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Kultur in Friedberg

08.11.2016

Sie führt die Töne spazieren

Leidenschaftliche Jazzer sind (von links) Kathrin Feige, Michael Gerle, Kilian Bühler und Rocky Knauer (vorne).
Bild: Peter Stöbich

Ein glücklicher Zufall weckte Kathrin Feiges schlummernde Passion. Demnächst ist die Friedbergerin bei einem Jazz-Brunch im Hotel Drei Mohren zu hören

Es war eine Schallplatte mit George Gershwins Oper „Porgy and Bess“, die Kathrin Feige als Kind von ihren Eltern geschenkt bekam. Doch erst viele Jahre später sollte diese erste Begegnung mit Jazz-Musik große Bedeutung für ihr Leben haben. „Denn bis Mitte 30 hatte ich mit dieser Stilrichtung überhaupt nichts am Hut“, sagt die ambitionierte Sängerin aus Friedberg.

Ihre stimmlichen Fähigkeiten wurden ihr zum Teil schon in die Wiege gelegt. „Denn in unserer Familie spielten gemeinsames Musizieren und Klassik seit Generationen eine besondere Rolle“. Erst mit 20 Jahren startete sie ihre aktive Gesangslaufbahn mit einem bemerkenswerten Zufall: Bei ihrem allerersten Bühnenauftritt mit dem Friedberger Kammerchor ließ sie der Leiter Peter Papritz ausgerechnet das Summertime-Solo aus „Porgy and Bess“ singen.

Bis dahin hatte sich die gelernte Augenoptikerin in ihrer Freizeit knapp zwei Jahrzehnte lang mit vollem Engagement der klassischen Musik gewidmet: Ob Liedgut, Arien oder opulente Oratorien - Feige erarbeitete sich intensiv und akribisch vielfältige Literatur. Anfänglich gefördert durch ihren Gesangslehrer Helmut Fischer, führte sie der Weg der klassischen Gesangsausbildung zu Marina Ulewicz, Dozentin an der Münchner Hochschule für Musik und Theater. „Sie arbeitete mit mir sehr ausführlich an meiner Klangfarbe, Ausdruck und Gestaltung“, erzählt die Künstlerin. „Durch sie und ihre einmalige Art zu unterrichten habe ich meine Stimme als facettenreiches Instrument zu gebrauchen gelernt“.

Sie führt die Töne spazieren

Die Lehrrein selbst sagt:“ Mit Bravour hat Kathrin in Konzerten des Münchner Tonkünstlerverbandes Arien der italienischen Belcanto-Meister wie Vincenzo Bellini gesungen“. Mit namhaften Ensembles wie dem Choro d’Arte oder mit Vox Augustana erlebte sie eine Vielzahl an anspruchsvollen Aufführungen.

Wieder war es ein Zufall, der ihrer neuen musikalischen Ausrichtung vor knapp zehn Jahren die Bahn ebnete. Mit viel Neugier nahm sie die Herausforderung an, in ein völlig anderes Musikgenre zu schnuppern. Mit der Friedberger Formation „Cooltone“ unternahm sie erste Schritte in die aufregende Welt des Jazz und erarbeitete sich mit Begeisterung und Ehrgeiz einen soliden Grundstock an Standard-Titeln. „Meine Vorbilder dabei waren unter anderem Ella Fitzgerald, Carmen McRae und Stacey Kent.“

Eine neue Leidenschaft war geboren. Dann nahm sie der Augsburger Jazzgitarrist Dietmar Liehr an die Hand. Mutig sang sie auf ersten Jamsessions und lernte andere Musiker aus der Region kennen. Einen wichtigen Meilenstein zur gefestigten Jazzsängerin bildete ein internationaler Workshop in Südtirol. Dort feilte Feige intensiv mit der New Yorker Musikpädagogin Jeanne Gies an Stil und Interpretation. Mittlerweile verbindet die beiden Sängerinnen eine innige Freundschaft. „Die Jamsessions mit den über die Grenzen Deutschlands bekannten Jazzgitarristen Helmut Nieberle und Paulo Morello bleiben unvergessen“, sagt die Friedbergerin.

Zeitgleich lernte sie den Gitarristen Michael Gerle und den Bassisten Rocky Knauer kennen. Die Musiker fanden schnell Gefallen an der Idee, miteinander zu spielen. Und so bilden sie mit Schlagzeuger Kilian Bühler seit zwei Jahren das Kathrin Feige-Quartett.

Auftritte zum Beispiel im Friedberger Cosmos-Café, im Kurhaustheater Göggingen oder dem Augsburger Hotel Drei Mohren sind Gradmesser für den Erfolg. „Wenn ich mich auf der Bühne in die Emotion fallen lasse, ist das Lebensfreude pur!“ Mit ihren Kollegen hat sie sich mittlerweile ein respektables Repertoire erarbeitet.

„Im Jazz fühle ich mich zuhause, kann die Töne spazieren führen, experimentieren und improvisieren“, sagt sie mit spürbarer Begeisterung. Neben einer Vielzahl an speziell interpretierten Titeln aus dem Great American Songbook unternimmt die Band aber auch Ausflüge in den aktuellen Pop-Bereich.

Ganz neu ist das Duo „Jazz²“. Hier musiziert sie ausschließlich mit ihrem Gitarristen und sagt: „Ich mag diese schlichte Art zu singen sehr; sie schafft im kleineren Rahmen eine stimmungsvolle Atmosphäre“. Obwohl die Friedbergerin zu den Späteinsteigern zählt, hat sie mit ihrem Talent und Fleiß die Welt des Jazz im Sturm erobert. Ihr klassischer Hintergrund und das Gespür für gefühlvolle Interpretationen sind für die Zuhörer angenehm hörbar.

Die nächste Generation führt die musikalische Tradition fort: Ihr Sohn Paul wurde mit der Friedberger Gitarrenschule Stefan Schmidt bei „Jugend musiziert“ bereits mehrfach mit ersten Preisen bedacht.

Auf die Frage, welchen Zufall sie als nächstes erwartet, antwortet Kathrin Feige: „Zufälle fallen einem zu. Ich freue mich, wenn es wieder passiert!“ Bleibt ein wenig Zeit übrig, dann genießt sie diese mit ihrer Familie, packt die Kamera aus und fängt schöne Momente ein. Regelmäßig schnürt sie auch ihre Laufschuhe: „Denn die besten Ideen fliegen mit beim Laufen im Wittelsbacher Land zu“.

Termin Live erleben kann man das Kathrin Feige-Quartett am Montag, 26. Dezember, um 11.30 Uhr beim Jazz-Brunch im Hotel Drei Mohren in der Augsburger Maximilianstraße.

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