Newsticker

Städte- und Gemeindebund fordert Ausweitung der Maskenpflicht in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Resignieren Bauern oder schließen sie sich zusammen?

16.06.2009

Resignieren Bauern oder schließen sie sich zusammen?

Dasing Einen kostendeckenden Basispreis für die Milch durchzusetzen wäre einfach - wenn genügend Milchbauern mitmachen würden. "Das Milch Board kann das bewirken, wenn sich 80 Prozent der deutschen Erzeuger organisieren", sagte Johannes Bayrhof, der Milch-Board-Vorstandsvorsitzende. Kreisvorsitzender Johann Breitsameter hatte zu einer Informationsveranstaltung in den Dasinger Bauernmarkt geladen. Beide wissen, wovon sie sprechen. Sie sind Milchbauern, Bayrhof im Allgäu und Breitsameter in Wessiszell.

"Wir können nicht erwarten, dass in Berlin göttliche Eingebungen eintreffen", meinte Breitsameter, "wir müssen schon selber was tun". Bayerhof stellte das Milch Board als eine Lösung vor. "Was bei der Milcherzeugung herauskommt, ist beschämend", meinte er. Die 22 Cent, die es in Bayern derzeit gebe, seien viel zu wenig. Von Kollegen aus Ostfriesland wisse er aber, dass diese nur 17 Cent bekämen.

Der Markt reguliere den Preis nicht, der Markt werde beeinflusst. "Lieferst du noch oder verkaufst du schon?" Diesen Spruch aus einer anderen Branche könne man auch auf die Milch anwenden. Es könne nicht sein, dass die Bauern ihre Milch abliefern und dann erst mal abwarten, was sie dafür bekommen. "Wir müssen uns formieren und selbstbewusst um das kämpfen, was für jeden Handel gilt, nämlich dass der Preis für eine Ware feststeht, bevor geliefert wird", machte Bayrhof das oberste Milch-Board-Ziel deutlich. Es sei möglich: 90 000 Milchbauern stünden 100 Molkereien und fünf großen Handelsketten gegenüber. "Wir sind nicht länger die Letzten in der Vermarktungskette, sondern die Ersten".

Das Milch Board sei eine ganz normale Erzeugergemeinschaft, mit dem Unterschied, dass deutschlandweit agiert wird. Die jetzigen Vermarktungswege sollen bestehen bleiben. Doppelmitgliedschaften sind möglich. Sollten sich die Satzungen der Organisationen widersprechen, könne das Milch Board nur tun, was rechtlich möglich ist. "Das ist unsere Herausforderung und unsere Chance! Wir brauchen die Mehrheit. Ohne sie können wir nicht agieren", stellte Bayrhof klar. Was auf dem Milchmarkt ablaufe, sei eine "schleichende Enteignung". Es sei bereits fünf nach zwölf. Das Milch Board habe gewerkschaftlichen Charakter. 30 000 Mitglieder würden derzeit gezählt. "Wenn jeder noch zwei weitere Bauern überzeugt, haben wir's geschafft!", zeigte sich Bayrhof zuversichtlich.

Resignieren Bauern oder schließen sie sich zusammen?

In der anschließenden Diskussion kam die Frage auf, ob es Risiken gebe. Bayrhof antwortete mit einem klaren Nein: "Bevor wir die erforderlichen 80 Prozent haben, können wir nichts tun. Keine Molkerei erfährt von Ihrer Mitgliedschaft." Das einzige "Risiko" sei der geringe Jahresbeitrag, falls die Mehrheit nicht erreicht werden sollte.

Das Milch Board sei von höchster Stelle genehmigt, umsetzen müssten es die Landwirte selber. Der Befürchtung, die deutschen Milchbauern würden ihre Milch zum angestrebten Basispreis nicht mehr los, da die Molkereien dann im Ausland einkauften, versuchte Bayrhof auszuräumen. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass andere Länder mit dem Milchpreis nachzögen, statt billig abzugeben.

Im Bauernmarkt hatten sich von den 600 Milchbauern des Landkreises nur etwa 40 Leute eingefunden. Bayrhof vermutete, dass viele schon resigniert hätten. Er forderte die Anwesenden eindringlich auf, beizutreten und die Kollegen zu überzeugen: "Wir haben alle Trümpfe in der Hand. Nutzen wir diese riesige Chance!"

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren