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Zeitgeschichte

25.01.2020

Roman Knizka in Friedberg: Damit sich Geschichte nicht wiederholt

Der Schauspieler Roman Knizka tritt am Sonntag, dem Vorabend des internationales Holocaust-Gedenktages, in Friedberg auf.
Foto: Jens Koch

Plus Der Schauspieler Roman Knizka kommt mit einem politischen Programm nach Friedberg. Im Interview erklärt er, welche Sorge ihn umtreibt.

Fernsehzuschauer kennen Sie aus dem Tatort, aus anderen Krimiserien oder Romanzen wie Traumschiff und Rosamunde Pilcher. Wie kommen Sie zu Ihrem politischen Engagement?

Roman Knizka: In der DDR, das Land, in dem ich geboren bin, war ja vieles enorm politisch. Ich persönlich war diese Art der Diktaturerfahrung mit 19 Jahren leid und bin wenige Monate vor dem Mauerfall in den Westen abgehauen. Politik hatte also schon immer viel Einfluss auf mich und mein Leben und natürlich interessiere ich mich auch aus diesem Grund sehr dafür.

Was verbindet Sie mit den aus Friedberg stammenden Brüdern Benjamin Comparot und Florian Liebhäuser und dem Ensemble Opus 45?

Roman Knizka: Benjamin (Horn) und sein Bruder Florian (Fagott) sind beide Gründungsmitglieder des Bläserquintetts Ensemble Opus 45, das übrigens so heißt, weil die Musiker sie sich bei einer Aufführung von Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ kennengelernt haben. Das Brahms-Requiem trägt die Opuszahl 45 und ist seither namensgebend. Das Ensemble und ich sind seit mehr als zehn Jahren befreundet und treten, so oft es geht, gemeinsam auf. Benjamin organisiert die meisten Konzerte und hat ausgezeichnete Kontakte zu Gedenkstätten und anderen Erinnerungsorten. Die Musiker und mich verbindet – außer Sympathie – eine gewisse Sorge um die politische Zukunft unseres Landes. Seit fünf Jahren spielen wir deshalb vermehrt politische Programme, wie auch jetzt in Friedberg am Vorabend des internationalen Holocaust-Gedenktages. Dass wir um 11 Uhr zusätzlich „Peter und der Wolf“ spielen dürfen, verdanken wir der Stadt Friedberg, die das ermöglicht hat.

Roman Knizka verbindet eine enge Freundschaft mit Benjamin Comparot aus Wulfertshausen“.
Foto: Shirley Suarez Photography

Sie sprechen es bereits an: Sie treten mit Ihrem Programm „Den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzen!“ am Vorabend des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz auf. Haben Sie Sorge, dass sich die Geschichte wiederholt?

Roman Knizka: Absolut. In Bayern gliedern Freie Wähler und CSU am rechten Rand ja manches ein und dennoch kam die AfD bei der Landtagswahl 2018 auch hier auf mehr als zehn Prozent der Stimmen. Mehr Stimmen, als zum Beispiel auf die SPD entfielen. Ich habe in Vorbereitung auf dieses Interview etwas recherchiert: Hier im Landkreis Aichach-Friedberg haben bei der letzten Landtagswahl überdurchschnittlich viele, exakt 11,7 Prozent der Wähler AfD gewählt, das entspricht 17826 Stimmen. Wenn ein Bundestagsabgeordneter dieser Partei die NS-Diktatur als „Vogelschiss“ bezeichnet, wird sich manch einer dieser 17826 Wähler vielleicht denken, na, dann kann ich das auch sagen. Und jede dieser, meiner Ansicht nach gezielten Provokationen führt dazu, dass die Grenze des Sagbaren immer weiter nach rechts verschoben wird. Das macht mir und uns sehr große Sorgen.

Ihre Botschaft an das Friedberger Publikum?

Roman Knizka: Ganz generell sollten alle Demokraten die Reihen schließen und nicht das Trennende, sondern das Einende betonen. Der politische Gegner ist klar erkennbar und trägt blau mit einem, wohlgemerkt aus der Mitte nach rechts gerichteten roten Pfeil im Logo. Das ist schon bemerkenswert. Vermutlich ist damit doch die politische Mitte gemeint, die symbolisch nach rechts rücken soll. Dahin zeigt der Pfeil. Liebe Friedberger, lasst uns am 26. Januar um 18 Uhr gemeinsam klarstellen, wer in Friedberg die politische Mehrheit innehat. „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ Diesen Satz schrieb der Schriftsteller und Auschwitz-Überlebende Primo Levi im Jahr 1986 nieder. Er ist aktueller denn je!

Interview: Thomas Goßner

Roman Knizka in Friedberg

  • Sonntag, 26. Januar, um 11 Uhr: „Peter und der Wolf - Ein musikalisches Märchen“ von Sergej Prokofjew. Textfassung von Vicco von Bülow alias Loriot. Dauer ca. 60 Minuten.
  • Sonntag, 26. Januar, um 18 Uhr: „Den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzen!“ Ein Programm zum NS-Widerstand mit Musik von Haas, Hindemith und Ligeti und Texten von Bertolt Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Paul Celan, Mascha Kaléko u.v.m. Dauer ca. 90 Minuten.

Beide Konzerte finden in der Mensa der Grund- und Mittelschule Friedberg statt. Karten an der Tageskasse.



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