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Asyl

23.04.2015

Schlagartig erlischt die Hoffnung auf Arbeit

Hannelore Hoffmann vom Friedberger Bürgernetz bringt Asylbewerber Alioune Ndiaye auch mit Zeitungsartikeln Deutsch bei.
Bild: Andreas Schmidt

Ein Senegalese hat sich in Friedberg auf einen Ausbildungsplatz gefreut. Nun verzweifelt er fast an einem neuen Beschäftigungsverbot

Zwischendrin schlägt er die Hände vor das Gesicht. Alioune Ndiaye will es sich nicht anmerken lassen, wie schwer es ihm fällt, darüber zu sprechen. Der Asylbewerber aus dem Senegal bekommt die Nachrichten von den ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer mit in einer Asylunterkunft in Friedberg. Nur kurz spricht er dort über die „vielen, vielen Toten“. Auch er hat im vergangenen Jahr das Mittelmeer in einem Schlauchboot überquert – allerdings von Marokko aus. Verzweifelt ist der 28-Jährige aber auch aus einem anderen Grund.

Bis vor Kurzem hat er sich Hoffnungen auf einen Ausbildungsplatz in einem Friedberger Gastronomieunternehmen machen können. Doch daraus wird höchstwahrscheinlich nichts. Der Grund ist eine Weisung des Bayerischen Innenministeriums. Demnach sollen keine Beschäftigungserlaubnisse mehr erteilt werden für Asylbewerber oder geduldete Personen, die aus sicheren Herkunftsländern stammen. Dazu wird offiziell auch Senegal gezählt.

Über sein Heimatland sagt Alioune Ndiaye: „Es gibt immer Probleme, immer Probleme.“ Er habe einen Grund, warum er Asyl beantragt hat. Doch öffentlich will er seine Geschichte nicht erzählen. Wichtig ist es dem Senegalesen, seine kranken Eltern und die Geschwister zu Hause finanziell zu unterstützen. Schlimm ist für ihn daher, oft tatenlos in der Asylunterkunft an der Meraner Straße herumzusitzen.

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Zumal für ihn ein Arbeitsplatz zum Greifen nahe schien. Dies verdeutlicht Hannelore Hoffmann, die vom Friedberger Bürgernetz aus den Asylbewerber ehrenamtlich mit betreut. Mithilfe der IHK wurde dem Senegalesen ein etwa dreiwöchiges Praktikum in einem Friedberger Gastronomiebetrieb vermittelt. Der Betriebsleiter sei sehr zufrieden gewesen, so Hoffmann. Liebend gerne hätte der Asylbewerber das folgende Angebot zur Weiterbeschäftigung und zu einem Ausbildungsplatz angenommen. Doch da kam die bayernweite Anweisung aus dem Ministerium dazwischen.

Für Alioune Ndiaye war dies eine Hiobsbotschaft. Asyl-Helferin Hoffmann versuchte, sie ihm am vorletzten Praktikumstag schonend beizubringen. „Er war ganz ruhig und sehr traurig“, beschreibt sie die Reaktion. Andere senegalesische Asylbewerber in Friedberg waren teilweise so frustriert, dass sie zumindest vorübergehend aufgehört haben, Deutsch zu lernen. Doch die pensionierte Gymnasiallehrerin Hannelore Hoffmann ermuntert die Asylbewerber, ihre Zeit für den Unterricht zu nutzen. Viermal in der Woche unterrichtet sie ehrenamtlich und Alioune Ndiaye zählt zu ihren besten „Schülern“.

Obwohl sich Hannelore Hoffmann gerne für Asylbewerber engagiert, ist sie wegen des Beschäftigungsverbots derzeit „unheimlich frustriert“. So gibt es für sie Momente, in denen sich die Helferin denkt: „Ich mag nicht mehr.“ Für die Anweisung aus München hat sie keinerlei Verständnis. Die von ihr unterstützten Asylbewerber aus dem Senegal hat sie als tüchtige Leute kennengelernt, die gerne arbeiten würden. Profitieren könnten ihrer Ansicht nach beide Seiten. Die Asylbewerber hätten die Chance, Berufserfahrung zu sammeln. Sie würden Arbeit übernehmen, die bei Deutschen nicht gefragt ist. Und als Beschäftigte würden sie in die Sozialkassen einzahlen, statt Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ganz hat Alioune Ndiaye die Hoffnung nicht aufgegeben. "Kommentar

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