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Interview

28.08.2017

Sind Liederabende zeitgemäß?

Martin Hubner

Der Merchinger Martin Hubner hat bei renommierten Gesangslehrern studiert und tritt regelmäßig auf

Dem Kunstlied als Musikform gilt die besondere Liebe des Merchingers Martin Hubner. Erst vor Kurzem lud der Musiker zu einem Liederabend ins Meringer Pflegezentrum Eder ein. Wir sprachen mit ihm darüber, ob das Genre des Kunstlieds, das eine Hochphase in der Romantik hatte, heute noch zeitgemäß ist.

Ist ihr Ziel der Erhalt des Genres oder geht es Ihnen um mehr?

Zunächst geht es darum, dem Lied stärkere Aufmerksamkeit im Konzertleben zu verschaffen, denn es ist nicht leicht, für Sängerinnen und Sänger ein Publikum für Liederabende zu finden. Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich nicht der Meinung, dass das Kunstlied eine aussterbende Gattung sei. Aber ich sehe auch, dass das Lied eine stärkere Lobby braucht. Es ist sehr schade, dass ein Liederabend immer noch als elitär gilt.

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Was ist das Wesen eines Liedvortrags?

Ehrlichkeit, Natürlichkeit und Echtheit. Für mich ist das die Essenz und ich schätze die Nähe zum Publikum.

Worin liegt für Sie die Besonderheit des Liedgesangs?

Im Lied stecken Minidramen, werden kleine Geschichten erzählt.

Haben Sie ein Lieblingslied oder eines, das besonders wichtig für Sie ist?

Die Frage kann ich so nicht beantworten. Inzwischen habe ich ein großes Repertoire an Liedern, das so vielseitig ist, dass ich mich nicht festlegen kann und will. Neben Schubert und dessen Kollegen gibt es unzählige Komponisten, die weit weniger bekannt sind, aber unglaublich schöne, intensive Lieder geschrieben haben.

Das fachkundige Publikum verehrt die „Klassiker“ wie etwa Franz Schubert als den Liedkomponisten schlechthin.

Natürlich sind die „Spätromantiker“, Leute wie Karol Szymanowski, Alban Berg oder Arnold Schönberg, großartig und ihre Lieder gefallen sehr. Aber die „Klassiker“ wie etwa Mendelssohn-Bartholdy und Schubert haben immer noch ihre Gültigkeit.

Das Lied hat ein etwas angestaubtes Image. Fehlt die Moderne?

Nein. Sicher, darf auch das 20. und 21. Jahrhundert nicht vergessen werden. Die Lieder zum Beispiel von Witold Lutoslawski. Diese Musik bietet so viel an neuen Farben und Techniken des Vortrags, die unbedingt dem Publikum bekannt werden müssen, um Ohren und Augen zu öffnen für die Liedkunst unserer Zeit.

In welchem Verhältnis stehen Volks- und Kunstlied zueinander?

Das Volkslied ist schlussendlich der Ausgangspunkt für das Kunstlied. Es braucht aber Zeit und Muße, ein Lied in sich aufzunehmen, und das ist etwas, was vielen Menschen heute nicht mehr zur Verfügung steht.

Werden junge Gesangsschüler daraufhin ausgebildet und geschult?

Ja. In den Musikakademien wird Gesang gelehrt. Und, ja – die intime Kunstform des Liedes hat definitiv eine Zukunft, gerade auch in unserer Zeit.

Interview: Manuela Rieger

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