1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Oliver Zierl hat das Motorsport-Gen

Friedberg

12.09.2018

Oliver Zierl hat das Motorsport-Gen

Copy%20of%20DSCN3653.tif
2 Bilder
Schon seit seiner frühesten Kindheit begeistert sich Oliver Zierl aus Wulfertshausen für den Rennsport.
Bild: Moritz Weiberg

Der 59-Jährige aus Wulfertshausen tritt regelmäßig bei Rennen an. Dabei schien seine Karriere nach einem schweren Unfall beendet.

Auf den ersten Blick sieht Oliver Zierls Auto nicht aus wie ein Rennwagen. Ein grauer Kleinwagen, normale Straßenzulassung. Doch schaut man genauer hin, sieht man die Streifen an den Türen, die breiten Reifen, den roten Überrollkäfig.

In diesem Jahr startete der Rennfahrer Zierl, 59, bei zwei Bergrennen. Am Arlberg wurde er Zweiter, beim Rennen in Gargellen beim Steinbock Erster.

Schon seit seiner Kindheit begeistert sich Zierl für den Motorsport

Schon seit seiner frühen Kindheit begeistert sich Zierl, der in Wulfertshausen lebt, für den Motorsport, Auslöser für die Faszination war sein Vater. „Er ist auch schon Slalom- und Bergrennen gefahren“, erzählt Zierl. Seit er sechs Jahre alt war, nahm ihn sein Vater regelmäßig mit zu den Rennen. „Ich bin in diese Szene hineingewachsen“, erinnert er sich. „Das hat mich richtig gepackt.“ Und auch über 50 Jahre später hat er dieses Motorsport-Gen noch.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Seit 1978 fährt er Rennen, seit 1986 in der sogenannten „Gruppe H/Bergcup“, einer Berg-Rennserie. Dort fuhr er zehn Jahre lang, ehe er bei einem Rennen 1996 einen schweren Unfall hatte, an den sich Zierl auch 22 Jahre später noch genau erinnern kann: „Das Auto vor mir hat Motoröl verloren. Ich stand unten an der Startlinie und bin gerade losgefahren, als ich gestoppt wurde.“ Die Helfer kehrten das Öl von der Straße. „Als sie fertig waren, bin ich gestartet. Ich hatte einen Traumlauf erwischt, mir haben nur wenige Zehntel auf den ersten Platz gefehlt.“

Als Zierl die ölige Stelle erreichte, lenkte er etwas zu spät ein und geriet mit den beiden rechten Rädern auf die Ölspur. „Mich hat es mit beiden Rädern über die Spur und über die Leitplanke geschoben, ich bin auf einer Böschung neben der Strecke gelandet. In diesem Moment habe ich mich wie ein Passagier in einem Flugzeug gefühlt, ich war machtlos.“ Das Auto kam auf der Böschung auf und federte zurück auf die Straße, Zierl wurde in den Sitz gepresst, „das Auto war krumm wie eine Banane – Totalschaden.“ Zierl hatte starke Nackenschmerzen, über ein Jahr lang war er am Halswirbel verletzt, seine Karriere schien beendet.

Hier ist der Wulfertshausener in seinem Citroen Saxo VTS beim Bergrennslalom am Arlbergpass zu sehen. Oliver Zierl gefällt es, sein Auto in Grenzbereichen kennenzulernen.
Bild: Austria Racing pics/Stefan Brodn

Das Motorsport-Gen, das nach wie vor in ihm steckte, ließ ihn jedoch nicht los. Nach seinem Unfall begleitete er einen Freund zu dessen Rennen, fungierte als Schrauber und Betreuer. „Das Schrauben war aber nie die Erfüllung“, erzählt er. Zierl arbeitete dann als Funktionär in der „Gruppe H“, er war mitverantwortlich für die Weiterentwicklung der Bergrennen in Deutschland.

2012 hatte er dann genug vom bloßen Zuschauen. „Ich habe es nicht mehr ausgehalten, mich hat es richtig gejuckt.“ Auch seine Frau gab grünes Licht, Zierl ging wieder an den Start. Nach dem ersten Rennen stieg er zitternd aus dem Auto, weil er die Anspannung nicht mehr gewohnt war. „Das war das Schönste.“

Oliver Zierl braucht den Motorsport als Ausgleich zu seinem stressigen Beruf. Der studierte Architekt arbeitet als Bauleiter bei einem Bauunternehmen. Bei Bergrennen kann Zierl zwei Hobbys miteinander verbinden: An einem Tag geht er mit seiner Frau Bergwandern, am nächsten fährt er ein Rennen. „Das Motto ‚der Berg ruft’ trifft bei mir immer zu“, sagt er lachend.

Rennfahrer aus Wulfertshausen: Das Auto in Grenzbereichen kennenlernen

Wenn er über die Vorzüge des Motorsports spricht, leuchten Zierls Augen. Ihm gefalle es, das Auto in Grenzbereichen kennenzulernen. „Die Faszination Geschwindigkeit gehört natürlich auch dazu“, sagt Zierl. Auf bis zu 150 Stundenkilometer beschleunigt sein Citroen Saxo VTS. Auch der Ehrgeiz, schneller zu sein als die anderen, komme hinzu. Nicht fehlen dürfe aber der Respekt vor dem Auto. „Ohne Respekt geht gar nichts.“ Denn Motorsport ist gefährlich, das weiß er aus eigener Erfahrung.

Um eine gute Leistung abrufen zu können, muss sich Zierl auf sein Auto verlassen können. „Ein gut vorbereitetes Auto ist schon die halbe Miete“, weiß er. Wenn er gerade nicht einen Berg hinaufrast, fährt Zierl vernünftig. Sein Rennwagen hat eine Straßenzulassung, ihn stört, oft mit Verkehrsrowdys in einen Topf geworfen zu werden. „Ich möchte von den illegalen Rennfahrern schon differenziert dastehen“, sagt er. „Mein Auto ist getunt, aber es ist legal.“ Als Beweis zieht er den Fahrzeugschein aus dem Schrank, ein dicker DIN A5 Ordner. Darin ist alles dokumentiert, Zulassungen für den Überrollkäfig, die Splitterschutzfolie und die Domstreben.

Das Wichtigste am Motorsport ist laut Zierl aber nicht das Auto, sondern die Erfahrung und mentale Stärke. „Der Kopf muss frei sein“, erklärt er. Als Vorbereitung auf ein Rennen sieht er sich Videos der Strecke im Internet an, fährt die Straße vorher ab, macht Notizen und Fotos. „Man braucht eine gute Streckenkenntnis, muss genau wissen, wo die Bremspunkte sind.“ Bergrennen sind ein Sprintlauf, die Strecken sind nur zwischen 1,5 und 3,5 Kilometer lang. Da muss jeder Handgriff sitzen, um so erfolgreich wie Oliver Zierl zu sein.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Tagespflege_Bur_Juni16_17(1).tif
Ehrenamt

Ein Einsatz, der Freude bringt

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden