1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Rumänische Fachkräfte sind willkommen

Projekt in Friedberg

31.05.2014

Rumänische Fachkräfte sind willkommen

Pflegekräfte aus Rumänien arbeiten auch dank des Projekts Mobil-EU gut mit in dem Friedberger Seniorenheim Pro Seniore. 
Bild: Andreas Schmidt

In der Altenpflege werden Zuwanderer dringend gebraucht. Pro Seniore in Friedberg hat schon nach wenigen Monaten gute Erfahrungen mit neuen Mitarbeitern aus Osteuropa gemacht

Von Andreas Schmidt

Friedberg Die Deutschen in der Runde versuchten teilweise „Bine ati venit“ (Rumänisch für „Herzlich willkommen“) zu sagen. Doch acht Rumänen taten sich leichter, sich auf Deutsch im Friedberger Seniorenheim Pro Seniore vorzustellen. In einem Schneesturm hatten sie im Februar ihre Heimat verlassen, um in Deutschland als Altenpflege-Fachkräfte zu arbeiten. Schon nach vier Monaten berichtet die Friedberger Pro Seniore-Leiterin Jeannette Kleespies von sehr positiven Erfahrungen mit den Rumänen.

Dabei konnten die Neuankömmlinge anfangs kaum Deutsch. Dass der Start dennoch geglückt ist, hängt mit der Unterstützung durch das Projekt „Mobil EU“ des Berufsbildungszentrums Augsburg und Schwaben (BBZ) zusammen. Ein erster intensiver Sprachkurs ist bereits absolviert, ein weiterer fachbezogener wird noch folgen. Hilfe gibt es aber auch im Alltag.

Rumänische Fachkräfte sind willkommen

Bei einer Präsentation des Projekts durch BBZ und Pro Seniore in Friedberg gab es viele Komplimente für das Engagement der Rumänen. Sie sind hoch qualifiziert: Alle haben einen Gymnasialabschluss, einzelne haben sogar ein Studium absolviert. Trotzdem fanden sie in Rumänien teilweise keine Arbeit, weil in ihrer Heimat Altenpfleger über den Bedarf hinaus ausgebildet werden.

Umgekehrt werden hierzulande Altenpflegekräfte händeringend gesucht. Im Bereich der Agentur für Arbeit Augsburg gibt es so gut wie keine Arbeitslosen in diesem Bereich. Darauf wies Agentur-Geschäftsführer Roland Fürst hin. Für ihn sind die rumänischen Altenpfleger in Friedberg ein positives Beispiel dafür, dass Zuwanderung viel zum Gemeinwohl beitrage. „Sie sind hochwillkommen“, wandte sich Alf Neumeier, der Altenhilfe-Sachgebietsleiter am Landratsamt Aichach-Friedberg an die Rumänen. Er verdeutlichte mit Zahlen, dass im Landkreis in den kommenden Jahrzehnten viele Hunderte zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden. Lange sei Aichach-Friedberg ein junger Landkreis gewesen, doch auch er werde nun älter.

Um gefragte Fachkräfte aus dem EU-Ausland wie Rumänien zu gewinnen und auch in der Zukunft zu halten, hat das Berufsbildungszentrum Augsburg mit dem Projekt „Mobil EU“ jetzt Neuland betreten. BBZ-Geschäftsführerin Maria Klingelstein war begeistert, wie engagiert die rumänischen Pflegekräfte die Sache angehen. „Sie wollen und das ist die Grundvoraussetzung“, sagte sie. Um ihre erste Sprachprüfung zu bestehen, hätten sie intensiv gelernt wie verrückt.

Umgekehrt bot die Geschäftsführerin weiterhin die Unterstützung des Berufsbildungszentrums an: „Fordern Sie uns, wir helfen Ihnen, wenn sie uns brauchen.“ So ist ein Problem für die Rumänen die Wohnungssuche. Die meisten sind zwar zunächst in einer Wohngemeinschaft untergekommen. Manche brauchen aber mehr Platz. „Ich will eine Familie gründen“, sagte beispielsweise ein 27-Jähriger. Neben acht Altenpflegern in Friedberg sind im Rahmen des Projekts weitere vier bei Pro Seniore in Ulm untergekommen. „Ich gebe sie nicht mehr her“, sagt die dortige Heimleiterin Claudia Oswald-Timmler.

Die Rumänen haben offenbar beherzigt, was ihnen Günther Hartel als BBZ-Kontaktperson für EU-Fachkräfte empfohlen hat: „Ihr seid in Deutschland Botschafter Rumäniens.“ Hartel meint dazu mittlerweile: „Das machen sie super!“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren