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Western-City Dasing

19.07.2020

Premiere in Zeiten von Corona: Die Karl-May-Festspiele sind eröffnet

Winnetou reitet wieder bei den Karl-May-Festspielen in Dasing, auch wenn die Corona-Pandemie die Organisatoren vor eine große Herausforderung gestellt hat. Im Stück „Winnetou I – auf Bayerisch“ reitet Matthias M. als Winnetou durch die Prärie. Die Geschichte wird erzählt von Woife Berger, der Karl May darstellt.
Bild: Edigna Menhard

Plus Wegen der Pandemie mussten die Akteure umdisponieren. Einige Fans reisen dennoch weit an, um das das Open-Air-Theaterstück „Winnetou I auf Bayerisch“ zu sehen.

„Wenn alles anders ist, dann wird auch hier alles anders“, mit diesen Worten begrüßte Festspiel-Geschäftsführer Volker Waschk das Premierenpublikum am Samstag. Die Pandemie hatte seine Pläne in den vergangenen Wochen gehörig durcheinandergewirbelt und er musste relativ kurzfristig umdisponieren.

Es bestand keine Chance, die geplante Inszenierung „Winnetou & Kapitän Kaimann“ – mitsamt den 80 Mitspielern, den vielen Action- und Kampfszenen und den 20 Pferden – aufzuführen. Die strengen Corona-Sicherheitsanforderungen machten das unmöglich. Auch aus wirtschaftlicher Sicht wäre das nicht zu stemmen gewesen, denn statt der sonst üblichen 500 Zuschauer dürfen dieses Jahr nur maximal 100 Besucher auf die Tribüne. So musste zudem das Ensemble verkleinert werden.

 

Western-City Dasing: Warum "Winnetou I auf Bayerisch" trotz Corona passt

Vor diesem Hintergrund passt das Theaterstück „Winnetou I auf Bayerisch“ von Kabarettist und Schauspieler Woife Berger perfekt. Denn dieses fokussiert sich auf Karl May als Autor sowie auf die wesentlichen Charaktere seiner Bücher. Volker Waschk sagte zum Publikum: „Ich möchte Sie einladen, mitzukommen in eine Welt, die Karl May sich in seiner Fantasie erdacht hat. Sie können dabei sein, wenn in seinem Kopf die Figuren entstehen und zum Leben erwachen.“

Wie ist Karl May eigentlich auf die Idee gekommen, Cowboy- und Indianer-Romane zu schreiben, und wie sind Old Shatterhand und Winnetou Blutsbrüder geworden? Das erzählt er selbst auf der Dasinger Freilichtbühne. Der berühmte Schriftsteller (gespielt von Woife Berger) träumt vom Aufbruch ins Ungewisse und einem neuen Leben.

Die Corona-Pandemie hat auch den Plan der Karl-May-Festpiele in Dasing durcheinander gewirbelt. Trotz der schwierigen Umstände sollen auch in diesem Jahr Vorführungen stattfinden: „Winnetou auf Bayerisch“ wird gezeigt. Auch der bekannte Akteur Matthias M. (links im Bild) ist mit von der Partie.
Bild: Fred Schöllhorn (Archiv)

Schon steht fest, die Geschichte soll im Wilden Westen spielen. Er möchte ein Buch schreiben, das von Freunden aus verschiedenen Welten und Kulturen handelt. Da dürfe ein Apache nicht fehlen, der solle der stolzeste von allen sein und alles können, was man im Wilden Westen können muss. Und er solle der „Bua des Häuptlings“ sein und Winnetou heißen. Die gerade erdachte Figur reitet dann auch gleich – sehr würdevoll von Matthias M. dargestellt – auf die Bühne und liest Fährten im Sand: „Do is a Büffelherde durchzogn. Des mus i glei meinem Babba, dem Häuptling Intschu tschuna, dazöihn.“

