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Kirchenasyl

09.10.2015

Patres bieten Flüchtlingen Sicherheit

Die Pallottiner in Friedberg haben zwei Asylbewerbern Kirchenasyl gewährt. Von links Ansprechpartner Pater Sascha Heinze, Betreuerin Urte Tippelmann, Mahmoud Hamid, Majid Rezai und Betreuerin Johanna Braun.
Bild: Andreas Schmidt

Warum ein Afghane seit Monaten im Friedberger Provinzialat festsitzt und sich auch ein Syrer nicht nach draußen traut.

Von Andreas Schmidt

Ein Oktoberfest in ganz kleinem Rahmen mit Weißwürsten und Brezen haben Pallottiner in Friedberg mit zwei Flüchtlingen gefeiert. Auf das richtige Oktoberfest hätten sich die beiden Asylsuchenden niemals gewagt. Bei einer Polizeikontrolle hätte ihnen die Abschiebung nach Bulgarien gedroht, wo sie auf ihrer Flucht in der Europäischen Union (EU) erstmals registriert worden sind. An Bulgarien haben Majid Rezai aus Afghanistan (19 Jahre) und Mahmoud Hamid (28) schlechte Erinnerungen. Für den jungen Afghanen ist das mit ein Grund, warum er nachts lange nicht einschlafen kann. „Ich habe immer Angst“, sagt der 19-Jährige.

Dabei sind er und der Syrer auf sicherem Terrain – im Friedberger Provinzialat der Pallottiner. Die katholische Gemeinschaft hat ihnen Kirchenasyl gewährt. Für beide bedeutet dies, dass sie den Sitz der Provinzleitung der deutschen und österreichischen Pallottiner seit Monaten nicht verlassen können. Doch das nehmen sie gerne in Kauf.

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In Bulgarien einen Monat auf der Straße gelebt

Die Fluchtgeschichte von Majid Rezai ist nicht schnell erzählt. Es war ein gefährliches Hin und Her, das sich Jahre hingezogen hat. In wie vielen Flüchtlingscamps der 19-Jährige untergebracht war, kann er nur schätzen: Waren es 20 oder 30? In Bulgarien fand er es mit am schrecklichsten. Wie dort mit Asylbewerbern üblich, landete der Afghane unter kaum vorstellbar schlechten Bedingungen erst einmal im Gefängnis. Dann lebte und schlief er etwa einen Monat ohne jegliche Hilfe auf der Straße. Die Miene von Majid Rezai hellt sich auf, als er von seiner Ankunft in Deutschland spricht. „So nette Leute“, sagt er.

Seit vergangenem Dezember wohnte er in einer Unterkunft in Hurlach. Johanna Braun vom Asyl-Unterstützerkreis kümmert sich seitdem um ihn. In Hurlach hat sich der Afghane wohlgefühlt, Fußball gespielt und Deutsch gelernt. Dann kamen die Einschreiben, mit denen die Abschiebung nach Bulgarien angekündigt wurde.

Für Patres war es Neuland

Über Umwege wandte sich Johanna Braun hilfesuchend an die Pallottiner. Für die Patres in Friedberg war dies Neuland. Pater Sascha Heinze, der Ansprechpartner für die beiden Asylbewerber ist, dachte zunächst an den Augsburger Fall Anfang 2014. Damals holte die Polizei eine Frau aus Tschetschenien und ihre vier Kinder aus dem Kirchenasyl einer Pfarrei. Sorgen, dass sich so etwas in Friedberg wiederholen könnte, macht sich Pater Heinze nicht. Wichtig ist ihm, dass die Kirche keinen rechtsfreien Raum schafft. „Wir verstecken niemanden“, betont der Pallottiner. Den Behörden ist gemeldet worden, wo die Asylsuchenden untergebracht sind. Für die Pallottiner war es in beiden Fällen schnell klar, dass sie Kirchenasyl gewähren. „Es war aus humanitären Gründen die letzte Möglichkeit, eine Abschiebung zu verhindern“, so Pater Heinze.

Seit Anfang Juni lebt Majid Rezai jetzt bei den Pallottinern. Das Risiko, das Gelände zu verlassen, wäre zu groß. Später wurde dort auch dem Syrer Mahmoud Hamid Kirchenasyl gewährt. Dabei sollen er und Landsleute inzwischen gar nicht mehr abgeschoben werden. Doch bis das rechtlich endgültig geklärt ist, bleibt der 29-Jährige im Provinzialat. Sicher ist sicher. Für ihn ein Zustand der Ungewissheit.

Nach einer gewissen Frist können sich beide Hoffnungen machen, nicht mehr nach Bulgarien abgeschoben zu werden. So lange will Pater Heinze beiden ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

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