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Mering

19.07.2019

Polytech baut ohne Genehmigung im Meringer Gewerbepark

Die Firma Polytech ist das erste Unternehmen, das im Meringer Gewerbepark los gelegt hat. Container und Zelthalle stehen bereits. Allerdings fehlte dafür die nötige Genehmigung.
Bild: Peter Stöbich

Plus Das Landratsamt stellt den Bau ein und leitet ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Unternehmer Wilhelm Peter begründet sein Handeln mit Zeitdruck und wirft den Behörden Verzögerungen vor.

Unternehmer Wilhelm Peter hat in Mering mit seinen Plänen einer Schwimmhalle für Wirbel gesorgt. Im Marktgemeinderat fällt die Reaktion darauf, wie berichtet, mehrheitlich recht verhalten aus. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass die Ablehnung vor allem mit der Person des Investors zusammenhängt. Mit diesem gebe es jetzt schon Schwierigkeiten in Bezug auf das Grundstück, auf dem der neue Standort seiner Firma Polytech entstehen soll.

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Während der restliche Gewerbepark noch eine wildes Idyll an sprießenden Kräutern und Blumen zwischen aufgeworfenen Erdhaufen ist, erhebt sich nämlich auf dem Polytech-Grundstück schon eine große Zelthalle neben einer Ansammlung von Baucontainern. Auf einen Hinweis hin war das Landratsamt im Juni vor Ort. Die Bauaufsicht habe damals den Bau eingestellt und ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Bauens ohne Genehmigung eingeleitet, erklärt Wolfgang Müller, Pressesprecher am Landratsamt. Das Verfahren läuft noch. Insofern steht die Höhe des Bußgeldes noch nicht fest, es werde sich jedoch um einen spürbaren Betrag handeln, sagt Müller.

Polytech im Gewerbepark: baurechtlich nicht genehmigt

Auch Merings Bürgermeister Hans-Dieter Kandler bestätigt: „Was da im Gewerbepark zu sehen ist, ist baurechtlich nicht genehmigt“. Hintergrund ist, dass der geänderte Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan erst noch in Kraft treten müssen. Beim Landratsamt hat die Änderung des Flächennutzungsplans diese Woche die erforderliche Genehmigung erhalten und ist nun an die Gemeinde heraus gegangen. Von Seiten des Marktes Mering ist nun nur noch die offizielle Bekanntmachung nötig, dann tritt der Bebauungsplan in Kraft. „Die Tage der Rechtswidrigkeit sind zum Glück gezählt“, sagt Bürgermeister Kandler.

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Ist der Bebauungsplan gültig, werde Wilhelm Peter sofort den Bauantrag stellen und der Gemeinderat werde diesen schnell behandeln. Der Bürgermeister stellt klar, dass auch er die Vorgehensweise der Firma Polytech nicht in Ordnung findet. Er könne jedoch die Beweggründe ein Stück weit nachvollziehen. Wie berichtet, stellt der hochspezialisierte Betrieb unter anderem Teile für Eisenbahnen und Flugzeugsimulatoren her und die Auftraggeber drängen. „Dass in ganz Deutschland ICEs mit Produkten aus Mering fahren, das sollte uns doch auch mit Stolz erfüllen“, sagt Bürgermeister Kandler.

Unternehmer Wilhelm Peter verweist auf Zeitdruck

Wie berichtet, war die Firma Polytech an ihrem früheren Standort an der Geßweinstraße immer wieder in Konflikte mit der benachbarten Wohnbebauung geraten. Schon lange suchte Unternehmer Wilhelm Peter nach einem Alternativstandort. „Genau für solche produzierenden Betriebe haben wir ja unseren Gewerbepark geplant“, meint Kandler. Die Bewerbung Polytechs um ein Grundstück sei wie jede andere auch im Vergabeausschuss behandelt worden. Lediglich den Abschluss des Notarvertrags habe man vorrangig behandelt, weil das Unternehmen unter Zeitdruck steht.

Im Gespräch mit unserer Zeitung ist die Ungeduld des Firmenchefs spürbar. Er erklärt, dass er den alten Standort räumen muss, weil er das Areal, wie berichtet, an einen Bauträger verkauft hat. Ihm sei ursprünglich ein deutlich früherer Zeitpunkt für einen möglichen Baubeginn in Aussicht gestellt worden. Unter diesem Druck habe er nun schon Material im Gewerbepark gelagert. Ein Teil seines Inventars habe er auch bei der Firma Ludwig untergebracht.

Investor will auch Pläne für ein Sporthallenbad in Mering weiterverfolgen

Sobald er die Genehmigung hat, will er mit dem Bau einer Halle mit 1200 Quadratmetern Nutzfläche beginnen. Eigentlich wollte er dort im September einziehen. Die Verzögerungen stellen laut Peter seinen ganzen Pläne in Frage. Wenn das eigentliche Genehmigungsverfahren zu lange dauert, müsste er mit seiner Produktion an einen weiteren Standort in der Oberpfalz ziehen. „Und wenn ich die Produktion einmal verlegt habe, ziehe ich die nicht noch mal um. Dann bleibt das hier in Mering ein reines Lager“, sagt er.

Ob seine Vorgehensweise klug war in Hinblick auf das Schwimmbad, das er ebenfalls gerne im Gewerbepark bauen möchte? „Wir können in Deutschland alle nach den Regeln spielen, dann geht hier gar nichts mehr vorwärts“, meint er. Und die Pläne fürs Schwimmbad will er auf alle Fälle weiterverfolgen. Er hat vor, nach den Ferien die Elternbeiräte, die das Projekt wegen der Vorteile für den schulischen Schwimmunterricht befürworten, zu mobilisieren und Druck auf die Kommunalpolitiker auszuüben.

Den schwarzen Peter in bezug auf die Schwierigkeiten im Gewerbepark spielt der Unternehmer zurück an die Behörden: Hätten die Gemeinde und das Landratsamt nicht so lange für alles gebraucht, dann gäbe es das Problem jetzt nicht, meint Peter.

Landratsamtssprecher Wolfgang Müller räumt dazu ein, dass es bei der Vielzahl auch der kommunalen Projekte in der Baubehörde tatsächlich zu Wartezeiten kommen könne. „Das ändert aber nichts daran, dass ich nicht einfach zu bauen anfangen kann, wenn ich noch keine Genehmigung habe“, stellt er klar.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Meringer Gewerbepark: Investor steht sich selbst im Weg

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