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Parteien in Friedberg

09.10.2019

Roland Fuchs rechnet mit der Friedberger SPD ab

2008 legte der langjährige Fraktionschef der SPD im Stadtrat, Roland Fuchs, seinen Amtseid als 2. Bürgermeister ab.
Bild: Andreas Schmidt (Archiv)

Plus SPD-Fraktionschef kritisiert den Stil seiner Partei und die Rathauspolitik: „Wir haben ein Loch nach dem anderen aufgemacht, ohne die anderen zu schließen.“

Roland Fuchs geht mit der Friedberger Sozialdemokratie hart ins Gericht. „Es gibt kaum eine Partei, die mit unliebsamen Protagonisten so radikal umgeht wie die SPD. Und jetzt ist das Berliner Vorbild auch hier angekommen“, sagte der langjährige Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion. Nachdem für ihn auf der SPD-Liste für die Kommunalwahl im März 2020 kein Platz mehr ist, zieht Fuchs die Konsequenzen: Er verlässt seine Partei, der er 45 Jahre lang angehörte, und wechselt zur CSU-Fraktion im Friedberger Stadtrat.

Fuchs gehört Stadtrat und Kreistag seit 1990 an. In beiden Gremien führt er die SPD-Fraktion, er war 2. Bürgermeister in Friedberg und kandidierte zweimal als Landrat von Aichach-Friedberg. Vor etwa eineinhalb Jahren gab er seinen Genossen dann das Signal, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antreten oder höchstens auf einem hinteren Listenplatz kandidieren zu wollen.

Der 75-Jährige fühlt sich wieder fit

Doch inzwischen ist der 75-Jährige wieder fit und betont: „Ich fühle mich wesentlich jünger als mancher meiner Mitstreiter.“ Seine Ankündigung habe er darum revidiert – doch ohne positive Resonanz des Friedberger Ortsvorstands.

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Einen Termin mit Bürgermeister Roland Eichmann und der SPD-Ortsvorsitzenden Ulrike Sasse-Feile ließ Fuchs Ende August platzen, traf sich dann aber am 19. September doch noch zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Eichmann. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass nach seiner Einschätzung keine Chance für Fuchs bestehe, in die Kandidatenliste der Friedberger Stadtrats-SPD aufgenommen zu werden.

Friedberger SPD will sich verjüngen

Eine Aussage, die die Vorsitzende auf Fuchs’ Nachfrage schriftlich bestätigte: „Die ... Äußerung von Roland Eichmann, der in die Akquise der möglichen Bewerber für eine Stadtratskandidatur mit eingebunden ist, dass du nicht auf der Liste vorgesehen bist, ist richtig“, heißt es darin.

Die Kandidaten der SPD und des Team Friedberg mit parteilosen Bewerbern treten laut Sasse-Feile explizit für einen Generationenwechsel an. „Diesen mitgestalten zu können, war und ist auch für einige Bewerber ein weiterer Grund für eine mögliche Stadtratskandidatur.“

Fuchs verweist auf erfolgreiche Arbeit für die Friedberger SPD

Quasi als Ersatz sei ihm der dritten Platz zugestanden worden, den die Friedberger Genossen auf der Kreistagsliste der SPD erhält – nach Eichmann und Sasse-Feile. „Das hat mich echt getroffen“, bekennt Fuchs, der auf seine Erfolge für die Friedberger SPD verweist. Er gilt als Architekt der erfolgreichen Bürgermeisterkandidatur von Peter Bergmair. Der ehemalige CSU-Stadtrat gewann im Jahr 2002 als unabhängiger Bewerber der SPD gegen seinen Kontrahenten Manfred Losinger von der CSU. Auch die gemeinsame Fraktion von SPD und Parteifreien Bürgern, die bei der Kommunalwahl 2008 die CSU-Mehrheit im Stadtrat brechen konnte, geht mit auf die Initiative von Roland Fuchs zurück.

Als weniger erfolgreich betrachtet Fuchs jedoch die vergangenen fünfeinhalb Jahre unter Bürgermeister Roland Eichmann. „Wir haben ein Loch nach dem anderen aufgemacht, ohne die anderen zuschließen“, verweist er auf die lange Liste unerledigter Aufgaben. So habe seine Fraktion im Oktober vergangenen Jahres den Antrag gestellt, an der Zeppelinstraße ein Neubaugebiet aufzuplanen. Dieser sei bis heute nicht im Stadtrat behandelt worden.

Kritik an der Zusammenarbeit mit Bürgermeister Eichmann

Die Zusammenarbeit mit Eichmann habe darin bestanden, dass dieser ab und zu in der Fraktion dabei gewesen sei. Dabei habe es jedoch nie ein Gespräch strategischer Natur gegeben, stets habe man sich nur mit den Beschlussvorlagen der Verwaltung befasst. Auch aus dem Ortsvorstand habe seit eineinhalb Jahren niemand mehr an den Sitzungen der Fraktion teilgenommen, so Fuchs.

Bürgermeister Roland Eichmann lag noch keine offizielle Mitteilung zu Fuchs’ Wechsel vor. Auch dessen Absicht, 2020 entgegen der ursprünglichen Ankündigung doch wieder antreten zu wollen, sei ihm nie direkt mitgeteilt worden. Das Vier-Augen-Gespräch habe er geführt, weil Fuchs sich geweigert habe, mit Ulrike Sasse-Feile zu reden, die als Vorsitzende das Verfahren der Listenaufstellung verantworte. „Es dauerte über eine Stunde und ich habe ihm die Situation ausführlich erläutert“, so Eichmann.

Bürgermeister Eichmann bedauert den Schritt

Er bedauere tatsächlich diesen Schritt von Roland Fuchs, denn an der politischen Arbeit und den inhaltlichen Übereinstimmungen könne es seines Erachtens nicht liegen. Nichtsdestotrotz bleibe der Respekt vor der kommunalpolitischen Lebensleistung und den Verdiensten von Roland Fuchs in den vielen Jahrzehnten seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in den SPD-Fraktionen des Stadtrates und des Kreistags.

Einen Wechsel im Kreistag schloss Roland Fuchs gestern aus. „Ich habe mit der Fraktion und der Unterbezirksvorsitzenden keine Schwierigkeiten und will ihnen in keiner Form schaden“, versicherte er. Er könne sich vorstellen, aus dem Kreistag ganz auszuscheiden und strebe auch keine neue Kandidatur mehr an.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Thomas GoßnerAbgang mit Getöse bei der Friedberger SPD

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