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Friedberg

12.09.2020

Sie haben ihr Gartenglück in Friedberg unterm Berg gefunden

Manfred Mitlehner (blaues Shirt) und Daniel Fauquembergue erzählen vom Friedberger Schrebergarten-Glück.
Bild: Edigna Menhard

Plus In Friedbergs Schrebergärten ist das Leben paradiesisch, finden die Pächter. Obwohl dort geflügelte und langohrige Räuber unterwegs sind.

Der schmale Kiesweg zum Schrebergarten von Manfred Mitlehner führt an Parzellen vorbei, wo Gartenzwerge liebevoll arrangiert sind oder wo Gemüse so prachtvoll und üppig in Reih und Glied wächst, dass es aus einem Bilderbuch für Gärtner stammen könnte. Manche haben sich eine insektenfreundliche Blühwiese angelegt, von der lautes Summen zu hören ist, andere mögen große Rasenflächen mit Liegestühlen zum Ausspannen. Auch Manfred Mitlehner hat sich sein grünes Paradies geschaffen. Gleich hinter seinem dunkelbraunen Gartenhäuschen hat er ein großes Beet angelegt, wo er vor allem verschiedene Salate anbaut: Kopfsalat, Lollo rosso, Endivien – je nach Jahreszeit. Das schmeckt nicht nur ihm und seiner Familie.

Von 20 Setzlingen blieben vier übrig

„Letztens habe ich 20 Setzlinge eingepflanzt, dann haben sich aber die Spatzen darüber hergemacht, sodass mir gerade mal vier davon übrig geblieben sind,“ erzählt er. Vor Kurzem habe er auch noch einen langohrigen Dieb erwischt: Ein Feldhase habe sich durch den schmalen Schlitz an seiner Gartentür durchgezwängt und die Karotten in seinem Beet vertilgt. Böse sei er den Räubern nicht, denn die Wildtiere gehörten nun mal dazu, sagt er freundlich.

Schrebergärten (Reportage)
Video: Edigna Menhard

Und schließlich geht es für ihn mehr. Ihm mache das Graben in der Erde sehr viel Spaß. Er zieht die Pflanzen selbst und beobachtet sie erfreut, wenn sie wachsen. Selbstverständlich bekommen seine grünen Lieblinge nie auch nur den Hauch eines chemischen Düngers ab. Alles ist bio. „Ich arbeite nur mit Kompost und ein bisschen mit Hornspänen“, verrät er. Über Ernteerfolge freut er sich entsprechend. Wie über die Mirabellen, die er kürzlich von dem großen alten Baum in seiner Parzelle ernten konnte. Doch sein Garten bietet noch mehr: In einem Teich drehen orange-gelbe Goldfische in den unterschiedlichsten Musterungen ihre Runden. Das kleine Gewässer habe die erlaubte Größe von zehn Quadratmetern, fügt er hinzu.

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Friedberg: Ein Drittel der Fläche muss gärtnerisch genutzt werden

Denn ganz frei ist man bei der Gestaltung der durchschnittlich 150 Quadratmeter großen Parzellen unterhalb des Friedberger Bergs nicht. Der Verein der Schrebergärten macht hier klare Vorgaben. Vorsitzender Daniel Fauquembergue erklärt: „Der Gartenpächter darf auf dem Grundstück eine Laube mit einfacher Ausfertigung errichten, die bebaute Fläche darf 24 Quadratmetern nicht überschreiten.“ Ein Drittel der Fläche müsse gärtnerisch genutzt werden, also Gemüse, Beeren, Obst und Kräuter anpflanzt werden. Zwei Drittel dürfe der Erholung dienen, sprich auf dieser Fläche sind zum Beispiel Liegewiesen oder Teiche erlaubt.

Die Schrebergärten in Friedberg unterm Berg werden immer begehrter. Für ihre Besitzer sind sie das Paradies – allerdings eines mit strengen Regeln.
Bild: Edigna Menhard

Dass sich jeder Kleingärtner an diese Regeln hält, darauf achtet der Verein strikt. Denn die Parzellen sollen wirklich für den Gartenbau genutzt werden – das sei schließlich der Vereinszweck. „Wir möchten nicht, dass die Schrebergärten den Charakter eines Wochenendhauses haben“, betont der Vorstand.

Partys sind unterm Berg verboten

Auch wer denkt, dass er in seinem Bereich viel feiern kann, ist hier falsch. Partys sind verboten. Die meisten hielten sich daran, erzählt Fauquembergue, einige müssten allerdings immer wieder mal freundlich zurechtgewiesen werden. Die Hobbygärtner suchen die Ruhe. Und es ist wirklich idyllisch still auf dem Gelände an der Augsburger Straße 21.

Ein bisschen lauter kann es höchstens mal auf dem Kinderspielplatz werden. Den hat man schräg gegenüber dem Vereinsheim gebaut, nachdem sich immer mehr Familien mit Kindern um einen Schrebergarten bewerben. Die meisten Kleingärtner sind bereits im Rentenalter, teilweise hegen und pflegen sie ihre Gelände schon seit Jahrzehnten. Man habe auch einige ausländische Mitglieder, die in ihren Gärten Gemüse anpflanzten, das sie von ihrer Heimat her kennen und hier in den Supermärkten nicht kaufen können, erzählt Fauquembergue.

Weil mittlerweile die Kleinanlagen sehr begehrt sind, wählt der Verein seine Pächter aus: Man sollte in Friedberg wohnen und zu Hause keinen Garten haben, wenn möglich eine kinderreiche Familie, Versehrter oder Rentner sein und über ein geringes Einkommen verfügen. Aber im Prinzip entscheidet das Bewerbungsgespräch mit den Vorständen, ob man ein Gärtchen bekommt. Teuer ist das nicht, 110 bis 130 Euro im Jahr sind dafür zu bezahlen, das enthält die Pacht, Vereinsbeiträge und Versicherungen. Wer nach zwei, drei Jahren Wartezeit eine Parzelle erhält, muss allerdings noch einmalig etwas tiefer in die Tasche greifen. Denn es ist eine Ablöse für die Laube und die Anpflanzung zu entrichten. Die fällige Summe errechnet sich nach genauen Richtlinien vom Landesverband Bayerischer Kleingärtner.

Für eine Parzelle muss man mit 2500 Euro rechnen

Daniel Fauquembergue hat in seinem kleinen Büro den Ordner mit einer langen Liste: Ein Apfelbaum beispielsweise wird mit 57 Euro veranschlagt. Bei der Laube kommt es darauf an, in welchem Zustand sie ist. Durchschnittlich liegt die Ablöse dann bei zehn Euro pro Quadratmeter. Sein Erfahrungswert ist, dass man insgesamt für eine Parzelle mit einer Summe von rund 2500 Euro rechnen müsse. Der Vorsitzende ist vor sechs Jahren Kleingärtner geworden, zu einer Zeit, als die Schrebergärten nicht so heiß begehrt waren wie heute und von manchen als etwas spießig angesehen wurden. Dem gebürtigen Franzosen, den die Liebe bereits 1972 nach Deutschland verschlagen hat, wurde damals die Rente ein wenig zu langweilig, weshalb er sich seinem Hobby, dem Gärtnern, intensiver widmen wollte. Seine Tochter habe noch gelästert, erzählt Daniel Fauquembergue schmunzelnd, dass er damit so richtig deutsch geworden sei. Anders ausgedrückt könnte man aber auch sagen: Er wurde damit zum Trendsetter.

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