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Prozess

12.10.2017

Randale am Gymnasium: Täter zeigt Reue

Ein 20-Jähriger randalierte im Aichacher Deutschherren-Gymnasium. Dafür saß er nun auf der Anklagebank.
Bild: Alexander Kaya

20-Jähriger zerstört mit zwei Freunden im Deutschherren-Gymnasium Holzmodelle, Sitzkissen und Plakate. Dafür wird er am Amtsgericht Aichach verurteilt – und erhält einen Ratschlag von Jugendrichterin Grosse.

Zu dritt sind sie ins Deutschherren-Gymnasium in Aichach marschiert, obwohl das für sie verboten war, und haben dort an einem Mittwochnachmittag im Januar randaliert. Es entstand dabei ein Schaden von mehr als 900 Euro. Dafür musste sich einer der Männer, der zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt war, nun am Amtsgericht Aichach vor Jugendrichterin Eva-Maria Grosse verantworten. Wegen Hausfriedensbruch mit Sachbeschädigung ist er zu 32 Stunden Sozialarbeit und zu Gesprächen beim sozialpädagogischen Verein Brücke verurteilt worden.

Während seine beiden Kumpanen lediglich ermahnt wurden, hatte er diesen ersten Termin bei der Jugendrichterin verpasst. Eva-Maria Grosse setzte deshalb einen Verhandlungstermin an und lud ihn vor Gericht. Nachdem er auch zu diesem nicht erschienen war, ließ sie ihn diesmal von der Polizei abholen. „Ich habe beim ersten Mal wirklich kein Schreiben bekommen“, beteuerte der Angeklagte nun. Die Richterin wollte das nicht glauben. Dass er die Aufforderungen schlicht „verbummelt“ habe, wertete sie negativ.

Angeklagter zeigt sich geständig

Gut kam bei ihr hingegen an, dass der Angeklagte geständig war und die Tat gleich zu Beginn vollständig eingeräumt hat. „Ich schäme mich dafür und will mich entschuldigen“, sagte der 21-Jährige. Den entstandenen Schaden zahle er bereits beim Landratsamt ab, versicherte er. Demnach ist er im vergangenen Januar mit seinen damaligen Freunden ins Schulhaus eingetreten, obwohl keiner von ihnen dort Schüler war. Im Keller zerstörten die jungen Männer Holzmodelle der Schüler, sie rissen Plakate von den Wänden, rauchten im Gebäude und brannten mit ihren Zigaretten Löcher in Sitzpolster.

Zu den anderen beiden Tätern habe er inzwischen keinen Kontakt mehr, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er hat den Mittelschulabschluss und möchte den qualifizierenden Hauptschulabschluss nachholen, so seine Angaben. Er sei zwar im Moment ohne Job, suche aber einen. Außerdem habe er nun eine Freundin, die ihm helfe, wie auch einen neuen Freundeskreis. Dies bestätigte Wolfgang Nuspl von der Jugendgerichtshilfe.

Belastende Erlebnisse in der Jugend

Nuspl attestierte dem 20-Jährigen, der erst seit wenigen Jahren im Landkreis lebt, mangelndes Selbstvertrauen. Er sei an die „verkehrten Leute“ geraten, als er sich hier einen neuen Freundeskreis aufbauen wollte. Verschiedene Erlebnisse hätten seine Jugend belastet: der Wegzug der Mutter nach der Trennung der Eltern, häufige Umzüge, Mobbing-Erfahrungen in der Schule, eine ADHS-Erkrankung wie auch übermäßiger Medienkonsum. Einige Jahre lang erhielt der Jugendliche darum auch Hilfen vom Jugendamt. Beruflich sei er noch nicht gefestigt, mehrere Beschäftigungen hätten sich wieder zerschlagen.

Vor diesem Hintergrund sprach sich Nuspl dafür aus, den 21-Jährigen, der noch bei seinem Vater wohnt, nach dem Jugendstrafrecht zu beurteilen. Dem folgte das Gericht. Vor allem die Gespräche beim Verein Brücke legte Jugendrichterin Grosse dem Angeklagten nahe – diese könnten ihm dabei helfen, eine Ausbildung zu bekommen. Und dann komme es darauf an, dabeizubleiben: „Man muss auch mal die Zähne zusammenbeißen. Sie sind jung, das müssen Sie noch lernen“, gab ihm die Jugendrichterin mit auf den Weg.

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