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Straßenbau im Wittelsbacher Land

07.08.2015

Osttangente entzweit die Union

Die Bundesstraße AIC 25 in Höhe der Abfahrt Lechhausen/Stätzling. Die Straße soll vierspurig zur Augsburger Osttangente ausgebaut werden.
Bild: Annette Zoepf

Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange erntet für einen Vorschlag Widerspruch der Meringer CSU. Deren Haltung stößt wiederum bei den Parteifreunden aus Kissing auf Unverständnis

Vier Spuren, drei Spuren oder zwei Spuren? Überregionale Bedeutung oder nur zur lokalen Entlastung? Die Osttangente sorgt inzwischen auch innerhalb der CSU für Kontroversen. Kaum hat der verkehrspolitische Sprecher der Union im Bundestag, der Nördlinger Abgeordnete Ulrich Lange, einen Vorschlag in die Diskussion eingebracht, da kommt schon heftiger Widerspruch aus Mering.

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Wie berichtet, haben Kreisvorstand und Kreistagsfraktion der CSU kürzlich eine gemeinsame Resolution gefasst, die einerseits die Notwendigkeit einer Entlastung für Friedberg und Kissing betont, andererseits aber Bedingungen formuliert. So soll die Straße möglichst flächensparend auf Bestandstrassen verlaufen, umwelt- und naturschutzverträglich sein, größtmöglichen Lärmschutz bieten und einen kreuzungsfreien Verkehr ermöglichen. Eine Position, die auch innerhalb der Union nicht unumstritten ist. Gegenstimmen zu dem Positionspapier gab es unter anderem deshalb, weil der gefundene Kompromiss als nicht zielführend erachtet wird.

CSU-Verkehrsexperte Lange hält sich zwar an die innerhalb der CSU vereinbarte Linie, nicht mehr von einer Osttangente zu sprechen. An der Notwendigkeit des Projekts hat er im Gespräch mit unserer Zeitung aber keinen Zweifel: „Ich stehe weiter zu einer leistungsfähigen Verbindung mit Netzzusammenhang.“ Genau das, also übergeordnete Bedeutung, sei auch das Kriterium für die Aufnahme der Trasse in den Bundesverkehrswegeplan.

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Wobei der Abgeordnete betont, dass er sich nicht auf eine autobahnähnliche vierspurige Bundesstraße festlegt. Genau dies und der immense Flächenverbrauch stößt ja auf massiven Widerstand in der Region. Lange kann sich genauso gut eine zweispurige Trasse mit einer zusätzlichen Überholspur in Teilabschnitten vorstellen.

Streit entfacht

Doch auch das genügt schon, um die Meringer CSU auf den Plan zu rufen. „Die Ideen von Herrn Lange im Sinne einer Überholspur, aber auch die klare überregionale Bedeutung, kann ich nicht nachvollziehen. Diese stehen auch im Widerspruch zu unserem Papier aus Mering“, sagt der CSU-Ortsvorsitzende und 2. Bürgermeister der Marktgemeinde, Florian Mayer. Dies habe er den Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz und Ulrich Lange, dem Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko sowie Landrat Klaus Metzger auch mitgeteilt.

Eine Haltung, die bei den Nachbarn im Norden auf wenig Verständnis stößt. Von einem Streit könne zwar nicht die Rede sein, sagt der Vorsitzende der CSU in Kissing, Reinhard Gürtner: „Aber dass wir nicht begeistert sind von der ablehnenden Haltung, ist nachvollziehbar.“ Man habe jetzt die Möglichkeit, die Tangente in den Bundesverkehrswegeplan zu bringen: „Passiert das nicht, dann wird es für die nächsten Jahrzehnte keine Möglichkeit mehr geben“, fürchtet Gürtner.

Hinter vorgehaltener Hand wird sogar die Rechnung mit den Parteifreunden aufgemacht. Man habe die Meringer CSU doch beim Gymnasium so unterstützt und werde nun von ihr hängengelassen, heißt es. Ein Vorwurf, den Parteichef Gürtner selbst nicht erhebt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, stellt er klar. Dennoch könne er nicht verstehen, warum die Meringer im Gemeinderat gegen die Tangentenpläne gestimmt hätten.

„Wir sind inhaltlich gar nicht so weit auseinander“, stellt Florian Mayer die Meringer Position heraus. Man unterstütze den Wunsch der Kissinger nach einer Umgehung. Eine vierspurige Straße zu fordern, um am Ende zwei Spuren zu bekommen, das lehne man jedoch ab. Denn eine Tangente mit überörtlicher Sicht kommt nicht in Frage, so der Grundsatzbeschluss der Meringer CSU. Mayer wundert sich zudem, dass sich Lange zu diesem Thema überhaupt äußert. Man habe sich doch darauf verständigt, dass nur Hansjörg Durz als Stimmkreisabgeordneter dazu sprechen solle, erinnert er.

Derweil deutet sich an, dass ganz im Süden des Wittelsbacher Landes grundsätzlicher Widerstand gegen die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan erwächst. Dort fürchtet man offenbar auch bei der CSU, dass am Ende doch die Ullrich-Variante gebaut werden könnte, wenn sich die Stadt Königsbrunn mit ihren 28000 Einwohnern gegen die kleinen Nachbargemeinden östlich des Lechs durchsetzt.

Das Nein der Kommunen und Proteste aus der Bevölkerung gegen das Projekt seien in Berlin „übrigens angekommen“, berichtet der Bundestagsabgeordnete Lange. Ob das die Chancen schmälert, dass die Trasse in den Plan aufgenommen wird, lässt er offen. 

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