Auch die Figur Sam Hawkens (gespielt von Michael Englert) wird humorvoll entwickelt. Denn Karl May will ihm eine Eigenart verpassen, seine Sätze solle der Westmann immer mit den gleichen Worten beenden. Der Romanautor fragt die Zuhörer, welche das sein sollen. Als die ihm zurufen „Wenn ich mich nicht irre“, entgegnet Karl May: „Na, in Bayerisch heißt des: Wen i mi net deisch.“

Karl-May-Festspiele: Publikum gefällt bayerische Mundart und Humor des Stücks

Der besondere Charme der bayerischen Mundart und der Humor des Theaterstücks kamen beim Publikum sehr gut an. Auf der Tribüne saßen vor allem eingefleischte Festspielfans, die bereits seit Jahren zu der sonst actionreichen Inszenierung kommen. Viele Gäste trugen Cowboyhüte, einige Wildwest- oder Indianer-Outfits.

Birgit und Dieter Menzler sind mit ihrem Hund Gimlo aus der Nähe von Stuttgart angereist: „Das war eine gigantische Idee und toll umgesetzt“, loben die beiden das Schauspiel. „Und mit dem Bayerisch war das wirklich zum Schießen lustig.“ Ingrid und Lu Ziegltrum aus Kühbach zelebrieren im Partner-Westernlook das Festival und verpassen seit zehn Jahren keine Aufführung. Sie waren bereits bei der szenischen Lesung, die Woife Berger im Januar von seinem Stück gemacht hatte: „Die Lesung hat uns schon sehr gut gefallen. Da durften wir hier beim Theaterstück nicht fehlen. Und was die sich einfallen haben lassen, war wirklich sehr gut.“ Die sonst übliche Action ist den beiden nicht abgegangen: „Das sind zweierlei Paar Schuhe, das kann man nicht vergleichen.“

Statt einem Action-Show-Spektakel präsentieren die Akteure dieses Jahr das Theaterstück „Winnetou I auf Bayerisch“
Video: Edigna Menhard

Einige Besucher reisen quer durch Deutschland zu den Karl-May-Festspielen

Lisa und Erwin Niedersteiner aus Markt Indersdorf zeigten sich ebenso von dem Ideenreichtum begeistert: „Mit dem Dialekt war das klasse. Bei ein paar Schauspielern merkte man, dass es für die nicht einfach war, bayerisch zu sprechen. Die sind ja gewohnt, dass sie hochdeutsch reden müssen.“

Ein waschechter Fan ist Niklas Finke, der seit seiner Kindheit quer durch Deutschland zu Karl-May-Festspielen fährt. Er wollte seinen beiden fünf- und neunjährigen Töchtern Annika und Finja Quodt die Traumwelt Karl Mays, die ihn selber so fasziniert und nie losgelassen hat, ein bisschen näherbringen. Auch wenn sich seine Jüngste bei den Gewehrschüssen erschreckte, fand er das Stück sehr stimmungsvoll, amüsant im positiven Sinne, nicht klamaukig, sondern einfach sympathisch: „Die Bühne hier hat im Vergleich zu anderen Freilichtbühnen etwas Intimes, Familiäres. Das passt sehr gut zu diesem Werk. Man hat auch gemerkt, dass ein Kabarettist eher auf das gesprochene Wort achtet und weniger auf Action.“ Er zieht ein sehr positives Resümee: „Das Spiel ist wirklich eine Rarität, etwas ganz Besonderes, weil es ein Freilichtbühnenstück im Dialekt so in der Form noch nie gegeben hat. Und ich finde das eine perfekte Idee, in dieser Krisenzeit, in der man etwas für die Kultur machen muss, so eine Lösung zu finden.“

Sehen Sie auch unsere Bildergalerie zu den Karl-May-Festspielen an:

Premiere bei den Karl-May-Festspielen in Dasing
49 Bilder
Premiere bei den Karl-May-Festspielen in Dasing
Bild: Edigna Menhard

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