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18.06.2013

Schönheitschirurg für Auto und Motorrad

Sören Wolters erfüllt in seiner Eurasburger Sattlerei auch ganz ausgefallene Kundenwünsche

Eurasburg Früher einmal fertigten sie edle Sättel, damit Reiter bequem auf ihren Pferden sitzen konnten, heute kümmern sich Sattler um die Innenausstattung von edlen Fahrzeugen. In Eurasburg bezieht Sören Wolters Auto- und Motorradsitze, stylt den Innenraum der Fahrzeuge und näht neue Dächer für Cabriolets. Für ältere Kandidaten ist der 36-Jährige so etwas wie ein Schönheitschirurg – was abgegriffen ist, bekommt einen neuen Look und hier und da wird auch mal mit einem Polster nachgeholfen.

Im Laden riecht es nach Leder und Leim, eine große Industrie-Nähmaschine steht zentral in der Mitte des Raums. An den Wänden hängen Lederbahnen, überall stehen ausgebaute Autositze, alte Lenkräder und Polstermaterialien. Sören Wolters betreibt die Sattlerei im Nebenberuf, tagsüber bezieht er für einen Automobilzulieferer Testsitze für Prototypen. „Nur noch Autositze zu machen, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, und als ich das Haus hier mit dem Ladengeschäft entdeckt habe, entstand die Idee zur Selbstständigkeit“, erzählt er. Abends, wenn die Kinder im Bett sind, geht Sören Wolters in seine Werkstatt und arbeitet für einige Stunden.

Er mag die Abwechslung, die mit der Tätigkeit verbunden ist. Vom Traktorsitz für den benachbarten Landwirt bis zur kompletten Ausstattung eines Porsche 911 GT3 war schon alles dabei. Auch die kleinen Aufträge machen Freude: „Für die Jungs hier im Ort habe ich auch schon mal einen Fahrradsitz neu bezogen.“ Der Porsche allerdings war ein echtes Highlight. „Der Kunde, ein Designer, wollte schwarzes Leder, Alcantara und rote Nähte“. Die Angst, als kleine Werkstatt so einen Auftrag nicht geregelt zu kriegen, erwies sich als unbegründet, erzählt Sören Wolters. „Das ist richtig schön geworden und der Kunde war glücklich“.

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Andere Aufträge hatten ihre ganz eigenen Herausforderungen. Das Wasserbüffelleder für ein amerikanisches Muscle-Car suchte Sören wochenlang, bis er einen Lieferanten auftrieb, der das seltene Material auftreiben konnte. Manche Kunden ließen auch Wagenteile verschönern, die der Hersteller so sicherlich nicht gedacht hatte. „Für eine Tuning-Werkstatt habe ich einmal im Motorraum alle Zündkabel und Wasserschläuche mit Leder bezogen“, erinnert sich Wolters.

Der Sattler ist leidenschaftlicher Autofan, eine Wand seiner Garage ziert eine Fotosammlung mit VW-Modellen älteren Baujahrs. „Mein Herz schlägt für alte, luftgekühlte Volkswagen“, bekennt er. Vor dem Schaufenster parkt sein VW 1600 TL, Baujahr 1968. Die Innenausstattung des Prachtstücks könnte mal wieder erneuert werden, nur der Autosattler kommt einfach nicht dazu. Das Leder hängt längst in der Werkstatt, aber die Kundenfahrzeuge gehen vor.

Wer die Dienste von Sören Wolters in Anspruch nehmen will, muss Zeit mitbringen. „Ich kann natürlich am Abend nicht so viel schaffen wie eine Werkstatt, die den ganzen Tag offen hat“, sagt er. Dafür dürfen sich seine Kunden auf Qualität verlassen. „Man kann natürlich immer auch billiges Material aus dem Internet nehmen, aber gerade beim Auto geht es doch darum, dass man auch nach Jahren noch Spaß hat, ist sein Credo.

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