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Gesundheit

25.07.2018

Prämien sollen Ärzte aufs Land locken

Nicht überall sieht es mit der hausärztlichen Versorgung gut aus. Was kann die Politik dagegen tun?
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Rein rechnerisch gibt es im Freistaat keine medizinische Unterversorgung. In der Praxis sieht es oft anders aus.

Nach über 30 Jahren hausärztlicher Tätigkeit in der Gemeinde Merching hat sich Dr. Erwin Glas kürzlich von seinen Patienten verabschiedet. Die hatten Glück, dass sich mit Dr. Tetyana Bauer eine Nachfolgerin gefunden hat, denn auf dem Land wollen heute nur wenige Mediziner eine Praxis übernehmen. „Rund 35 Prozent der Hausärzte in Bayern sind 60 Jahre oder älter und suchen einen Nachfolger“, sagte Melanie Huml bei einer Podiumsdiskussion in Dasing. Die bayerische Gesundheitsministerin stellte fest, in einem großen Flächenstaat wie Bayern sei die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten keine Selbstverständlichkeit.

Auf rund 1600 Bürger kommt im Freistaat ein Hausarzt – rein rechnerisch gebe es also keine Unterversorgung, „auch wenn das mancher subjektiv anders empfindet“, erklärte Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Weil die Notaufnahmen in den Kliniken an der Paar überlastet sind, wird es künftig neue zentrale Anlaufstellen geben. Die KVB richtet an den Krankenhäusern in Friedberg ab November und in Aichach ab März 2019 Bereitschaftspraxen ein. Für beide gilt, dass sie an Wochenenden und Feiertagen ganztags offen sind; danach übernimmt das Krankenhaus. Der Arzt in der Bereitschaftspraxis entscheidet, ob Patienten dort gleich behandelt, am nächsten Tag bei einem niedergelassenen Mediziner versorgt werden können oder in die benachbarte Notaufnahme müssen. Ein großer Vorteil ist laut Krombholz: „Die zentralen Bereitschaftspraxen ersparen Patienten die Suche, welcher Arzt gerade Dienst hat.“ Auch für niedergelassene Mediziner auf dem Land hat die neue Struktur Vor- und Nachteile: Sie haben weniger Dienste als bisher, diese werden aber arbeitsintensiver. Aus den Bereitschaftsdienstgruppen Aichach/Pöttmes, Gersthofen/Aindling/Langweid, Friedberg/Mering und Teilen Augsburgs wird im Herbst die Region Augsburg-Ost gebildet.

Dr. Andreas Ullmann, Geschäftsführer des Zentrums für Allgemeinmedizin in Aichach, schilderte die Arbeit von 15 Ärzten im Schichtbetrieb unter einem Dach: „Die Patienten profitieren von der gebündelten Kompetenz, die Arzthelferinnen von flexiblen Arbeitszeitmodellen.“ Zwischen 400 und 500 Menschen werden jeden Tag im Aichacher Zentrum betreut.

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Dr. Krzysztof Kazmierczak, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, verspricht sich von der medizinischen Fakultät an der Augsburger Uni „unglaublich positive Ausstrahlungen“ auf die Region: „Das ist ein geniales Projekt und ein Riesenerfolg für Schwaben!“ Das sieht auch CSU-Abgeordneter Peter Tomaschko so; er leitete die Diskussion und berichtete von Plänen der Staatsregierung, eine Landarztquote einzuführen. Zudem soll eine neue Prämie dazu beitragen, zusätzlich 1000 Mediziner aufs Land zu bringen.

„Mein Ziel ist es, junge Ärzte für den ländlichen Raum zu begeistern“, betonte Huml. Als Anreiz hat das Gesundheitsministerium ein Förderprogramm aufgelegt; unterstützt wird damit unter anderem die Niederlassung von Haus- und Fachärzten mit bis zu 60000 Euro. „Insgesamt 158 angehende Landärzte haben wir bereits gefördert.“ Künftig sollen bis zu fünf Prozent der Medizinstudienplätze an Bewerber gehen, die sich verpflichten, als Hausarzt in Regionen zu arbeiten, die unterversorgt sind oder in denen eine Unterversorgung droht. Das Stipendium für Medizinstudenten, die sich verpflichten, ihre Facharztweiterbildung auf dem Land zu absolvieren und danach mehrere Jahre dort tätig zu sein, ist auf 600 Euro monatlich verdoppelt worden.

Mit dem Konzept „Gesundheitsregion plus“ will die Ministerin die medizinische Versorgung sowie Gesundheitsförderung und -vorsorge im Freistaat weiter verbessern. Dabei wurde ein regionaler Ansatz gewählt, da die Akteure vor Ort die lokalen Versorgungsstrukturen und Präventionsangebote am besten beurteilen und passgenaue Maßnahmen entwickeln können. Huml: „Unser Ziel ist es, die Anbieter von Leistungen aus den beiden Bereichen in regionalen Netzwerken zusammenzubringen, Kompetenzen zu bündeln und dadurch auf kommunaler Ebene zukunftsfähige Strukturen für die Gesundheit der Menschen im Landkreis Regen zu schaffen.“ Das Ministerium fördert Landkreise und kreisfreie Städte, die „Gesundheitsregionen plus“ bilden, bis Ende 2020 mit bis zu 250000 Euro je Region.

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