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Umwelt

25.03.2018

Plastikfrei – auch für die Gesundheit

Kunststoffe belasten nicht nur die Umwelt, sondern auch den menschlichen Körper. Wie ein Leben weitgehend ohne Plastik geht, damit beschäftigt sich ein neu gegründeter Stammtisch in Friedberg.

Leben ohne Kunststoff und Verpackungen: Wie zwei Frauen aus Friedberg dafür Bewusstsein schaffen wollen.

So richtig Gedanken um das Thema Plastik und die Gefahren, die in Kunststoffen stecken könnten, hat sich Linda Kaindl aus Friedberg erst gemacht, als ihre Kinder auf die Welt kamen. Kaindl informierte sich über Schnuller, Fläschchen und Kinderkleidung und bemerkte, dass in vielen davon Stoffe stecken, die sie nicht kannte, die aber irgendwie gefährlich klangen. Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin, Maria Voigt, möchte Kaindl ihre Erfahrungen zum Leben mit weniger Plastik ab sofort in einem monatlichen Stammtisch an interessierte Friedberger weitergeben.

Obwohl sich Kaindl seit ihrer Studentenzeit für Umweltschutz engagiert, begegneten ihr Bisphenol A (BPA) und Weichmacher, sogenannten Phthalaten, erst, als sie nach unschädlichen Produkten für ihr Baby suchte. BPA und Weichmacher sind chemische Verbindungen, die in Plastik enthalten sind und im menschlichen Körper möglicherweise Schaden anrichten können. Die Struktur dieser Stoffe ähnelt denen von Hormonen, die in unserem Organismus als Botenstoffe dienen. Forscher vermuten, dass BPA und Weichmacher deshalb ähnlich wie Hormone im Körper wirken könnten. BPA haben Wissenschaftler bereits mit Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern in Verbindung gebracht. Manche Weichmacher stehen im Verdacht, Unfruchtbarkeit bei Männern zu begünstigen und das Risiko für Tumoren in den Hoden, der Leber und der Bauchspeicheldrüse zu erhöhen.

Seit 2011 darf BPA laut einer EU-Verordnung nicht mehr in Babyfläschchen eingesetzt werden. Auch viele Weihmacher sind in Spielzeug und Babyartikeln tabu. Dieses Verbot gilt allerdings nur für Produkte, die in der EU hergestellt werden, nicht für importierte Waren.

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Linda Kaindl suchte also nach Alternativen zu belasteten Schnullern und Flaschen. Und fand, unter anderem, Nuckel aus Naturkautschuk. Weil aber Plastik und damit auch schädliche Stoffe in anderen Produkten zu finden sind, mit denen ihre Kinder in Berührung kommen, suchte Kaindl weiter. Und stieß aufdas Buch „Plastikfreie Zone“ der Österreicherin Sandra Krautwaschl, die in einem radikalen Selbstversuch Plastik und Kunststoff aus ihrem Haushalt verbannte: Glasflaschen statt PET, Holz- ersetzte Plastikspielzeug, Naturseife das Duschgel und das Waschpulver musste umweltfreundlichen Waschnüssen weichen. Solche extremen Schritte unternahm Linda Kaindl allerdings nicht. Für sie ist die Umstellung auf ein plastikfreies Leben ein schleichender Prozess. „Immer wenn ein Produkt leer wird, mache ich mir Gedanken, wie ich es durch eines ohne Plastik oder Kunststoff ersetzen könnte“, erklärt sie. Gerade hat sie den Fensterreiniger aufgebraucht. Nun sucht sie im Internet und im Gespräch mit Gleichgesinnten nach guten Rezepten für eine umweltverträglichere Alternative.

Genau diese Art von Austausch ist es auch, die sich Kaindl für den Plastikfrei-Stammtisch wünscht, den sie und Maria Voigt ab Ende März monatlich anbieten. Voigt ist pensionierte Chemie- und Biologielehrerin und ist bereits seit Jahrzehnten im Naturschutz aktiv. Durch ihre Ausbildung kann sie gut einschätzen, wie viele der schädliche chemischen Verbindungen im Körper wirken könnten. „Wer bewusst leben will, der muss weg von dem Zeug“, sagt Voigt. Auch, weil Plastik und Kunststoff aus Erdöl hergestellt würden, einer endlichen Ressource.

Beim Plastikfrei-Stammtisch soll es laut Voigt aber nicht darum gehen, Panik zu schüren und den Teilnehmern ein schlechtes Gewissen zu machen. „Wir wollen vor allem eine Plattform bieten, wo sich Menschen austauschen und gegenseitig Tipps geben können“, sagt Kaindl. Voigt wünscht sich, dass die Teilnehmer Kontakte knüpfen und merken, dass sie mit ihrem Engagement gegen Plastik nicht allein sind. Damit die Inhalte auch wirklich Hand und Fuß haben, planen Kaindl und Voigt auch Fachvorträge mit externen Referenten. 

Termin Der erste Plastikfrei-Stammtisch findet am Mittwoch, 28. März, um 19.30 Uhr im Zieglerbräu in Friedberg statt. Jeder kann kostenlos teilnehmen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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