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Veranstaltung

16.06.2017

Pyjamaparty in der Stadtbücherei

Unter den wachsamen Augen von Elena, Hannah und Max (von links) durften die sieben Kinder eine Nacht lang lesen, was und solange sie wollten.
Bild: Elisa Glöckner

Junge Leseratten verbringen die Nacht in der Bibliothek der Stadtpfarrei St. Jakob. Einige von ihnen erfüllen sich damit einen lang gehegten Traum

Band vier, Seite zwölf. Eva Lotta blättert auf die nächste Seite, sie liest „Die Vampirschwestern“ – ein Buch, das die Neunjährige besonders spannend findet. Die Drittklässlerin ist eines von insgesamt sieben Kindern, die heute in der Stadtbücherei übernachten dürfen, um zu lesen, solange sie möchten. Die ganze Nacht? „Die ganze Nacht“, sagt Eva Lotta. Organisiert wurde die ungewöhnliche Pyjamaparty von der Pfarrjugend St. Jakobs. Max von Linden erklärt: „Uns kam die Idee, dass man doch mal eine Lesenacht veranstalten könnte, haben dann bei der Bücherei angefragt und die war sofort sehr hilfsbereit“, berichtet der 16-jährige Realschüler.

Während es draußen nun dämmert, machen es sich fünf Buben und zwei Mädchen zwischen den Geschichten von Lucky Luke, Pippi Langstrumpf und Alice im Wunderland bequem. Jedes der Kinder hat sich eine eigene Ecke zurechtgemacht – ausgestattet mit Isomatte, Schlafsack, einem Kissen, dem Schlafanzug und natürlich einem Kuscheltier.

Eva Lotta hat Plüschkatze Lilli mitgenommen. Da schlafe sie einfach leichter ein, meint die Neunjährige. Sie ist mittlerweile schon auf Seite 20 angekommen. „Ich lese viel“, sagt sie. „Mindestens zehn Bücher im Jahr.“ Die Schülerin hat genaue Vorstellungen davon, wie eine perfekte Geschichte auszusehen hat: Mythen, Sagen und viel Fantasie müssen drinstecken. „Die Bücher sollen Handlung und einen Höhepunkt haben.“ Was Wunder, dass ihr Lieblingsbuch „Die zauberhaften Schwestern“ heißt – vier Geschwister, die jeweils die Kraft eines der Elemente besitzen.

Dass nur sieben Kinder zur Lesenacht in die Bibliothek gekommen sind, führt Max auf die Urlaubszeit zurück. „Allerdings ist die Gruppengröße gut, um zu sehen, ob die Veranstaltung Anklang findet“, erklärt der 16-Jährige. Mit ihm übernehmen an diesem Abend Elena und Hannah von der katholischen Jugend die Rolle der Aufsichtspersonen – nicht ganz uneigennützig.

Die 18-jährige Hannah erfüllt sich mit dieser Nacht nämlich einen lang gehegten Kindheitstraum: „Ich wollte schon immer einmal in einer Bücherei übernachten“, gibt sie lachend zu. Allesamt lieben sie Bücher. „Ein Buch ist wie ein Fenster“, denkt Elena. Man erhalte die Möglichkeit, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. „Oder eine ganz andere Welt“, ergänzt Max. Und manchmal sei es sogar ein Stück Flucht aus der Realität, so Hannah.

Einige Buchreihen weiter – irgendwo zwischen den Brüdern Löwenherz und Schlossgespenst Uli – tummeln sich Kilian und Janes. Die beiden Jungen sind Leseratten, bevorzugen allerdings Comics wie die der Cowboy-Ikone Lucky Luke. „Die anderen Bücher haben nicht so viele Bilder“, erklärt der zehnjährige Janes.

Unterdessen schnappt sich Kilian „Die Zeitdetektive“ – ein interessantes Buch, wie der Neunjährige findet. Und wie sieht es mit Liebesgeschichten aus? Die befreundeten Buben schütteln den Kopf. „Nein“, sagt Kilian. „Es soll fesselnd und gefährlich sein.“ Wie lange die beiden heute noch lesen werden? „Bis das Buch fertig ist“, bekräftigt Kilian. Ein ambitioniertes Unterfangen: Denn der Drittklässler befindet sich gerade auf Seite 25. Das Buch hat insgesamt 152 Seiten. „Vielleicht werde ich auch früher fertig. Dann lese ich noch eines.“ Am Ende war es gegen ein Uhr, als Hannah, Max und Elena von der Pfarrjugend das Licht ausmachten und sich alle schlafen legten.

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