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Auszeichnung in Zillenberg

22.02.2018

Selbstdisziplin ist das A und O

Erich Abt zeigt eine alte Spritze und einen modernen Pen.

Erich Abt aus Zillenberg hat seit 70 Jahren Diabetes und seine Krankheit im Griff.

Ried-Zillenberg/ Friedberg Stolz klappt Erich Abt das Etui auf und zeigt die glänzende Medaille mit dem Konterfei von Hellmut (zwei ll sind richtig) Mehnert. Der Zillenberger erhielt die Auszeichnung bei einer zentralen Patientenveranstaltung in Berlin anlässlich des Welt-Diabetes-Tag Ende vergangenen Jahres. Sie ist benannt nach dem als „Diabetes-Papst“ geltenden Facharzt Hellmut Mehnert, der in der Öffentlichkeit wie kein Zweiter dafür steht, Betroffene zu motivieren, sich aktiv mit der als Volkskrankheit geltenden Erkrankung Diabetes auseinanderzusetzen.

Erich Abt ist der fünfte Medaillengewinner, seit die Deutsche Diabetes-Hilfe 2013 die Ehrung an Langzeitdiabetiker mit mehr als 50 Jahren Diabetes für ihre Lebensleistung vergibt. Das Wort Lebensleistung mag sich für einen gesunden Menschen sehr hoch gegriffen anhören, wer selbst Diabetiker ist, weiß jedoch, dass das Leben mit der Krankheit viele Herausforderungen bringt und eine drastische Beeinträchtigung des Wohlbefindens darstellen kann.

Erich Abt lebt seid über 70 Jahren mit Diabetes

Der 80-jährige Erich Abt wurde bereits mit zehn Jahren zuckerkrank. Das heißt, seit 70 Jahren dreht sich bei ihm viel um regelmäßiges Blutzuckermessen und Insulin Spritzen, Überprüfung der Ernährung und angemessene körperliche Bewegung. Der in Augsburg aufgewachsene Erich Abt erinnert sich noch gut an die Nachkriegszeit, in der seine Eltern die Familie mit Essenmarken durchbringen musste. „Im Laufe des Jahres 1947 wurde ich immer dünner, gleichzeitig nahm der Durst bei mir immer mehr zu“, erinnert er sich.

Eine Schwester seiner Mutter war Krankenschwester in der Kinderklinik. „Sie sagte, lass ihn auf Zucker untersuchen.“ Anfang Dezember 1947 stand dann das Resultat fest: „Der Bub hat Zucker.“ Ab dieser Zeit waren die wenigen Süßigkeiten, die es an Weihnachten gab, für den Jungen tabu. In der Augsburger Kinderklinik wurde er eingestellt. „Angeblich hatte ich in dieser Zeit über 900 mg/dl Blutzucker im Blut und es wurde vom ersten Tag an Insulin gespritzt“, erzählt Erich Abt. „Meine Mutter wurde eine hervorragende Diätköchin, die die Speisen nach Broteinheiten für mich abwog. Die ersten Jahre hat sie mich auch zwei Mal am Tag gespritzt, Nadeln und Spritze jedes Mal ausgekocht. Einmal zerbrach eine Insulinampulle. Der Arzt wollte sie nicht ersetzen“, erinnert er sich.

Seit dieser Zeit hat sich viel verändert, auch im Bezug auf den Umgang mit der Krankheit. Damals war Erich Abt in der Klinik das einzige Kind mit Diabetes, heute ist die Typ-1-Diabetes die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern. „Gerade Kindern und Jugendlichen will ich mit auf den Weg geben, dass man heutzutage mit einem soliden Lebenswandel auch mit Diabetes alt werden kann“, betont Erich Abt. Aus seiner langjährige Erfahrung im Umgang mit der Krankheit heraus kann er vielen Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Selbsthilfegruppe für Zuckerkranke gegründet

Seit über 30 Jahren lebt der gelernte Feinmechaniker, der 45 Jahre seinen Beruf ausübte, in Zillenberg, zuvor wohnte er auch eine zeitlang in Friedberg. Dort gründete er auf Anraten seines damaliges Diabetologen 2001 eine Diabetes-Selbsthilfegruppe, die er immer noch leitet. Vor einiger Zeit ist Veronika Almanstötter an seine Seite getreten. „Die Grundinformation über seine Erkrankung bekommt jeder Patient von seinem Arzt“, sagt Erich Abt. „In der Selbsthilfegruppe tauschen die Betroffenen dann ihre Erfahrungen aus und man erfährt viel praktisches Wissen für den Alltag“. Jährlich engagiert die Gruppe auch bis zu fünf Fachvorträge mit kompetenten Referenten vom Diabetologen, über die Podologie bis zur Kardiologie. „Auch wenn sich in den letzten Jahren viel Positives getan hat, so bleibt Diabetes immer noch eine rätselhafte Erkrankung“, weiß Erich Abt. Dazu kommt, dass es oft Jahre gehen kann, bis der Diabetes durch Zufall entdeckt wird. „Wenn man lernt, seine Stoffwechsellage besser zu beherrschen, sind Sport, eine normale Freizeitgestaltung und Urlaube keine Hindernisse mehr. Ein gutes Selbstmanagement und ein hohes Maß an Selbstdisziplin sind das A und O“.

Die Treffen der Diabetiker Selbsthilfegruppe Friedberg finden jeden letzten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr im Gasthof Kreisi in der Herrgottsruhstraße 18 statt. die Teilnahme ist kostenlos. Kontakt: Erich Abt, Telefonnummer 08208/957816 oder Veronika Almanstötter, Telefon 0821/607363.

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