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Kissinger Arbeitskreis

19.08.2013

Schutz vor hundertjährigem Hochwasser dauert zu lange

Den Überflutgraben in Kissing schneller und besser nutzen will das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Dies ist Teil des innerörtlichen Paarausbaus, bei dem sich unerwartet viele Einwendungen ergeben haben.
Bild: Anton Schlickenrieder

Niederschwellige Maßnahmen können Kommunen aber in eigener Regie realisieren

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Landrat Christian Knauer, wie er bei der Sitzung des Hochwasserschutz-Arbeitskreises im Kissinger Rathaus sagte (wir berichteten). Als Kommunalpolitiker könne er einerseits leicht Forderungen aufstellen und Kritik üben. Auf der anderen Seite stehe er aber auch dem staatlichen Landratsamt vor, dessen Sachgebiet Wasserrecht wichtige Entscheidungen treffe. „Und ich will auf keinen Fall befangen erscheinen, indem ich mich äußere, oder mich durch Formfehler angreifbar machen“, stellte Knauer fest.

Und so sagte er lediglich, dass der Hochwasserschutz eine sehr komplexe Angelegenheit sei, was durch den Verlauf der Sitzung bestätigt wurde. Die Bürgermeister von Kissing, Merching und Mering kritisierten, dass es mit den Schutzmaßnahmen gegen ein hundertjähriges Hochwasser gar so lang dauere und ihre Bedenken in den Plänen des Wasserwirtschaftsamt (WWA) teilweise nicht berücksichtigt würden. Auch von privater Seite hatte es beim Planfeststellungsverfahren in Kissing überraschend viele Einwendungen gegeben, wie WWA-Chef Ralph Neumeier berichtete.

Nach seinen Worten hat der Hochwasserrückhalt Vorrang, ergänzt wird er durch den innerörtlichen Ausbau der Paar in den Gemeinden Kissing und Mering. Die aufwendigen Baumaßnahmen in Kissing (geschätzte Kosten 3,75 Millionen Euro) sollen in mehreren Abschnitten, verteilt auf drei Jahre, erfolgen und im Norden beginnen. Der mittlere Bauabschnitt mit einer Flutmulde sei der umfangreichste, kündigte das WWA an; der Einlaufbereich in die Flutmulde wird beim Paarausbau tiefer gesetzt werden, um mehr und schneller Wasser in die Mulde zu bekommen.

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Laut Neumeier will man die vorhandenen Gewässeräste für den Hochwasserabfluss optimal nutzen. An den Ortsein- und -ausgängen von Kissing sind bis zu 1,30 Meter hohe Deiche vorgesehen. Außerdem denkt das WWA an Geländemodellierungen entlang der Ufer in Mering und Kissing. Gewässerbegleitende Ufermauern soll es nur dort geben, wo sie unbedingt erforderlich sind. Sogenannte niederschwellige Schutzmaßnahmen können die Kommunen mithilfe von Zuschüssen in eigener Regie verwirklichen, zum Beispiel im Merchinger Ortsteil Steinach.

Der WWA-Chef appellierte an die betroffenen Gemeinden, nicht an der aktuellen Planung mit zwei Hochwasser-Rückhaltebecken zu rütteln (früher waren einmal elf im Gespräch), weil es sonst zu erheblichen Verzögerungen im Zeitplan kommen könnte. Bürgermeister Manfred Wolf zeigte sich auch so schon enttäuscht: „Vor dem Jahr 2020 wird das wohl nicht fertig.“ Er kann es nicht verstehen, dass bei einer früheren Planung des innerörtlichen Ausbaus kaum nennenswerte Einwendungen aus Kissing kamen, obwohl dieser viel mehr neue Ufermauern und Eingriffe vorsah.

Wolf kann auch nicht verstehen, dass sich die Interessengemeinschaft Grund- und Hochwasserschutz Obere Paar/Lech (IGHS) so sehr dem Lech und dessen Staustufen widmet, bei denen die Ursachen für erhöhte Grundwasserstände vermutet werden, die sich in St. Afra und Kissing negativ auswirken könen. „Hier, in Kissing, da wäre doch jetzt eine Aufgabe für die IGHS. Die könnte mit den Einwendern reden und diesen klarmachen, welche Verzögerungen sich ergeben können und welche Gefahren die in sich tragen“, sagt der Kissinger Bürgermeister.

IGHS-Vorsitzender Anton Staffler hält dagegen, dass er nicht einmal die Zahl der Einwendungen kenne, geschweige die Menschen dahinter und ihre Anliegen. „Warum soll ich mir den Schuh anziehen, den Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt zu verantworten haben?“, fragt er. Und Staffler verweist darauf, dass die teuren Retentionsflächen nahe der Paartalhalle zu verlanden drohen, weil sie nicht gepflegt werden. „Wir Kissinger sehen es so: So lange die vom WWA ihre Hausaufgaben nicht machen, brauchen sie auf uns auch nicht zu zählen.“

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