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Merching

24.01.2020

Schweinehotel: Strohdusche und Spielzeug für die Tiere

Josef Gelb (rechts) und sein Sohn Josef Gelb sorgen dafür, dass sich ihre Schweine sauwohl fühlen.
Bild: Christine Hornischer

Plus Im Stall von Josef Gelb in Steinach können sich die Tiere sauwohl fühlen. Es herrschen hohe Tierwohlstandards. Doch anfangs wurde er sein Fleisch nicht los.

Seine Schweine leben wie in einem wahren Luxushotel. Fußbodenheizung, Dusche und sogar Eukalyptuspulver und warmes Wasser bei Husten sind nur ein paar der Wohltaten, die die grunzenden Vierbeiner im Laufe ihres Schweinelebens genießen können. Landwirt Josef Gelb hat seine Schweinezucht umgestellt und mit einem „Schweinehotel“ in Steinach und weit darüber hinaus für Furore gesorgt. Presse und Politik loben diesen innovativen Schweinestall, den der Landwirt im September 2016 gemeinsam mit seinem Sohn Josef (Landwirtschaftsmeister und Hofnachfolger) eröffnet hat.

Im Steinacher Schweinehotel tummeln sich 1400 Mastschweine

Sein „Schweinehotel“ war anfangs in ganz Bayern einzigartig, jetzt hat es schon zwei oder drei Nachahmer gefunden. Daher ist der innovative Landwirt auch in ganz Deutschland unterwegs und hält Vorlesungen, in denen er für die Tierwohl-Schweinehaltung wirbt. „Ich glaube einfach, man muss viel mehr aufklären,“ sagt der 58-Jährige. Ehefrau Sophie und die Töchter Elisabeth und Katharina unterstützen „ihre Männer“, wo sie können.

In dem „Schweinehotel“ der Gelbs herrscht ein Getümmel, dass es eine reine Freude ist. Die 1400 Mastschweine toben, erkunden, spielen und wühlen. Wenn Gelb in seinem „Luxusstall“ erst das automatische Einstreusystem anschmeißt und das Stroh von der Decke rieselt, rennen die rosafarbenen Vierbeiner ins Innere, als ob sie dafür bezahlt würden – werden sie gewissermaßen auch, mit einem wahren Strohregen. „Das Stroh dient den Tieren als Spielzeug, bringt Liegekomfort und ist gleichzeitig Futter“, erklärt Gelb. „Meine Schweinehaltung hat vier große Vorteile. Mehr Platz, Auslauf, Stroh und genfreie Ernährung.“

Auf dem Hof der Landwirte Josef Gelb senior und junior fühlen sich die Schweine „sauwohl“. Strohmatic heißt das neuartige System, das zweimal täglich Stroh auf die Schweine rieseln lässt.
Bild: Eva Weizenegger

Steinacher Landwirt Gelb kauft und verkauft nur in der Region

Sein Sohn weist auch auf den ökologischen Aspekt hin: „Wir erhalten alles, was wir zukaufen, aus der Region und verkaufen alles in der Region.“ So gibt es keine langen Wege. Die Schweine werden mit dem eigenen Hänger zu den Abnehmern gefahren. „Die laufen total stressfrei auf den Hänger“, erzählt er. Für ihn ganz wichtig: „Unseren Schweinen soll es bis zur Schlachtung gut gehen.“ Wenn sie stressfrei und artgerecht gehalten werden, sei auch die Qualität des Fleisches besser.

Um den Tieren das Leben angenehm zu gestalten, steht einiges zur Auswahl, beispielsweise eine beheizbare Tränke, Spielzeug, eine Dusche oder auch eine Fußbodenheizung. Die Mastschweine im Stall leben wie in einem Hotel: Mehr Platz, Zugang zu Außenklima, organisches Beschäftigungsmaterial, Duschen und Wühlmöglichkeiten. Und immer wieder Stroh. Dies ist überhaupt das Zauberwort in Gelbs Schweinehaltung. Es mache die Schweine glücklicher, so der Landwirt. Und sein Sohn ergänzt: „Wir haben hier in Deutschland als Landwirte die strengsten Auflagen der Welt.“ So hätten sich die Produktionskosten innerhalb der letzten vergangenen Jahre verdreifacht.

Nach Anfangsschwierigkeiten: Verkauf fürs Schweinehotel läuft gut

All das bedeutet natürlich einen höheren Fleischpreis. Ein Landwirt bekommt 1,50 Euro pro Kilogramm Schwein. Bei Gelb sind es 40 Cent mehr. „Am Anfang sind viele Metzger vor dem Preis zurückgeschreckt“, so Gelb. Bereut hat er es aber nie, auch wenn die Zeit schwer war. Josef Gelb junior gibt einen schönen Vergleich: „Beim Auto zahlen wir für jedes Extra. Da gibt es den Aufschlag für den Spoiler, den fürs Navi und Ähnliches. Wir bieten auch Extras: Stroh, Platz, Futter ohne Genbeimischung und mehr.“ Anfangs musste Gelb einen harten Weg gehen und hat draufgezahlt. „Aber ich stand immer hundertprozentig hinter meinem Konzept“, sagt er.

Seit einiger Zeit aber laufen die Geschäfte besser. „Zehn Metzger beliefere ich jetzt fest“, sagt Gelb. Unter anderem bekommt man das Fleisch der glücklichen Schweine inzwischen bei der Metzgerei Reich in Mering und Kissing, beim Gasthof Huber in Steinach, beim Gasthof Goldener Stern in Rohrbach, in St. Ottilien, beim Eberl in Hattenhofen, bei der Metzgerei Moser in Landsberg, bei der Metzgerei Willibald in Odelzhausen, beim Riegele in Augsburg oder beim Pschorr in Fuchstal.

Kritik an freiwilliger Kennzeichnung von Fleischprodukten

Angebote, an große Supermarktketten zu liefern, gab es zwar schon früh, erzählt der Landwirt. Die habe er aber alle abgelehnt. Daran ändert auch die freiwillige Kennzeichnung von Fleischprodukten, wie sie die Großhandelsketten eingeführt haben, nichts. Zum einen, weil Gelb sich wegen der langen Transportwege von seinem Grundsatz der Regionalität verabschieden müsste. Zum anderen, weil die Supermärkte trotz der vier Kategorien 1, 2, 3 und 4 weiterhin „die Verbraucher an der Nase herumführen“. „Das ist für mich nicht vertrauenswürdig“, sagt Gelb. So gibt ihm ein Prospekt einer Großhandelskette Rätsel auf. Von Tierwohl-Fleisch ist da die Rede und der Kennzeichnung 1. „1 steht aber für Standardtierhaltung, das ist ja wohl ein Scherz“, entrüstet er sich.

Gerne zitiert Gelb aus einer Studie, dass 80 Prozent der Verbraucher mehr Geld für besseres Fleisch ausgeben würden. Eine andere Studie besagt, dass es aber in Wahrheit nur 15 Prozent der Verbraucher sind, die das praktizieren. „Das ist zum Beispiel auch ein Grund, warum ich mich nicht als Bio zertifizieren habe lassen“, erklärt der Landwirt. Dann nämlich würde das Fleisch noch teurer werden. „Und ich will gute Qualität zu einem annehmbaren Preis anbieten.“

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