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Debatte in Ried

19.03.2018

Rieder Umgehung wird zum Streitthema

Die Rieder leiden unter dem zunehmenden Verkehr auf der Ortsdurchfahrt.
Bild: Nantje Bischoff

Die Freien Wähler kritisieren die Aktionen der Lebensqualität als populistisch. Sie wollen mit Sachinformationen dagegen halten. Dabei sehen sie die südliche Trasse eher kritisch.

Ein Auto nach dem anderen rauscht am Rieder Ortschild vorbei. Der Verkehr auf der Staatsstraße 2052 nimmt stetig zu und Anwohner wünschen sich dringend eine Umgehung. Das hatte sich die Lebensqualität Ried in ihrem Bürgerbrief zum Thema gemacht (wir berichteten). Als Reaktion laden nun auch die Freien Wähler zu einer Reihe von Infoveranstaltungen ein. Sie werfen der Lebensqualität Populismus vor.

Die hatte die anderen Fraktionen im Rathaus der Untätigkeit bezichtigt: „Unser Bürgermeister, die Fraktionen, CSU, Freie Wähler und Bürgergemeinschaft sind zu diesem Thema sehr passiv und schweigsam. Warum?“ hieß es in der Bürgerinfo. Eine gewisse Gereiztheit ist entsprechend bei den Gemeinderäten der Freien Wähler deutlich heraus zu hören. Populistisch und unseriös sei die Kampagne der Lebensqualität gewesen sagen Paul Graf, Johann Weiß und Josef Kölnsperger. Für das Ziel der Mitgliedergewinnung habe man es in Kauf genommen, bei den Menschen falsche Hoffnungen zu schüren, sagt Graf. Die Lebensqualität habe den Eindruck erweckt, Ried könnte es mit ein paar intensiven Gesprächen in der Staatsregierung schaffen, dass das Projekt priorisiert würde. Wie berichtet, ist unabhängig von politischer Lobbyarbeit mit den einleitenden Maßnahmen nicht vor 2030 zu rechnen – das hat das staatliche Bauamt als zuständige Behörde auch unserer Zeitung gegenüber bestätigt.

Irreführend ist laut den Freien Wählern besonders der oft angeführte Vergleich zu den Orten Odelzausen und Pfaffenhofen-Egenburg, die wesentlich schneller zu ihren Umgehungsstraßen kamen. Graf erklärt: In einem Standardverfahren werden Straßenbaumaßnahmen in einem Nutzen-Kosten-Verhältnis bewertet, das Ergebnis bestimmt die Rangfolge ihrer Umsetzung. Die verhältnismäßig lange Rieder Umgehung kommt hier nur auf einen Faktor von 1,9. Bei der deutlich kürzeren Umgehung von Pfaffenhofen und Egenburg betrug dieser Faktor 3,4, weswegen die Straße schneller gebaut wurde.

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Lebensqualität will weiter machen wie bisher

Ingo Lanius von der Lebensqualität weist die Vorwürfe zurück, falsche Erwartungen zu wecken. „Wir haben keine Versprechungen gemacht, wir haben nur auf die Problematik hingewiesen“, sagt er. Der Sprecher der Gruppierung räumt ein, dass der Ton ihrer Bürgerinformation provokant war. „Das wird auch nicht die letze Aktion in unserem Stil gewesen sein“, kündigt er an. Trotz der Kritik freut ihn die Reaktion der Freien Wähler. „Wir finden es sehr positiv, dass sich endlich die anderen Fraktionen mit dem Verkehrsthema auseinandersetzen“, sagt Lanius. Und das tun die Freien Wähler. Sie wollen umfassend informieren, aber auch aufzeigen, warum sie die bisher untersuchte südliche Umgehung eher kritisch sehen. Einiges an Daten und Hintergründen zur Verkehrsentwicklung in Ried aber auch im gesamten Großraum hat die Fraktion dazu zusammen getragen. Diese will sie bei zwei Informationsveranstaltungen diese Woche vorstellen. Die erste findet am Mittwochabend im Schützenheim Hörmannsberg statt, die zweite am Donnerstag im Rieder Hof. Darauf folgt nach den Osterfeiertagen ein Infobrief an alle Haushalte. Eine humorvolle Überraschung zum Thema Verkehr planen die Freien Wähler außerdem für den 1. April. Paul Graf will noch nichts verraten, empfiehlt aber an dem Tag einen aufmerksamen Blick auf den Ortsteingang von Ried und von Hörmannsberg.

Freie Wähler von Umgehung noch nicht überzeugt

Grundlegend sind die Freien Wähler bisher noch nicht überzeugt, dass eine Umgehung insgesamt eine Verbesserung für Ried bringt. Vor allem bei der südlichen Trasse, wie sie bisher vom staatlichen Bauamt skizziert wurde, sehen sie viele Nachteile. So schränke diese die Entwicklung Rieds im Süden ein. Und einige Anwesen am Ortsrand wären nur rund 200 Meter von der neuen Straße entfernt und hätten dann auch wieder unter viel Verkehrslärm zu leiden. Interessant finden die Freien Wähler dagegen die Idee eine nördliche Umfahrung – möglicherweise auch aufgeteilt in zwei Teilabschnitte für Ried und Hörmannsberg. Ein Vorteil wäre, so erläutert Paul Graf, dass bei dieser Strecke auch der von Kissing kommende Verkehr auf der Ortsumfahrung ums Dorf herum geleitet werden könnte.

Wie berichtet, möchte Bürgermeister Erwin Gerstlacher in Eigenleistung der Kommune einen Planer beauftragen, die möglichen Trassen zu untersuchen und zu vergleichen. Denn Ziel ist, dass die bevorzugte Variante in die Fortschreibung des Flächennutzungsplans aufgenommen wird. Ein Gemeinderatsbeschluss steht noch aus.

Termine Die Informationsveranstaltungen der Freien Wähler beginnen jeweils um 19 Uhr. Die erste findet am Mittwoch, 21. März, im Schützenheim Hörmannsberg statt und die zweite am Donnerstag, 22. März, im Rieder Hof.

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