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Aichach-Friedberg

08.10.2019

Personalnot an den Kliniken an der Paar

Sind die Kliniken an der Paar selbst ein Notfall? Offenbar haben zuletzt Pflegekräfte reihenweise gekündigt.
Bild: Ute Krogull (Archiv)

Plus Die Krankenhäuser in Aichach und Friedberg haben viele Mitarbeiter verloren: Der neue Chef nennt Krankheiten und Kündigungen als Grund. Woran liegt das?

Trotz vieler Überstunden fehlt für ganze Schichtenkönnen das Personal, Abteilungen müssen teilweise geschlossen und Patienten abgewiesen werden: Ein dramatisches Bild zeichnete die Unternehmensleitung der Kliniken an der Paar im zuständigen Werkausschuss des Kreistags.

Vordringliche Aufgabe der kommissarischen Geschäftsführung ist darum, vorhandene Personal zu halten, neues anzuwerben und zurückzugewinnen. Dies ist Grundvoraussetzung dafür, dass sich auch die finanzielle Situation der Kliniken wieder stabilisiert.

Krankenhäuser in Aichach und Friedberg in wirtschaftlicher Schieflage

Seit Jahresanfang sind, wie berichtet, die beiden Häuser in Aichach und Friedberg in dramatische wirtschaftliche Schieflage geraten. Bei den ersten Etatberatungen im Herbst 2018 war noch die Rede von etwa drei Millionen Euro.

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Im Januar hieß es dann, das Minus werde „etwas höher“ ausfallen, aber noch unter vier Millionen Euro liegen. Kalkuliert wurde für 2019 schließlich ein Rekordminus von 6,5 Millionen für den Betrieb der beiden Kliniken. Aber auch das genügt nicht: Nach den jüngsten Zahlen könnte es sogar bei über elf Millionen Euro liegen.

Weil Geschäftsführer Krzysztof Kazmierczak trotz eines klaren Auftrags der Politik keine Besserung in Aussicht stellen konnte, musste er im August schließlich gehen. Georg Großhauser und Peter Schiele vom Landratsamt übernahmen kommissarisch die Geschäftsführung, bis die Nachfolge des promovierten Mediziners und Krankenhausbetriebswirts Kazmierczak geregelt ist.

Mehr Mitarbeiter, kürzere Verweildauer der Patienten

Großhauser erläuterte im Werkausschuss die allgemein schwierigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen. Auf der einen Seite ist die Zahl der Patienten und der Beschäftigten in den bayerischen Krankenhäusern während der letzten 25 Jahre stark angestiegen, auf der anderen Seite ist die durchschnittliche Verweildauer von rund zwölf auf sieben Tage gesunken. Höheren Kosten stehen damit Einnahmen gegenüber, die den Aufwand nicht mehr decken.

Offenbar gibt es auch hausgemachte Probleme in den Kliniken an der Paar, wie Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann (SPD) anmerkte. Tatsächlich sprach Interims-Chef Großhauser von einer außerordentlich hohen Fluktuation und vielen krankheitsbedingten Ausfällen.

34 Kündigungen am Krankenhaus Friedberg

Die Diskussion über die finanzielle Lage führe zu Verunsicherung und Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern. Allein in Friedberg hätten in kurzer Zeit 34 Beschäftigte gekündigt, bestätigte auch Pflegedirektorin Ulrike Gastl: „Die waren teilweise nur ganz kurz da.“ Vielen sei die Belastung einfach zu hoch.

Die Geschäftsleitung hat darum in den vergangenen Wochen Gespräche mit dem Personal geführt und die Erkenntnis gewonnen, dass die vorhandenen Stellen – 200 in Aichach und 270 in Friedberg – möglicherweise nicht ausreichen. „Wir werden nahezu täglich damit konfrontiert, dass gewisse Dienste nicht besetzt werden können“, berichtete Peter Schiele.

Der Personalschlüssel in Aichach und Friedberg stimmt nicht

Der Ärztliche Direktor Albert Bauer verwies darauf, dass der Personalschlüssel der Kliniken gar nicht stimmen könne. Er sehe eine Pflegekraft für 15 Patienten vor, nach der neuen gesetzlichen Untergrenze liege er aber bei einer Kraft für zehn Patienten.

Viele Mitarbeiter suchten von sich aus das Gespräch mit der kommissarischen Geschäftsführung, berichtete Landrat Klaus Metzger (CSU). Für ihn ist darum klar: Die Personalsituation ist das allererste Thema für Großhauser und Schiele. Denn die Zeiten werden nicht einfacher. In Kürze kommt eine Pensionierungswelle auf die Kliniken zu, und der Arbeitsmarkt ist weitgehend leer.

Den Kliniken an der Paar drohte die Zahlungsunfähigkeit

Ob das von Kazmierczak angekündigte Defizit tatsächlich eintritt, konnte die Interims-Geschäftsführung bislang noch nicht verifizieren. Dennoch stimmte der Werkausschuss einem Nachtragshaushalt zu, der einen Verlust von 11,1 Millionen vorsieht und den Kassenkredit der Kliniken von derzeit 15 auf 26 Millionen Euro erhöht. Andernfalls könnte die Zahlungsunfähigkeit drohen – wie es heuer im Frühsommer bereits einmal der Fall war. Der Kreis musste mit einer Abschlagszahlung sicherstellen, dass die Kliniken ihre Rechnungen begleichen konnten.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Thomas Goßner Kliniken an der Paar: Schlechtes kostet Personal

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