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Handarbeit in Mering

25.01.2019

Selber Knöpfe machen: rund, bunt und hochansteckend

Im Knopfmacherkurs des Bürgernetzes schauen die Teilnehmerinnen der Expertin Annemone Zamoscik bei verschiedenen Arbeitsschritten gerne über die Schulter.
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Im Knopfmacherkurs des Bürgernetzes schauen die Teilnehmerinnen der Expertin Annemone Zamoscik bei verschiedenen Arbeitsschritten gerne über die Schulter.
Bild: Heike John

Annemone Zamoscik ist seit Jahren von dem historischen Handwerk begeistert. Nun gibt sie ihr Wissen weiter - ein Hobby, das süchtig macht.

Man nehme einen etwa ein Meter langen bunten Garnfaden, ziehe ihn durch eine Holz- oder Pappscheibe mit Loch in der Mitte und umwickle die Rundung mit buntem Baumwollgarn oder versehen ihn mit dekorativen Mustern. So ungefähr beginnt, natürlich sehr vereinfacht dargestellt, die Technik der Knopfmacherei. Wer sie einmal nach mehreren Wickelversuchen beherrscht, wird leicht süchtig.

Acht Frauen waren auf Aufruf des Bürgernetzes Mering bereit, sich der Gefahr auszusetzen, und trafen sich zum nachmittäglichen Knopfmacherkurs in den Räumen der Meringer Sozialstation. „Ich bin keine Lehrerin, sondern Süchtige“, so stellte sich Annemone Zamoscik den Teilnehmerinnen vor. Zertifiziert ist die Kursleiterin aber sehr wohl und die bunt gewebten Knöpfe auf ihrem schwarzen Shirt gaben bereits einen Vorgeschmack darauf, wie viel „Pep“ die kunstvollen Produkte einem Kleidungsstück verleihen können.

Kursleiterin hat für die Prüfung 100 verschiedene Knöpfe gemacht

Wie Zamoscik erzählt, musste sie für ihre Knopfmacherprüfung beim Trachtenbezirksverband Schwaben in Krumbach hundert verschiedene Knöpfe herstellen. Ihren ersten Kurs machte sie im Augsburger Textilmuseum tim. „Unter den Teilnehmern waren interessante Menschen wie etwa ein Uniformhistoriker oder Leute vom Theater, die sich ihre Kleidung selber nähen.“

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Vor allem im 18. Jahrhundert waren die sogenannten Posamentenknöpfe sehr beliebt und haben sich später auf verschiedenen regionalen Trachten erhalten, berichtet die passionierte Knopfmacherin ihren Kursteilnehmern. Auf früheren Porträts sieht man sie an Männerwesten oder Männerröcken. Alte Abbildungen von Knöpfen wurden zum Teil mit der Lupe untersucht und historische Knöpfe sogar abgewickelt, um zu sehen, wie sie gemacht sind. Der Begriff „Posamenten“ kommt vom französischen Wort „passement“ und bezeichnet textile Schmuckbesätze wie Bommeln, Kordeln, Quasten oder sonstigen Zierrat und eben auch gewickelte oder umsponnene Knöpfe.

Früher durften nur Männer Knöpfe herstellen

Lange Zeit war das Knopfhandwerk den Männern vorbehalten. „Knöpfe wurden von in Zünften organisierten Knopfmachern noch bis in das 19. Jahrhundert hergestellt und dies war ein Lehrberuf“, erzählt die Kursleiterin ihren Schülerinnen. Aufgrund seiner Vielfalt konnte sich das Gewerbe des Posamentierens bis heute halten.

In der Mitte des Arbeitstisches hatte Zamoscik auf einer grünen Stoffunterlage bunte Knöpfe in den verschiedensten Techniken ausgebreitet und die Kursteilnehmerinnen schauten mit viel Lust am Selbermachen die Ergebnisse an. Schritt für Schritt lernten sie zunächst, den einfachen Sternknopf zu wickeln. „Man braucht gute Augen“, stellte eine Kursteilnehmerin fest. „Und ohne feinmotorisches Geschick geht es auch nicht“.

Bereits zum zweiten Mal mit dabei war Brigitte Meissner. „Meine Tochter und ich lieben alles was Handarbeit ist und als der Kurs ausgeschrieben war, sagte sie zu mir ,Mach mal Mama’. Etwas selber zu machen macht einfach Spaß.“ Auch Iris Lohmann fühlte sich wohl in der achtköpfigen Runde. „Zu Hause habe ich weniger Lust zum Handarbeiten, aber in Gesellschaft ist das echt toll“. Man ist ganz weg vom Alltag, der Knopf fesselt einen und man kann an nix anderes denken, der Kopf wird frei, so beschreibt eine Teilnehmerin das Gefühl beim Knopfmachen.

Auf dem Tisch lag auch das Lieblingsbuch von Zamoscik, das sie fast täglich zur Hand nimmt. Das ebenso kulturhistorisch wie praktisch orientierte Handarbeitsbuch „Posamentenknöpfe“ ist das Grundlagenwerk der Knopfmacher und Zamoscik hat es vor vier Jahren von ihrer Tochter zu Weihnachten geschenkt bekommen.

Längst leidet sie an „akuter Knopferitis“, so beschriebt die Kursleiterin ihre Sucht nach dem Knöpfemachen. „In meiner Freizeit überlege ich oft, soll ich fernsehen oder nicht doch lieber in ein, zwei Stunden einen Knopf machen?“ Einigen Kursteilnehmern könnte es in Kürze ähnlich gehen.

Kurse und Termine

Beim Bürgernetz Mering am Montag, 28. Januar, von 14 bis 16 Uhr in der Meringer Sozialstation. Wer bei einer der ersten Veranstaltungen war, kann noch einmal kommen und neben dem gewickelten auch den gewebten Sternknopf anfertigen. Anmeldung bei Lisa Binswanger-Florian, Telefon 08233/1478.

Bei der Volkshochschule am Montag, 25. März, und am Donnerstag, 28. März, je von 18 bis 21 Uhr in der Meringer Realschule. Anmeldung auf www.vhs-aichach-friedberg.de oder per Telefon unter 08251/8737-0.

Mitzubringen sind Schere sowie stumpfe und spitze Sticknadeln für dünnes Baumwollgarn sowie fünf Euro für Materialkosten

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