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Merching

24.07.2018

Operetten, Samba und echte Kerle

Ob Walzer, Samba oder James Bond: Die Sommerserenade der Serenata Leonberg im Merchinger Pfarrsaal begeisterte.
Bild: Christina Riedmann-Pooch

Serenata Leonberg geht mit dem Publikum in Merching bei der Sommerserenade auf eine musikalische Traumreise.

Eigentlich hätte Dirigent Berthold Masing, der auch charmant moderierte, mit seiner Serenata Leonberg ein Open-Air-Konzert vorgesehen – stattdessen sperrten sie kurzerhand den Regen aus und brachten den Sommer auch so mühelos in den Merchinger Pfarrsaal.

Zunächst setzten die Musiker auf beschwingte Operettenmelodien von Gerhard Winkler, darunter den „Frühling in der Toskana“, eine Rarität mit Ohrwurmqualität, die eine heitere, unbeschwert-italienische Stimmung heraufbeschwor. Die leichte, sommerliche Stimmung trug auch der beschwingte Walzer „Dorfkinder“ von Emmerich Kálmán, der zu der Silbernen Operettenzeit entstand und die Zuhörer musikalisch unverkennbar an den sonnigen Plattensee entführte. Fehlen durfte auch nicht eine hörenswerte aber ganz besonders selten gespielte Filmmusik, die das Orchester ausgegraben hatte: „Das Fräulein von Barnhelm“ von Franz Grothe, aus dem Film „Heldinnen“, das sich thematisch an den Roman Minna von Barnhelm lehnt. Mit dem leicht-hüpfenden „Bocaccio-Marsch“ von Franz von Suppé, der so gar nichts mit Märschen im preußischen Stil zu tun hat, ging der der erste Teil der Serenade zu Ende.

American Broadway und Filmmelodien standen dann auf dem Programm. Feinstes Kino für die Ohren boten die Musiker mit knallharten Typen samt wachsweichem Kern wie „Rocky Broadway“, ein Medley aus den Verfilmungen mit Sylvester Stallone. Ebenso wie die echten Kerle der endlosen Prärie, „Die Glorreichen Sieben“, die in der Komposition von Elmer Bernstein lebendig wurden. Der Rhythmus fuhr den Zuhörern bis in die Fußspitzen, als das Orchester südamerikanisch temperamentvoll die Sambas „Tico, Tico“ und „El Cumbanchero“ aufs Parkett legte. Für dieses Stück zeigten Konzertmeisterin Sonni Turban-Nitsche und zweite Violine Heide Hald vollen Einsatz, die schnell mal eben ihre Violinen gegen zwei Saxofone vertauschten – und sogar eine defekte Saxofonklappe überlisteten, die blitzschnell mit einem Notgummi wieder flottgemacht wurde.

Das letzte offizielle Stück war ein Medley: eine Hommage an Roger Moore, den Berthold Masing als den „one and only James Bond“ bezeichnete, und James Bond im Allgemeinen. Dieses Arrangement löstewohliges Gänsehautfeeling aus, die Streicher, insbesondere die Cello-Soli von Pilvi Heinonen, beschworen sinnlich-verführerische Episoden hervor, actiongeladen agierten die Bläserarrangements, unterstützt vom Schlagwerk. Das Barfeeling übernahm das Piano. Nur der Martini fehlte noch. Der verträumte Mitternachtsblues mit dem melancholischen Trompeten-Solo, beeindruckend von Harald Zeeb interpretiert, blieb nicht die einzige Zugabe. Mit zwei heißen Sambastücken und einem begeisterten Publikum ging die Serenade lebhaft zu Ende.

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