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Friedberg

22.01.2019

Schöner Wohnen – aber wie? Architekt Christian Fußner kennt die Trends

Christian Fußner ist einer der beiden Chefs des Architekturbüros Fußner und Kühne in Friedberg. Für ihre Privat- und firmenbauten erhalten die Planer immer wieder Preise.
Bild: Ute Krogull

Das Friedberger Architekturbüro Fußner und Kühne erhält immer wieder Preise. Aber auch Christian Fußner sucht Lösungen für die Wohnungsnot.

Viele glauben, ein Architekt müsste selber in einem Haus leben, das aussieht wie die Titelseite von „Schöner Wohnen“. Christian Fußner macht dieses Vorurteil zunichte. Er bewohnt mit Frau und zwei Kindern ein Siedlerhaus in Friedberg-Süd, das er um einen Anbau für ein Wohnzimmer erweitert hat. Für Kunden plant er Häuser, die schon mal eine Million Euro kosten. Er selber ist mit seinem Einfamilienhaus zufrieden – und auch mit seinem Beruf. „Es macht mir Freude, Bauherren mit auf den Weg zu nehmen.“ Das zehn Mitarbeiter starke Büro Fußner und Kühne, das er zusammen mit seinem früheren Kommilitonen Frank Kühne führt, bekommt dafür immer wieder Preise. Der 47-Jährige kennt die aktuellen Wohntrends, genauso aber die Nöte der Bauherren. Hauptproblem im Großraum München-Augsburg ist der Wohnungsmangel, auch in Friedberg ein riesiges Thema.

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Bauprojekt in Friedberg-Süd

„Es gibt einfach kein Bauland“, sagt Fußner. Wie viele Experten spricht auch er sich für mehr Geschosswohnungsbau aus. Dass das manchmal leichter gesagt als getan ist, musste er am eigenen Leib erfahren. Mit anderen Investoren wollte er in Friedberg-Süd ein Fünffamilienhaus errichten. Rechtlich wäre das möglich gewesen.


Für das Wohnhaus in Hanglange in Friedberg erhielt das Architekturbüro Fußner und Kühne einen Preis des Landkreises für qualitätvolles Bauen. Es entspreche dem puristischen Stil mit viel Glas, den viele Bauherren gerade schätzen, sagt Architekt Christian Fußner. Doch auch er weiß, dass mit solchen Bauten allein der Wohndruck in der Region nicht zu lösen sein wird.


Der zuständige Stadtratsausschuss blockte das Vorhaben jedoch ab. Zwei Stockwerke plus Penthouse und ein derart moderner Baustil, das würde für Ärger im Viertel sorgen, war die Befürchtung in der Sitzung (wir berichteten). Das Gremium drohte mit einer Veränderungssperre. Fußner hat nun den Antrag für ein Doppelhaus gestellt – der ging durch.

Für die Finstral AG wurde in Derching ein Ausstellungs- und Schulungszentrum an der A8 errichtet. Dafür erhielt das Architekturbüro Fußner und Kühne aus Friedberg einen Preis.
Bild: Andreas Reisewitz


Er räumt ein: „Architektur ist eine subjektive Geschichte. Worüber man nicht streiten kann, ist Qualität.“ Wohnblocks sind im ländlich strukturierten Raum oft umstritten, doch der Architekt ist überzeugt, dass mit sorgfältiger Auswahl des Standortes, Qualität und Ideen der Wandel gelingen kann. So plante das Büro Fußner und Kühne eine Anlage mit 14 Wohneinheiten in Kleinaitingen – einem Ort, der bislang ebenfalls von Einfamilienhäusern dominiert war. Doch die Gemeinde wollte Wohnraum mit Einheiten zwischen 55 und 100 Quadratmetern schaffen. Unter anderem sind sie gedacht für Senioren aus dem Ort, die sich verkleinern wollen. Alle Erdgeschosswohnungen haben einen eigenen Eingang. Denn auch wenn Menschen künftig näher zusammenrücken müssen, bleibe das „eigene Reich“ sei für viele wichtig, glaubt Fußner, der selber in einem Einfamilienhaus in Aindling aufgewachsen ist.

Modernes Wohnen habe viel mit guten Grundrissen und mit flexiblen Möglichkeiten zu tun. Doch definiert der Friedberger es nicht nur durch die Architektur, sondern auch durch die Klientel, die die Gebäude bezieht. In Friedberg-Süd plante das Büro, das seinen Sitz nahe dem bahnhof hat, ein Drei-Generationen-Haus. Dieses wurde jetzt beim Wettbewerb „Besser Bauen im Wittelsbacher Land“ ausgezeichnet; ebenso ein Wohnhaus in Hanglange in Friedberg sowie das Firmengebäude von Finstral.

Pläne für Finstral in Derching

Der Bau der Fensterfirma in Derching besticht mit großen Glasflächen. Hier kommt ein neuer Aspekt zu tragen, an das viele angesichts der heiß diskutierten Energie-Einsparverordnung gar nicht denken, nämlich sommerlicher Wärmeschutz. Dieser wurde durch Fassaden mit Sonnenschutzgläsern und eine thermische Bauteilaktivierung durch „Spülung“ mit Grundwasser gelöst. Im Winter wird das Grundwasser über eine Wärmepumpe für die Temperierung des Gebäudes genutzt. In Verbindung mit einer Photovoltaikanlage kann ein Großteil des Strombedarfs selbst produziert und somit ein nachhaltiges Gebäude geschaffen werden.

Das Beispiel zeigt: Oft sind es allseits bekannte Themen, die auch die Architektur beeinflussen, sei es der Klimawandel oder der „Simplify-your-Life“-Trend. „Die Leute wünschen sich ein reduzierteres Leben“, sagt der 47-Jährige. Das wirke sich auch auf den Baustil aus, der puristischer wird.

Bild: Andreas Reisewitz



Schlafzimmer werden kleiner, die Trennung zwischen Kochen, Essen und Wohnen wird immer häufiger aufgehoben, die Digitalisierung spare Aktenordner und damit Stauraum. Manchmal aber ist es noch viel simpler. „Es klingt banal“, sagt Fußner, „aber Flachbildschirme von Fernsehern und Computern sparen Platz - und verändern so die Grundrisse.“

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