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Theater

25.03.2015

Rockiger Räuber-Rap

3 Bilder

Merchinger Pfarrbühne überrascht mit originellen Ideen

Wenn Merching wieder mal einen neuen Pfarrer braucht, dann steht ein geeigneter Kandidat schon fest: Bruno Meier spricht sich nicht nur leichter aus als Xavier Vettikuzhichalil, in der jüngsten Inszenierung der örtlichen Pfarrbühne hat ihr Hauptdarsteller auch gezeigt, dass er für den Seelsorger-Posten beste Voraussetzungen mitbringt.

Etwas genauere Bibelkenntnis als „Jesus und seine elf Brüder“ könnte zwar nicht schaden, aber auch ohne sie nahmen ihm die Merchinger seine Paraderolle in dem Stück „Der Räuberpfaff“ voll ab. Es lieferte Regisseurin Claudia Falk und ihrem Team die Grundlage für zwei höchst unterhaltsame Abende in der Mehrzweckhalle, in der sich die Laiendarsteller erstmals 2011 mit „Handylust und Handyfrust“ in die Öffentlichkeit gewagt hatten. Das Lampenfieber und die Unsicherheit von damals sind mittlerweile durch kreative Ideen und spürbare Spielfreude ersetzt worden.

Falk selbst hat ihr Talent als Autorin, Regisseurin und Schauspielerin schon in die Wiege gelegt bekommen und ihre erste Rolle 1987 mit 17 Jahren beim Königsbrunner Bauerntheater gespielt. Die von ihr mitbegründete Pfarrbühne ist heute nicht mehr aus dem Merchinger Jahreskalender wegzudenken; viele Theaterfreunde freuen sich zu Recht schon wochenlang auf jede Neueinstudierung.

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„Der Räuberpfaff“ hat zwar eine recht simple Handlung, die originelle Inszenierung überzeugte aber mit Spannung und Tempo. Ein Räuberpärchen – Bruno Meier und Cilli Stadtherr – nimmt die Identität des neuen Pfarrers und seiner Haushälterin an, die auf ihrem Weg nach Merching verunglückt sind. Die Dorfbewohner wundern sich zwar über die modernen Methoden, finden sich aber damit ab, dass der Pfarrer aus dem Beichtstuhl ruft: „Der Nächste, los geht‘s!“

Diesen Beichtstuhl hatte das Team so geschickt ins Bühnenbild integriert, dass er sich für eine der besten Szenen aus der Kulissenwand herausziehen ließ. Zum Kugeln komisch: Karin Meier als bigotte Schreckschraube, die ihre Sünden nicht an den Mann bringen kann.

Bruno Meier bildete die Idealbesetzung für den Räuberpfaff und spielte mit seiner Präsenz ein Dutzend Kollegen glatt an die Wand; unter ihnen waren auch hoffnungsvolle Nachwuchstalente, wie die beiden Ministranten Matthäus Schiffmann und Louis Falk, Sohn der Regisseurin.

Für die 45-Jährige bedeutet die Bühne eine willkommene Abwechslung von ihrem Beruf als Verwaltungsangestellte bei der Bundeswehr.

Die in der Mehrzweckhalle aufgebaute Sakristei – Gestaltung: Cilli Stadtherr – glänzte mit vielen Ausstattungsdetails, wie zum Beispiel einem Flaschenzug-Glockenseil. Die Auftakt-Szene mit Bühnennebel war in den Zuschauerraum integriert worden – einer von vielen gelungenen Einfällen, die den matten Schlussakt vergessen ließen. Denn zu einfach und schnell wurde die eine Stunde lang aufgebaute Spannung aufgelöst und der Räuberpfaff von den Dorfbewohnern akzeptiert.

Jedoch endeten beide Theaterabende mit einem tollen Gag: Bei einem rockigen Räuber-Rap standen alle 13 Darsteller auf der Bühne und entfachten einen verdienten Beifallssturm. Ohne viele helfende Hände hinter den Kulissen würde das Theater nicht funktionieren – vom Ausschank in der Mehrzweckhalle über den Bühnenbau (Martin Rieger und Manfred Schiffmann) bis zur Requisite (Simone Stadtherr) und Ton und Technik (Dominik Semlinger und Rainer Koch). Den Reinerlös ihrer Aufführungen stellt die Pfarrbühne auch dieses Jahr wieder für einen gemeinnützigen Zweck in der Gemeinde zur Verfügung.

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