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Soziales

10.05.2013

Pflege ist ein boomender Markt

Projektentwickler und Kapitalanleger sorgen für eine Flut von neuen Heimen. Die Politik im Landkreis sieht diese Entwicklung mit Sorge und will gegensteuern

Aichach-Friedberg Im ganzen Landkreis sind zurzeit neue Pflegeplätze geplant oder auch schon im Bau. Eine Entwicklung, die Landrat Christian Knauer (CSU) und dem Altenhilfereferenten des Landkreises, Alf Neumeier, Sorge bereitet. Sie wollen darum die Städte und Gemeinden dafür sensibilisieren, entsprechende Bauanträge mit Umsicht zu behandeln. „Wir müssen aufpassen, dass unser bisheriges Konzept ,ambulant vor stationär‘ nicht aufgeweicht wird“, warnte Knauer vor dem Ausschuss für Kreisentwicklung und Soziales

Nicht alle Heimplätze im Landkreis belegt

Der steigende Anteil älterer Menschen und das derzeit niedrige Zinsniveau machen Pflegeheime in den Augen vieler Kapitalanleger zu einer interessanten Investition. Waren es früher meist Kommunen, Wohlfahrtsverbände oder Konzerne, die Pflegeheime bauten und betrieben, so sind inzwischen viele Projektentwickler in diesem Bereich tätig. Sie sie planen und bauen Häuser, gliedern sie in Eigentumswohnungen und verkaufen diese an private Geldgeber, die neben der Rendite auch die Zusage erhalten, bei Bedarf bevorzugt in der Einrichtung unterzukommen.

Dabei sind, wie Altenhilfereferent Alf Neumeier berichtete, bereits jetzt nicht alle Heimplätze im Landkreis belegt. Die Erhebungen der letzten zwei Jahre ergaben, dass zwischen 30 und 114 der insgesamt 934 Heimplätze frei waren. In Augsburg ist die Auslastung laut Neumeier von 92 auf 90 Prozent gesunken, obwohl die Stadt ihre eigenen Stiftungshäuser mit rund 200 Plätzen stillgelegt hat.

Dennoch laufen im Landkreis derzeit 13 verschiedene Projekte, durch die kurzfristig über 300 neue Plätze entstehen würden. Dabei genügen nach den Berechnungen des Landkreises 15 Plätze pro Jahr, um den Bedarf zu decken. Landrat Knauer warnte vor den Folgen einer solchen Entwicklung. Er sieht die Gefahr, dass gerade die kleineren, dezentralen Häuser verdrängt werden.

Zudem entsteht nach den Erfahrungen des Landratsamtes mit jedem neuen Haus eine Art Sog von der ambulanten in die stationäre Pflege, denn die Betreiber werben aus wirtschaftlichen Gründen intensiv um Bewerber. Mit fatalen Kosten für die öffentlichen Kassen, denn 40 Prozent der Heimbewohner sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knauer warnte davor, dass die Kommunen über die Kreis- und Bezirksumlage steigende Sozialhilfekosten finanzieren müssten und gleichzeitig Investitionsruinen entstehen. Unter den Kreisräten gingen die Einschätzungen auseinander. Michael Bettinger (ÖDP) berichtete, wie er selbst 2008 händeringend einen Platz für seine Mutter gesucht habe. „Dahin möchte ich nicht wieder zurück“, sagte er. Auch Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann (SPD) kann aus seiner Erfahrung mit dem städtischen Spital die Einschätzung nicht teilen, dass ein Überangebot an Heimplätzen besteht. Wo es Überkapazitäten gebe, hänge dies nicht selten auch mit der Qualität zusammen. Er verwies außerdem auf die schlechten Erfahrungen, die man im Gesundheitswesen mit der Regulierung mache. „Lasst es den Markt richten“, empfahl er. Bezirksrätin Sissi Veit-Wiedemann (CSU) hält es dagegen für heikel, die Pflege dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen. „Am Ende trifft es wieder uns alle“, warnte sie vor den finanziellen Folgen für die öffentliche Hand und für die Bürger. „Schauen Sie mal, dass Sie Pflegestufe eins bekommen. Das ist ein Horror“, berichtete Eva Ziegler (Unabhängige) aus ihren eigenen Erfahrungen. Viele Menschen würden in Heime getrieben, weil die häusliche Pflege unter den heutigen Voraussetzungen nicht mehr zu leisten sei.

Die Einflussmöglichkeiten des Landkreises selbst sind begrenzt, etwas mehr Handhabe bietet das Baurecht den Kommunen. Der Kreisentwicklungsausschuss folgte mehrheitlich dem Vorschlag, dieses Thema in der Bürgermeisterdienstversammlung zu besprechen und ein eigenes Seminar für die Stadt- und Gemeinderäte anzubieten. Drei Grundsätze sollen bei der Ansiedlung neuer Pflegeheime berücksichtigt werden:

Kleine wohnortnahe Häuser erhalten, statt neue Bettenburgen zu schaffen.

Neue kleine Wohnformen ermöglichen, wie es auch der Wille des Gesetzgebers ist. Weitere Heimplätze nur dort schaffen, wo sie wirklich notwendig sind. "Weiterer Bericht Seite 2

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