Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Reisende befreien sich selbst aus defektem Zug

Mering

15.07.2010

Reisende befreien sich selbst aus defektem Zug

Warten und warten und warten: Reisende gestern in St. Afra. Foto: Walther
Bild: Walther

Vor Panik und vor Hitze befreiten sich fast hundert Fahrgäste aus einem defekten Zug. Dieser stoppte kurz vor St. Afra. Weil die Klimaanlage nicht ging, öffneten die Fahrgäste die Türen per Nothebel. Von Anton Schlickenrieder

Nicht nur in Fernzügen müssen Bahnreisende derzeit leiden, weil Hitze und ausfallende Klimaanlagen für unmögliche Zustände sorgen. Jetzt erwischte es auch einen Fugger-Express auf der Fahrt von Augsburg nach Mering. Bei gut über 30 Grad im Schatten ging am Mittwochabend kurz vor dem Haltepunkt St. Afra gar nichts mehr. Der mehrgliedrige rote Schienenbus rollte so aus, dass nur der vordere Teil den Bahnsteig noch erreichte.

Das Problem stellte nun das Zugpersonal dar. Weil der Zug nicht komplett vor dem erhöhten Bereich stand, öffneten sich die Türen nicht. "Um nicht gänzlich zu verschmoren, haben sich die Leute nach einiger Zeit selbst beholfen und mit dem roten Nothebel die Türen geöffnet", berichtet Dietmar Süßmeir aus Mering. Denn mehr als eine halbe Stunde lang geschah vom Führerstand aus gar nichts - in diesen hatte sich nach der Schilderung von Sven Walther aus Althegnenberg die Zugbegleiterin zurückgezogen.

Er schreibt in seinem Blog: "Technik kann ausfallen (okay, zumindest in der Regionalbahn ist die Quote ein bissl zu hoch) - aber die nicht erfolgte Kommunikation durch das Personal ist ein Frechheit!" Es kamen erst nur einige allgemeine Durchsagen über einen technischen Defekt, dann der Hinweis, dass man versuchen wolle, den Zug ganz in den Bahnhof schleppen zu lassen. "Die Klimaanlage war schon eine ganze Weile komplett aus und sollte auch nicht wieder anspringen. Die Stimmung kochte immer weiter hoch (der Wartezeit und der Temperatur im Wagen entsprechend)", schreibt Walther.

Reisende befreien sich selbst aus defektem Zug

Es kam dann nach der Öffnung der Türen zu erbitterten und fruchtlosen Diskussionen zwischen einer erbosten Menge und der Zugbegleiterin, "welche sich nur auf Vorschriften und Co. zurückzog."

Es gab dabei auch Vorwürfe der Zugbegleiterin an die Kunden, dass diese eigenmächtig gehandelt hätten. "Ja hätten wir es denn zu einem wirklichen Notfallen kommen lassen sollen", fragte sich Dietmar Süßmeir. Reisende verließen die Bahnanlagen sogar ganz und wanderten den begleitenden Feldweg entlang Richtung Mering, erzählt er.

Süßmeir wie Walther berichten auch davon, dass der Zug ab 17.06 Uhr noch in Sichtweite des Augsburger Hauptbahnhofs das erste Mal stehen blieb, auf der Strecke weitere zwei Mal, dort aber nach wenigen Minuten wieder in Gang kam. In St. Afra war dann Endstation.

Total durchgeschwitzt und mit eineinhalb Stunden Verspätung ging es für die Reisenden weiter, weil ein Regionalzug am Bahnsteig hielt. "Viele Züge wurden umgeleitet und rauschten im Nebengleis an uns vorbei", erzählt Süßmeir. Das sei natürlich frustrierend gewesen. Der Fahrzeugführer habe hektisch versucht, die Zugteile auseinander zu koppeln und einzeln in den Bahnhof zu fahren - es klappte nicht.

Ein Sprecher der Bahn AG bestätigte den technischen Defekt dieses Zuges. Warum es dazu kam, dass der elektrische Triebwagen nicht mehr funktionierte, könne er nicht sagen, das werde momentan in der Werkstatt untersucht. Auch will man im Unternehmen erst die Zugbegleiterin zu dem Vorfall befragen, ehe man Stellung nehmen kann. Wegen des Dienstplans konnte das erst gestern Abend geschehen. Korrekt sei es auf jeden Fall gewesen, dass das Personal die Türen nicht geöffnet hat, so der Sprecher. Denn zum einen sei die Gefahr hoch, weil der Zugverkehr ja nicht eingestellt werde. Und auch vom Sprung ins Schotterbett sei abzuraten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren