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Gastronomie

28.04.2015

Schreiben anstatt Kochen?

Rund 5000 Beschäftigte aus der Gastronomie beteiligten sich an einer Kundgebung in München, darunter rund 80 Gastwirte aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. Es ging um die Dokumentationspflicht.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Bayerische Wirte und Hoteliers demonstrieren gegen Bürokratismus. Denn das Problem hat eine ganz bestimmte Ursache

Dokumentation der Kasseneinnahmen, der genauen Arbeitszeiten, detaillierte Kassenführung, und und und. Dies sind einige wenige von vielen Pflichtangaben in der Gastronomie. Das im Januar diesen Jahres eingeführte Mindestlohngesetz und das schon länger geltende Arbeitszeitgesetz macht Wirten, Gastronomen und Hoteliers schwer zu schaffen. Durch unzählige Dokumentationen, die dadurch zusätzlich gemacht werden müssen, investieren die Gastwirte sehr viel Zeit, die sie eigentlich für andere Arbeiten benötigten. Daher sind kürzlich insgesamt 5000 Beschäftigte aus Hotel, Restaurant und Cafés auf Münchens Straßen gegangen um gegen den Bürokratismus im Gastrogewerbe zu demonstrieren. Auch viele Wirte in und um Friedberg waren dort vertreten weil sie sich mit diesem Problem auseinander setzen müssen.

Der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), Fritz Kühner aus Kissing, kennt diese Problematik nur zu gut. Durch seine Position als Vorsitzender, Gründer des Kühner Landhauses und Gastronomieberater hat er tagtäglich damit zu tun. Bei der Demonstration in München war er mit weiteren 80 Gastwirten aus dem Landkreis Aichach-Friedberg vertreten. Laut Kühner kann man in Bayern jedoch nicht viel bewirken, da das Gesetz in Berlin erlassen wurde. Der Mindestlohn an sich sei auch nicht das Problem. „Der Gesetzgeber sagt, dass nur mit genauen Dokumentationen Lohn und Arbeitszeiten kontrolliert werden können“, so der Vorsitzende. Für Kühner ist dies eine Grenze der Zumutbarkeit.

Hinzu kommt neben den Schreibarbeiten, dass Arbeitnehmer beispielsweise nicht mehr länger am Stück arbeiten dürfen. Doch bei größeren Veranstaltungen wie Hochzeiten, die oftmals zwölf Stunden oder länger andauern, sei dies durchaus schwierig.

Stefan Fuß, der den Goldenen Stern in Rohrbach betreibt, hat ebenfalls gegen den Bürokratismus in München demonstriert. Denn seit dem Mindestlohngesetz und dem Arbeitszeitgesetz haben der Koch und seine Frau Susanne, die sich unter anderem um Büroarbeiten kümmert, einen erheblichen Mehraufwand. Beispielsweise verbringt die Wirtin seit der neuen Regelung viel mehr Zeit mit der Führung des Kassenbuchs. Nach jeder Schicht muss sie die genauen Einnahmen eintragen. Denn die Zeit, die sie nun mehr für solche Arbeiten aufbringt, müsse schließlich an der Gästebewirtung gespart werden. Die Demonstration war für den Koch und seine Frau jedoch ein guter Einstieg etwas zu „bewegen“. „Wenn eine ganze Branche auf die Straße geht, wird es die Verantwortlichen zumindest zum Nachdenken anregen“, spekuliert Fuß.

Willi Weißgerber vom Altstadtcafé betreffen diese Probleme eher weniger. Er beschäftigt nur festangestellte Mitarbeiter und hat ein modernes Kassensystem, das die Einnahmen selbst erfasst. Daher hat diese Regelung für ihn keinen Mehraufwand zur Folge. Doch begeistert ist der Konditor davon allerdings nicht. „Es gibt immer mehr Regeln, vieles ist meiner Meinung nach auch einfach erfunden“, so Weißgerber. An der praktischen Umsetzung scheitere es aber oft.

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