1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Schreiben voll Hoffnung

11.12.2007

Schreiben voll Hoffnung

Es ist eine Geschichte von Hartnäckigkeit und einem endlich erfüllten, lange geträumten Traum. Er beginnt in einem Zimmer in Frankfurt. Dort saß Nadja Kügler als Jugendliche und schrieb Gedichte. Jahre später folgte das erste Buch. Doch niemand wollte es haben. Bis heute.

Voll von Erinnerungen ist auch das Buch: an den rauen Wind über den Steilküsten von Schottland, an die Reise nach Paris und den Geruch der Seine. Wieder lehnten die Verlage ab. "Die meisten wollen nur Autoren, die schon etwas veröffentlicht haben", weiß Kügler inzwischen. Der August von Goethe Literaturverlag in Frankfurt aber, der vor allem Debütautoren im Blick hat, druckte das Buch im März dieses Jahres. Erst einmal mit einer Auflage von nur 300 Stück. Die zweite Auflage ist in Arbeit.

Seitdem hat sich im Leben von Nadja Kügler alias Sarah Shaw einiges verändert. Noch im März las sie zum ersten Mal vor Publikum - auf der Leipziger Buchmesse. "Eine öffentliche Lesung ist jedesmal ein kleiner Tod. Ich schreibe lieber 100 Bücher als einmal vor Publikum zu lesen", dachte sie damals. Heute, zahlreiche Auftritte später, bleibt sie gelassener. "In der Arbeit etwas zu präsentieren, ist jetzt kein Problem mehr." Die Arbeit - das ist trotz der Schriftstellerei immer noch ihre Assistentenstelle in der Pharmaindustrie. "Wer schreibt, um Geld zu verdienen, kann in der Regel nicht davon leben", sagt Nadja Kügler.

Sie arbeitet unterdessen bereits an ihrem nächsten Buch. Ein historischer Roman mit Fantasy-Elementen und viel Liebe soll es werden. Und mit Happy End. "Ich könnte nichts schreiben ohne Happy End", gesteht die 40-Jährige. Um sich auf den Roman einzustimmen, hört sie viel Instrumentalmusik. Filmmusik vor allem und ganz besonders Hans Zimmer, einen der gefragtesten Komponisten von Filmmusik.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das Schreiben ist für sie Entspannung nach der Arbeit. Manchmal aber treibt sie eine Idee nachts aus dem Bett. Dann sitzt sie morgens um vier Uhr an ihrem Laptop und hackt los. "Ich bin die Einzige in meiner Familie, die jemals geschrieben hat", erzählt sie und lächelt stolz. Stolz seien auch Mama und Papa und der Rest der Familie: "Die können mein Buch alle schon in- und auswendig." Sie bekamen es zu sehen, lange bevor Kügler den Schritt wagte und das Buch an einen Lektor gab.

Seitdem hat sie gelernt, dass sie diesen Schritt häufiger gehen muss, um die unverzichtbare Rückmeldung zu bekommen. Hin zu Lektoren, zu Verlagen auch auf dem englischen Markt, hin zu ihrem Publikum. "Anfangs ist es ein großer Schritt. Das Buch ist mein Baby, etwas ganz Persönliches", sagt sie. "Man gibt viel von sich preis und die Leute merken, wie man tickt." Davor heißt es trommeln, trommeln, trommeln. Kreuz und quer ist die 40-Jährige durch den Landkreis gefahren und hat Plakate für ihre erste Lesung in Adelzhausen aufgehängt.

Am Freitag, 7. Dezember, ab 19.30 Uhr präsentiert sie ihr Buch "Ein Meer voll Hoffnung" im Pfarrsaal. Es handelt von einer Frau, die ihren Lebensgefährten bei einem Unfall verliert. Schuld daran ist der Bruder ihres Lebensgefährten. Er macht ihr das Erbe streitig und zwingt sie so, aus Schottland nach Paris zurückzukehren. Dass das Buch ein Happy End hat, steht fest. Ob das auch für die Lesung mit Diashow und Kunstausstellung gilt, noch nicht. "Genügend Stühle gibt es jedenfalls", sagt Kügler. Wenn sie voll würden, wäre das ein erfüllter Traum mehr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren