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Porträt aus Kissing

16.02.2018

Olympia weckt bei Hyunsuk Hong aus Kissing Heimatgefühle

Nach altem Zeremoniell heirateten Hyunsuk Hong und Elmar Brinkmann in Südkorea. Sie leben in Kissing.
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Nach altem Zeremoniell heirateten Hyunsuk Hong und Elmar Brinkmann in Südkorea. Sie leben in Kissing.

Hyunsuk Hong stammt aus Südkorea und lebt in Kissing. Sie erzählt, wie sie nach Deutschland kam – und wie sie die Lage in dem ostasiatischen Land einschätzt.

Auch dieses Wochenende wird Hyunsuk Hong wieder vor dem Fernseher sitzen und die XXIII. Olympischen Winterspiele mit besonderem Interesse verfolgen. Denn sie finden bis zum 25. Februar in ihrer südkoreanischen Heimat statt – und wecken teils wehmütige Erinnerungen an die grüne, hügelige Landschaft mit Kirschbäumen und buddhistischen Tempeln, an die Fischerdörfer an der Küste, subtropische Inseln und hochmoderne Städte wie die Hauptstadt Seoul.

Die 39-Jährige stammt aus einem kleinen Ort in der Nähe von Seoul und lebt mit ihrem Mann Elmar Brinkmann seit sechs Jahren in Kissing. „Wir haben dreimal geheiratet“, erzählt sie, „standesamtlich und kirchlich in Deutschland, dann noch einmal bei einer Zeremonie mit traditionellen Kostümen in Korea.“ Kennengelernt hat sie ihren Mann, der als Ingenieur bei Kuka arbeitet, als er 2006 in ihrer Heimat ein Praktikum machte.

Sechs Monate Probezeit für Deutschland

„Nach eineinhalb Jahren Fernbeziehung habe ich mich dann für eine sechsmonatige Probezeit entschieden und bin nach Deutschland gekommen“, erzählt sie. Trotz der kulturellen Unterschiede und sprachlichen Hürden funktionierte das Zusammenleben gut und heute hat das Paar einen Sohn und eine Tochter, die zweisprachig aufwachsen und in Kissing die Villa Kunterbunt besuchen. Kontakt zu ihren Eltern in Südkorea hält Hyunsuk Hong mithilfe der modernen Medien. Treffen können sie sich nur selten, „weil das Reisen über eine Entfernung von 8500 Kilometern eine teure Angelegenheit ist“, wie sie meint. Ihre Wohnung in Kissing schmücken viele selbstgemalte Bilder mit traditionellen Motiven, neben dem Klavier steht ein Gayageum, ein in der klassischen koreanischen Musik gespieltes Instrument mit zwölf Saiten. „Es repräsentiert an führender Stelle unsere nationale Musikkultur und wurde laut einer Legende durch König Kasil nach dem Modell der chinesischen Wölbbrettzither Guzheng erfunden“, erklärt die Koreanerin. Das Instrument hat zwölf bewegliche Stege, die wie Füße von Wildgänsen geformt sind, und wird mit den Fingerkuppen oder -nägeln der rechten Hand gezupft.

Musisch und handwerklich begabt

Die 39-Jährige ist aber nicht nur musisch begabt: Als selbstständige Schneiderin produziert sie Taschen und andere schöne Dinge, die sie über eine Internet-Plattform verkauft. In ihrer Freizeit trifft sie sich gern zum Feiern mit anderen Frauen aus Korea, die in der Region im „Koreanischen Verein Augsburg“ organisiert sind. 100 Menschen mit koreanischer Staatsangehörigkeit leben in Augsburg selbst, die meisten stammen aus Südkorea und kamen zum Studium oder von Berufs wegen nach Deutschland. Die „Koreanische Sprachschule in Schwaben“ wurde 1987 von Müttern gegründet, die ihren Kindern neben der deutschen auch die koreanische Sprache beibringen wollten. „Daraus ist in Augsburg eine der kleinsten koreanischen Sprachschulen Deutschlands geworden“, sagt Hyunsuk Hong. „Jeden Samstag bringen Eltern ihre Kinder in die Schule, um sie in Kultur, Geschichte und Musik unterrichten zu lassen.“

Sie selbst spricht Japanisch, Koreanisch, Englisch und ausgezeichnet Deutsch, während sich ihr Mann mit der komplizierten koreanischen Sprache schwer tut. Auf dem Münchner Oktoberfest waren beide schon, „aber das fand ich nicht so lustig wie die übrigen Besucher und bin lieber auf dem kleineren Augsburger Plärrer“.

Sie erhofft sich politische Impulse

Sie fiebert nicht nur bei den aktuellen Wettbewerben in Pyeongchang mit, sondern geht auch gern zum Skilaufen in den Allgäuer Bergen. „Der Winter in Kissing macht mir nichts aus, denn zehn bis 20 Minusgrade sind in meiner Heimat in Korea nichts Ungewöhnliches.“ Gewöhnungsbedürftig waren dagegen etliche Tugenden, die man den Deutschen allgemein nachsagt: Ihre Ordnungsliebe, Prinzipientreue und das starre Festhalten an Regeln. „In Korea ist zwar auch vieles reglementiert, aber die Menschen gehen wesentlich flexibler damit um.“

Dass von den olympischen Winterspielen positive politische Impulse ausgehen, hofft Hyunsuk Hong ebenso wie viele ihrer Landsleute: Es sei ein gutes Signal, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae eingeladen hat, um über vertrauensbildende Maßnahmen zu sprechen, findet sie.

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