1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Schloss-Sanierung: Jetzt geht’s los mit dem Millionenprojekt

Friedberg

05.03.2015

Schloss-Sanierung: Jetzt geht’s los mit dem Millionenprojekt

Viele Jahre wurde darüber diskutiert: Am Samstag ist jetzt offizieller Auftakt für den Umbau des Wittelsbacher Schlosses in Friedberg zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum.
Bild: Adrian Kaul/Archiv

In Friedberg beginnt der Umbau des Wittelsbacher Schlosses zum Kultur- und Veranstaltungszentrum. Die Debatte darüber war ebenso wechselhaft wie die Geschichte des Denkmals.

Mehr als ein Jahrzehnt lang haben die Friedberger diskutiert, geplant, verworfen und neu überlegt. Kaum ein anderes Projekt hat Bürger und Politiker derartig beschäftigt und gespalten. Doch jetzt ist es so weit: Am Samstag beginnt ganz offiziell der Umbau des Wittelsbacher Schlosses zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum, das in der Region seinesgleichen sucht. Vertreter der Bundes- und Landesregierung haben sich zur Feier im Schloss angesagt.

Wittelsbacher Schloss: Alleinstellungsmerkmal für Friedberger Altstadt

Das Schloss am nordöstlichen Rand der Altstadt ist quasi die Keimzelle Friedbergs, das eben erst sein 750-jähriges Bestehen feierte. Als Grenzfestung der Wittelsbacher gegen die Reichsstadt Augsburg errichtet, hat es eine wechselhafte Geschichte hinter sich – mal als Witwensitz der bayerischen Herzöge, Schauplatz höfischen Lebens, mal recht profan als Schranne oder Fayencenwerkstatt benutzt und schließlich vom Freistaat als Eigentümer zum Sitz von Polizei und Behörden mit wenig Feingefühl umgestaltet.

Zwar mietete sich die Stadt mit ihrem Museum und mit gelegentlichen Freiluftveranstaltungen dort ein, doch insgesamt traf zu, was der örtliche Verkehrsverein nach einer Klausurtagung über das Zukunftspotenzial der Stadt einmal feststellte: Friedberg hat ein Schloss, und keiner sieht es. Dabei ist doch der Renaissancebau neben der malerischen Altstadt genau das, was Friedberg von allen anderen Städten im Augsburger Umland als Alleinstellungsmerkmal unterscheidet.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Streit im Friedberger Stadtrat verzögert Millionenprojekt

Das sollte sich erst ändern, als der Freistaat das Vermessungsamt nach Aichach verlagerte und das Schloss somit leer stand. Für 125.000 Euro konnte die Stadt das Gebäude samt Wall- und Grünanlagen kaufen – zusammen mit der Zusage, dass sich Bayern an den Sanierungskosten beteiligen werde. Die Begeisterung war zunächst groß. Schon ein Jahr nach dem Kauf im Herbst 2006 sollte die Sanierung beginnen, die damals noch mit 2,6 Millionen Euro veranschlagt waren – ohne jede Kostenunsicherheit, wie die Planer versicherten.

Alles kam anders. Aus einem Jahr bis zum Baubeginn sind inzwischen neun geworden, aus 2,6 über 21 Millionen Euro. Nicht zuletzt dieser Betrag war die Ursache für einen Streit, der sich quer durch Stadtrat und Bürgerschaft zog. Kann sich Friedberg das leisten? Ja, sagte eine Mehrheit von SPD, Parteifreien Bürgern, Freien Wählern und Grünen. Das Schloss sei ein Schatz, der in die Region hinaus strahle, sagte der damalige Bürgermeister Peter Bergmair. Zu teuer, kritisierte dagegen die CSU, die manche andere notwendige Investition dadurch gefährdet sah.

Schloss-Sanierung kommt, Zweifel bleiben aber

Dem von der CSU initiierten Bürgerentscheid gegen die große Lösung stellten die Befürworter ein Ratsbegehren entgegen. Doch bei der Abstimmung im Herbst 2011 erreichte keine der beiden Fragen die für das Quorum nötigen Stimmen – die Entscheidung lag damit wieder beim Stadtrat, der das Projekt weiter vorantrieb.

Dann folgte der nächste Rückschlag: Ein Anwohner des Schlosses klagte erfolgreich gegen die Baugenehmigung, die an fast allen Tagen des Jahres Veranstaltungen bis weit in die Nacht erlaubt hätte. Erst im Frühjahr 2014 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung, die die Interessen der Anwohner ebenso sichert wie die Möglichkeiten, das Schloss regelmäßig und sinnvoll zu nutzen.

Quasi in letzter Minute versuchte dann allerdings Friedbergs neuer Bürgermeister Roland Eichmann das Ganze zu stoppen, um noch einmal über wirtschaftliche Alternativen zu dem Großprojekt nachzudenken. Doch die eigenen Leute verweigerten ihm die Gefolgschaft, nur die CSU votierte mit dem SPD-Stadtoberhaupt für das Moratorium und unterlag. Auch wenn längst nicht alle Zweifel beseitigt sind – bei der Auftragsvergabe, die Anfang 2015 den Schlusspunkt unter eine lange Debatte setzte, gab es nur noch zwei Gegenstimmen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren