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18.01.2018

Peter Gerrer: Fußballer, Landwirt, „Vereinsmeier“

Das Stellungsspiel beherrscht Peter Gerrer (Mitte) vom BC Adelzhausen wie kein Zweiter.
Bild: Karl Aumiller (Archiv)

Der 38-Jährige aus Heretshausen engagiert sich seit fast zwei Jahrzehnten ehrenamtlich beim BC Adelzhausen. In der Abwehr absolvierte er über 500 Spiele und war Kapitän.

Vor fünf Jahren hing Peter Gerrer seine Fußballschuhe an den Nagel. Seine aktive Zeit in der ersten Mannschaft des BC Adelzhausen war nach 15 Jahren vorbei. Heute ist er 38 Jahre alt und immer noch jeden Donnerstag bei den Mannschaftssitzungen dabei. „Ich bin vom alten Schlag. Vereinsleben ist mir sehr wichtig. Mit einigen Spielern habe ich noch zusammengespielt.“

Ausgerechnet so eine Mannschaftssitzung verhalf dem Landwirt aus Heretshausen im Oktober 2016 zu seinem unfreiwilligen Comeback in der Bezirksliga Nord. „Ich saß, wie so oft, im Sportheim, als mich die Jungs gefragt haben, ob ich mich nicht für den Notfall auf die Bank setzen kann.“ Spontan sagte Gerrer zu und musste dann von Anfang an ran. Spielertrainer Andreas Brysch verletzte sich beim Warmmachen und sein Team brauchte einen Abwehrchef. Am Ende gewann der BCA mit 3:1. „Das war ein sehr angenehmes Spiel für mich. Die Jungs haben es mir leicht gemacht“, berichtet Gerrer. Die Woche darauf wurde er gegen Hollenbach für 20 Minuten eingewechselt. Danach war dann endgültig Schluss. „Ich habe es gerne gemacht. Es war eine nette Erfahrung. Aber ich habe gemerkt, dass es an Fitness und Schnelligkeit fehlt. Da ist es besser, wenn ich wieder auf der Zuschauertribüne Platz nehme.“ Bei fast jedem Heimspiel ist der Landwirt am Römerweg anzutreffen. Seiner Ehefrau Tina, die früher selbst Handball beim TSV Aichach gespielt hat, ist das nicht immer recht. „Klar ärgert es sie manchmal. Aber sie hat Verständnis. Als ich noch aktiv gespielt habe, war ich noch öfter beim Fußball. Wenn beide Ehepartner einen Sport ausüben, geht das sicher leichter.“

Der 38-Jährige ist ein echtes BCA-Urgestein. Mit sechs Jahren hat er mit dem Kicken angefangen. Vater Leonhard war ebenfalls in Adelzhausen aktiv. In der ersten Mannschaft absolvierte Gerrer insgesamt mehr als 500 Spiele und war Kapitän. Auf dem Platz war er eher für das Toreverhindern zuständig: „Ich war nie der Schnellste oder der beste Techniker. Aber ich wusste oft, was der Gegner vorhat, und habe meine Defizite mit Spielverständnis wettgemacht.“ Einen Aufstieg durfte er aber nie feiern: „Wir sind öfter ganz knapp in der Relegation gescheitert. Es hat leider nie gereicht.“ Erst 2015, rund zwei Jahren nach Gerrers Karriereende, schaffte der BCA die Rückkehr in die Bezirksliga. Schuld daran ist auch eine Verletzung. Bei einem Zusammenprall verlor Gerrer einen Schneidezahn. Ein Jahr lang machten ihm Schmerzen zu schaffen, danach hörte er auf: „Ich hatte mich lange genug geplagt. Es war an der Zeit, Schluss zu machen. Auch weil ich immer weniger Zeit hatte.“ 2013 übernahm er den Hof seines Vaters: „Gerade im Sommer bist du als Landwirt oft den ganzen Tag beschäftigt. Das ist dann schwierig“, so der gelernte Bauzeichner.

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Langeweile kommt bei Peter Gerrer aber auch nach der aktiven Laufbahn nicht auf. Seit 14 Jahren ist er Schriftführer beim BCA. Zusätzlich ist er bei den Heilbachtalerschützen Heretshausen, für die er rund zehn Jahre im Rundenwettkampf geschossen hat, als Kassenprüfer tätig, engagiert sich in der freiwilligen Feuerwehr als Zweiter Vorsitzender und sitzt im Gemeinderat. Ehefrau Tina nennt ihn deshalb einen „Vereinsmeier“. Das macht dem 38-Jährigen aber nichts aus: „Warum auch. Jeder Ort und jeder Verein braucht Leute, die sich engagieren. Für mich ist das selbstverständlich.“ Angefangen hat alles vor 20 Jahren. „Ich kam gerade aus der Jugend raus und wurde gefragt, ob ich nicht einen Posten im Vorstand übernehmen will.“ Lang musste Gerrer nicht überlegen und wurde Beisitzer: „Man kann nicht immer nur schimpfen, sondern muss etwas tun“, dachte er sich schon damals.

Für seine Dienste für den BCA wurde er im Oktober mit einem Sonderpreis des Bayerischen Fußballbundes ausgezeichnet. „Das hat mich schon überrascht, denn es gibt bei uns im Verein Personen, die deutlich mehr zu tun haben wie ich. Dennoch war es natürlich eine schöne Sache.“ Als Lohn gab es unter anderem Eintrittskarten für den FC Augsburg. Gerrer ist zwar Fan des FC Bayern München, diese Einladung nimmt er trotzdem gerne an. Als Schriftführer kümmert er sich in Adelzhausen hauptsächlich um die Sitzungsprotokolle und die Einladungen. Den Posten als Vorsitzender hat er nie angestrebt: „Das wäre nichts für mich. Das ist alleine von der Zeit her eine andere Hausnummer. Ich bin zufrieden.“ Anfang des Jahres wurde Gerrer in seinem Amt für weitere zwei Jahre bestätigt. Ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. „So alt bin ich auch noch nicht, das kann ich schon noch ein bisschen machen.“ Dennoch würde er seinen Posten irgendwann gerne an den Nachwuchs abgeben: „Immer weniger junge Leute engagieren sich ehrenamtlich. Bei uns ist die Situation ja noch gut, aber andere Vereine haben wirklich Probleme. Einheimische Spieler findet man mancherorts selten.“ Er selbst ist froh, schon in jungen Jahren Verantwortung übernommen zu haben: „Es ist wichtig, die Jugend an den Verein zu binden. Das war ja auch bei mir so. Ansonsten geht langfristig die Identifikation verloren.“

Bei all seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten bleibt wenig Freizeit. Zumal der 38-Jährige nach wie vor bei den Alten Herren aktiv ist.

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