschaubaren Zeitraum". Dieser Meinung ist Kissings Altbürgermeister Adolf Gaugg. Wäre da nicht das "Naturdenkmal Kissinger Bahngruben".

Diese sind ein Relikt aus der Zeit des Eisenbahnbaus der Strecke Augsburg-München (1840). Im Kissinger Heimatbuch ist nachzulesen, dass der Kies für den Unterbau aus dem Gelände direkt westlich der Trasse entnommen wurde. Der Lech wiederum hatte sein Bett früher bis zum Altort Kissing und nach dem Bau der Eisenbahnstrecke bis dorthin. Mit den Hochwassern wurden auch die Samen für die Kissinger Heide angeschwemmt und fanden auf der dürftigen Humusschicht den passenden Nährgrund.

"Man muss sich allerdings fragen, warum die Neukissinger Bahngruben als Naturdenkmal eingestuft sind und die Kissinger Heide nur als Naturschutzgebiet", meint Gaugg. Denn der Vergleich der vorkommenden Pflanzenarten ergebe: in der Heide 82 schützenswerte Kräuter und Blumen, in den Bahngruben nur deren 13, von denen aber zehn auch wieder in der Heide vorkommen. Bleiben laut Gaugg drei Planzen (Heideröschen, Bunter Schachtelhalm, und Kleines Knabenkraut), die nur in den Bahngruben vorkommen.

Die Heide verkrautet immer mehr

Gauggs früherer Stellvertreter Wilfried Gilch wiederum merkt als Vorsitzender des Gartenbauvereins an, dass die Bahngruben und auch die Heide immer mehr verkrauteten. Der Bund Naturschutz sei schon auf ihn zugekommen wegen eines Experiments in einem nicht gar so wertvollen Eck der Heide: Man wollte mithilfe eines Mulchgeräts das Gras wieder so weit entfernen, dass die wertvollen Kräuter Lebensraum zurückgewinnen. "Bislang wurde nichts aus der Aktion", so Gilch. Beide Kissinger sind sich sicher, dass auch die Erweiterungsfläche für die Bahngruben, die von der Bahn beim viergleisigen Ausbau hergestellt wurden, das vorhandene Biotop vergrößert haben, um es dauerhaft zu sichern. Um die B 2 West nun direkt an der Bahn entlang auf einem 15 Meter breiten Streifen durchzuziehen, wären nur 400 Quadratmeter der Naturdenkmal-Flächen nötig. "Das wären von deren Gesamtfläche 2,76 Prozent", so Gaugg. Ludwig Huber (Gemeinderat aus St. Afra) wiederum hält nichts von Gauggs Idee. Es gebe dann zwei verschiedene, direkt benachbarte Lärmquellen. Trotz bestehender Wand und dem Hügel befürchtet er eine starke Zunahme der Immissionen. Wobei er zugibt, sich des Effekts einer im Lechfeld verlaufenden Bundesstraße bei den vorherrschenden Westwinden nicht sicher zu sein. (asj)

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