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Mering

21.05.2010

Schlossgeschichte(n): Geplündert, gebrandschatzt und zerstört

Geplündert, gebrandschatzt und zerstört
4 Bilder
Postkartenansicht von Schloss Mering. Fotos: Klaus F. Linscheid/Privatarchiv Familie von Grauvogl

Schloss Mering war bis ins 19. Jahrhundert kein ausschließlicher Wohnsitz, sondern wurde als Verwaltungszentrum genutzt. Lediglich der Ortspfleger wohnte dort. Um 1060 beginnt wahrscheinlich die Geschichte des Schlosses, das die Welfen als sogenannte "Niederungsburg" auf einer Paarinsel errichteten. Eine Art Finanzamt und ein Pfleggericht mit Verwaltungsaufgaben hatten dort ihren Sitz. Von Klaus F. Linscheid

VON KLAUS F. LINSCHEID

Mering Schloss Mering war bis ins 19. Jahrhundert kein ausschließlicher Wohnsitz, sondern wurde als Verwaltungszentrum genutzt. Lediglich der Ortspfleger wohnte dort. Um 1060 beginnt wahrscheinlich die Geschichte des Schlosses, das die Welfen als sogenannte "Niederungsburg" auf einer Paarinsel errichteten. Eine Art Finanzamt und ein Pfleggericht mit Verwaltungsaufgaben hatten dort ihren Sitz.

Die Augsburger fielen in Mering ein

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Viele Verwüstungen, Zerstörungen und Besitzwechsel erschweren die Rekonstruktion der Baugeschichte. Dokumente aus den Anfängen der Schlossgeschichte gibt es keine. Lediglich die Bezeichnung "Möhring als Burch" ist aus einem Vertrag von 1329 überliefert. Bekannt ist, dass es 1388 wegen eines Steuerstreits zwischen Bayern und Schwaben zu heftigen Auseinandersetzungen kam. Dabei plünderten die Augsburger Schloss Mering und zündeten es an. Über den späteren Wiederaufbau weiß man nichts.

Das nächste überlieferte Dokument ist eine Ortsansicht von Mering aus dem Jahr 1590, gemalt von Hans Donauer dem Älteren. Es befindet sich im Antiquarium der Münchner Residenz und ist eines von 102 Darstellungen von bayrischen Ortsgerichten. Auf dem nach dem Krieg nur unvollständig rekonstruierten Gemälde ist ein zweigeschossiger, winkelförmiger Bau mit zwei polygonalen Ecktürmen mit Hauben zu sehen. Diese Türme existieren heute noch. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss 1632 von den Schweden erneut schwer beschädigt und im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 bis auf die Außenmauern zerstört.

Das Braurecht und damit die Gründung der Schlossbrauerei Mering gehen auf den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. In einem Brauereigutachten von 1795 ist zu lesen: "Das Brauhaus in Mering war in älteren Zeiten und noch in den 40er und 50er Jahren eines der Erträglichsten. Gegenwärtig ist es aber in einem so elenden Zustand, dass der gänzliche Verfall unvermeidlich ist."

Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich auch eine kleine Kapelle im Schloss. Johann Weber, Ortsgeschichtsforscher und ausgewiesener Kenner der Schlossgeschichte: "Es ist bekannt, dass einige Pfleger, also hohe Staatsbeamte, in der Kapelle geheiratet haben." Sie war dem heiligen Benno geweiht. Im Jahr 1812 ließ der damalige Schlossbesitzer die Kapelle profanieren (die kirchliche Nutzung beenden) und zu weltlichen Zwecken verwenden. Lediglich der Giebel mit der Uhr und die ovalen Fenster zum Innenhof künden noch heute von der früheren Nutzung.

Das Schloss wurde nach der Auflösung des Pfleggerichts 1803 anlässlich der Montgelas'schen Reformen nicht mehr benötigt und vom bayerischen Staat zur Versteigerung ausgeschrieben. Nach zahlreichen darauf folgenden Besitzwechseln erwarb Edmund Freiherr von Boutteville aus Cumiéres (Bezirk Verdun/Frankreich) 1843 das Schloss einschließlich der Brauerei für seinen Sohn Maximilian.

Davon zeugt noch das Wappen über dem Osttor. Auf beiden Seiten des Schildes sind zwei muskulöse Männer mit Keulen zu sehen. Oberhalb des Sparren (das sind die beiden schwarzen Balken) befinden sich zwei Sterne, darunter ein schwarzer Eberkopf. Das Schild wird bekrönt von einer Freiherrenkrone. Die linke Jahreszahl (1843) erinnert an das Jahr des Erwerbs durch Baron Edmund von Boutteville, die rechte Jahreszahl (1945) bezeugt den Tod von Alfonsine Edle von Grauvogl, geb. Boutteville, die Mutter des Senior-Schlossherren Luitpold von Grauvogl. Ab 1843 zog nicht nur Ruhe im Schloss ein, nach der Sanierung konnten auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden und mit der Brauerei ging es ebenfalls wieder aufwärts.

Durch die zahlreichen Umbauten und Umnutzungen sind kaum erwähnenswerte Relikte aus früheren Jahren erhalten. Bemerkenswert ist ein beeindruckendes Kreuzgratgewölbe in der ehemaligen Malztenne. Die Schlossbrauerei Mering hat ihr Malz dort selber hergestellt. Das angefeuchtete Braugetreide wurde hierfür auf dem Boden aufgeschichtet und keimte nach der Befeuchtung. Das Getreide hierfür lagerte in Säcken in drei Etagen auf dem darüber liegenden Dachboden, von wo es mit einem Aufzug nach unten befördert wurde. Auch dieser Dachstuhl ist noch in gutem Zustand.

Theodor von Boutteville starb kinderlos

Heute ist das Schloss im Besitz eines Nachfolgers der Familie, denn als Theodor von Boutteville 1939 kinderlos starb, ging der Besitz an seine Schwester Maria Alfonsine und deren Ehemann Max Ritter und Edler von Grauvogl über. Das war der Großvater des heutigen Schlossherrn, Dieter Edler von Grauvogl. Die Brauerei stellte 1982 aus wirtschaftlichen Gründen ihren Sudbetrieb ein.

Quellen Johannes Kieweg und Johann Weber, Mering. Geschichte von Schloss Mering. Unveröffentlichtes Manuskript. 2001

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