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Gemeinderat in Mering

21.10.2016

Rettung der Schlossmühle kostet eine halbe Million Euro

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Das Bürgerzentrum Schlossmühle ist vorerst gesperrt. Eine halbe Million Euro müsste die Gemeinde für eine Sanierung investieren.
Bild: Gönül Frey (Archiv)

Stahlträger statt der maroden Holzstützen könnten die Statikprobleme im derzeit geschlossenen Meringer Bürgerzentrum beheben. Doch die Ortspolitiker zögern.

Seit Juni ist das Meringer Bürgerzentrum Schlossmühle geschlossen. Jetzt legte der Marktbaumeister Armin Lichtenstern im Gemeinderat erstmals ein Sanierungskonzept und eine Kostenschätzung vor. Rund 500000 Euro kostet es demnach, die Statik so nachzubessern, dass der Bau für Vereine und Veranstalter wieder nutzbar wäre. Doch die Gemeinderäte zögern.

Verdrehte Balken, große Risse und durchgefaulte Stützen – der Marktbaumeister gab eine drastische Zusammenfassung der Zustände, die er im Bürgerzentrum vorgefunden hat. „Zudem neigt sich die gesamte Konstruktion zur Mitte hin.“ Laut Statiker sei die Tragwerkskonstruktion im Erdgeschoss zu 300 Prozent überlastet und im Obergeschoss um rund 200 Prozent. Rund um die schlimmste Stütze habe man den Boden geöffnet: Das Holz sei komplett verfault und das darunter liegende Fundament für die darauf wirkende Last zu klein. Man habe die Holzsäule nun von zwei Seiten abgestützt. Zu klären sei weiter, wie der Untergrund unter den Fundamenten beschaffen ist.

Für die Sanierung schlägt Lichtenstern vor, im Erdgeschoss die maroden Holzstützen durch Stahl zu ersetzen. „Nur die Deckenbalken würden wir in Holz belassen, wegen der Optik“, erklärte der Marktbaumeister. Grund für den Stahl ist, dass dabei eine geringere Dicke ausreichend ist. So ließe sich auch die sehr niedrige Deckenhöhe ein wenig verbessern. Im Obergeschoss, wo die Räume höher sind, könnte man zusätzlich auch die Unterzüge in Holz belassen. Die reinen Bauarbeiten veranschlagt Lichtenstern mit bis zu 400000 Euro, hinzu kommen die Ingenieurleistungen und die Statik, so dass er empfiehlt 500000 Euro im Haushalt einzustellen.

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Er bat den Gemeinderat um grünes Licht für das gesamte Maßnahmenpaket. Doch die Räte, die die Informationen zu der Sanierung erst am Sitzungsabend als Tischvorlage erhalten hatten, zögerten. Dritter Bürgermeister Reiner Heinrich, der die Sitzung in Vertretung leitete, fragte, ob es nicht die Arbeit der Ingenieure und die Bodenuntersuchung abzuwarten gelte, bevor konkrete Maßnahmen beschlossen werden. Lichtenstern entgegnete, dass die neue Tragkonstruktion eigentlich schon klar sei. „Eigentlich müssen jetzt die Arbeiten ausgeschrieben werden, um einen vernünftigen Zeitrahmen einzuhalten“, sagte er.

Kritik: Gemeinderäte zu knapp informiert

CSU-Fraktionssprecher Georg Resch kritisierte, dass eine so wichtige Entscheidung in der Fraktion hätte vorberaten werden müssen. Dennoch folgte er der Auffassung, dass dem Markt Mering kaum eine andere Wahl bleibe, als diese Ausgaben zu tätigen. Doch hier wollte seine Fraktion nicht mitgehen. Stefan Enzensberger forderte, dass es erst eine Zusage des Eigentümers geben müsse, dass er überhaupt gewillt ist, den Pachtvertrag zu verlängern. Wie berichtet, läuft dieser in gut acht Jahren aus.

Bürgermeister Heinrich betonte, dass es jetzt um die Beseitigung eines untragbaren Zustandes gehe. Er deutete an, dass der Markt Mering dazu möglicherweise sogar verpflichtet sei, falls der Zustand auf seine Umbaumaßnahmen bei der Übernahme des alten Mühlengebäudes zurück zu führen sei.

Hans Wenger (SPD/parteifrei) schloss sich Enzensberger an: „Ein Pachtvertrag, der nur noch acht Jahre geht und eine halbe Million Euro – das können wir der Öffentlichkeit schlecht vermitteln“, sagte er. Das sah seine Fraktion überwiegend ähnlich. Sprecherin Irmgard Singer-Prochazka regte an, nichts zu unternehmen und stattdessen Alternativen zu suchen: „Schlossmühle tschüß!“, schlug sie vor.

Vereine und Veranstalter stehen ohne Bleibe da

Grünen-Sprecherin Petra von Thienen erinnerte jedoch an die Vereine und Veranstalter, die derzeit ohne Bleibe da stehen, und appellierte nicht hinzuwarten: „Wir brauchen die Schlossmühle. Wir haben nichts anderes!“ Doch auch sie sieht eine sichere Option auf Verlängerung des Vertrages als nötige Voraussetzung für die Sanierung.

Georg Resch erinnerte an die offene Grundsatzfrage: „Wo wollen wir denn hin? Wir haben erst kürzlich hier über ein neues Bürgerhaus an der Klostergasse geredet“, erinnerte er. Der Gemeinderat müsse sich als allererstes klar werden, ob er denn den Pachtvertrag für die Schlossmühle überhaupt verlängern wolle, forderte er.

Auf den Vorschlag von Bürgermeister Reiner Heinrich beschloss der Gemeinderat schließlich, nur die dringendsten Sicherungsmaßnahmen im Erd- und Obergeschoss durchzuführen und die dafür bereits erforderlichen Ingenieurleistungen sowie die Bodenuntersuchung zu vergeben. Als nächster Schritt gelte es, mit dem Eigentümer zu Klarheit über den Pachtvertrag zu gelangen. Die Sanierungsmittel sollen jedoch vorsorglich schon einmal in den Haushalt eingestellt werden.

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