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Friedberg

24.07.2020

Polizei-Praktikant nimmt Drogen und beleidigt Polizisten

Ein 19-Jähriger hat in Snapchat Polizisten beleidigt.
Bild: Mathias Rogler

Plus Ein 19-jähriger Praktikant aus dem Landkreis Aichach-Friedberg lästert via Snapchat über seine Kollegen. Außerdem steht er wegen Drogenbesitzes vor Gericht.

Obwohl er regelmäßig Drogen konsumierte, machte ein 19-Jähriger aus dem Landkreis ein Praktikum bei der Polizei. Bei seinen Freunden, die ebenfalls Drogen nahmen, kam das nicht gut an. Um bei ihnen wieder gut dazustehen, verschickte der junge Mann über den Messenger-Dienst Snapchat ein Bild von zwei Polizisten und beleidigte die beiden in seinem Kommentar zu dem Foto.

Deswegen musste er sich nun vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. Zusätzlich hatte der 19-Jährige auch noch die Namen, Aufgabenbereiche und Einsatzgebiete der Beamten preisgegeben.

Vor Gericht entschuldigte er sich gleich zu Beginn des Prozesses für sein Verhalten. Wie war es dazu gekommen? Im April 2019 hatte er entschieden, sein Schulpraktikum bei der Polizeiinspektion Augsburg Süd zu machen. Die Zurückweisung seiner Freunde habe ihn sehr frustriert; und das Praktikum sei nicht das gewesen, was er erwartet hatte, erzählt der junge Mann rückblickend.

19-Jähriger aus dem Kreis Aichach-Friedberg hat Marihuana und viel Bargeld

Emotional aufgeladen, habe er das Bild der zwei Polizisten verschickt. Die beiden erstatteten daraufhin Anzeige wegen Beleidigung und Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz.

Neben der Beleidigung wurde der 19-Jährige auch wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und Handels mit Betäubungsmitteln angeklagt. Am 31. Dezember 2019 waren der damals gerade 18-Jährige und ein Freund von zwei Polizisten kontrolliert worden. Die Beamten fanden bei ihm Marihuana und 950 Euro.

Das Geld war ein Indiz für den Verkauf von Drogen. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung fand die Polizei neben Marihuana weitere Substanzen. Außerdem wurden 22 Kapselhälften gefunden, die den Verdacht des Verkaufs erhärteten. Der Angeklagte erklärte jedoch, dass er die Kapseln selbst verwendet habe.

Er räumte aber sowohl die Beleidigung als auch den Drogenbesitz gleich ein. Gehandelt habe er mit den Drogen jedoch nicht. Die gefundenen Betäubungsmittel seien Eigenbedarf, das Geld habe er zum „Partymachen“ abgehoben. Seine Kontoauszüge bestätigten seine Aussage.

19-Jähriger aus dem Kreis Aichach-Friedberg fällt unter das Jugendstrafrecht

Obwohl es verschiedene Substanzen waren, liegen die einzelnen Mengen jeweils noch in dem Bereich, in dem Eigenbedarf nicht unglaubwürdig sei, meinte Staatsanwältin Christine Riedißer. Richterin Eva-Maria Grosse ließ die Anklage wegen Handels mit Betäubungsmitteln deswegen fallen.

Das Gericht hatte im Voraus entschieden, dass der junge Mann noch unter das Jugendstrafrecht fällt. Er war gerade erst 18 geworden, als die Vorfälle passierten, und habe sich in einer persönlichen Krise befunden.

Der Angeklagte erzählt, wie hart ihn die Krebsdiagnose seiner Mutter 2017 getroffen habe. Er habe sich von seinen Schulfreunden distanziert, seine Noten verschlechterten sich. Außerdem fing er an, regelmäßig Drogen zu nehmen, und sei „auf die schiefe Bahn geraten“. Seine Mutter starb später.

19-Jähriger aus Aichach-Friedberg muss zur Suchtberatung

Er berichtete vor Gericht aber auch, dass er seit mittlerweile zwei Monaten nüchtern sei. Der Entzug sei nicht leicht gewesen. Um sich vor einem eventuellen Rückfall schützen, ging er aus eigenem Antrieb zur Drogenhilfe. Mit den Freunden, die Drogen nehmen, habe er nichts mehr zu tun. Er konzentriere sich voll auf seine Ausbildung, seine Noten seien gut.

Der 19-Jährige habe keine Vorstrafen und im Verfahren sowohl Einsicht als auch den Willen zur Besserung gezeigt, hieß es in der Urteilsbegründung.

Er muss im nächsten Jahr fünf Drogentests mit negativem Ergebnis bestehen und weiterhin zur Suchtberatung gehen. Für die Ahndung der Beleidigung folgte die Richterin der Empfehlung der Staatsanwältin und verhängte ein Bußgeld von 300 Euro. Außerdem trägt der junge Mann die Gerichtskosten.

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